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27.05.2014

10:02 Uhr

Zweiter Wahltag

Feierstimmung und Boykott in Ägypten

Der zweite Tag der Präsidentenwahl in Ägypten beginnt erneut mit wenigen Wählern. Denn der hemalige Militärchef Abdel Fattah al-Sisi wird bereits als Sieger gefeiert. Die Muslimbrüder boykottieren die Wahl weiter.

Ägypten wählt einen neuen Präsidenten. Viele können sich trotzdem nicht zum Urnengang aufraffen, weil der Sieg al-Sisis ohnehin als sicher gelte. dpa

Ägypten wählt einen neuen Präsidenten. Viele können sich trotzdem nicht zum Urnengang aufraffen, weil der Sieg al-Sisis ohnehin als sicher gelte.

KairoNach nächtlichen Jubelfeiern hat in Ägypten der zweite und letzte Tag der Präsidentenwahl begonnen. Lange Warteschlangen vor den Wahllokalen wie am Vortag waren am Dienstag nicht zu beobachten.

Anhänger von Abdel Fattah al-Sisi waren in der Nacht mit ihren Autos hupend und Fahnen schwenkend durch Kairo gefahren, um den erwarteten Sieg des Feldmarschalls zu feiern. Straßenhändler boten T-Shirts mit dem Foto des ehemaligen Militärchefs an.

Die Unterstützer seines einzigen Herausforderers Hamdien Sabahi blieben zurückhaltender. Die Wahlbeteiligung war am ersten Tag relativ niedrig gewesen. In der Unruheprovinz Nord-Sinai, wo die Armee gegen militante Islamisten kämpft, lag sie nach Angaben eines Sprechers bei rund 17 Prozent.

Ägypten als Machtfaktor im Nahen Osten

Bevölkerung

Mit rund 85 Millionen Einwohnern ist der Staat das bevölkerungsreichste arabische Land. Niltal und Nildelta zählen mit mehr als 1100 Menschen pro Quadratkilometer zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Wirtschaftskraft

Bei der Wirtschaftsleistung gab es 2012 im Vergleich zum Vorjahr einen prognostizierten Zuwachs von zwei, für 2013 von drei Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sich 2013 auf geschätzt knapp 276 Milliarden Dollar summieren.

Suezkanal

Kairo kontrolliert mit dem 1956 verstaatlichten Kanal eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Besondere Bedeutung haben die vielen Tanker, die Öl vom Golf nach Europa transportieren. Die Kanalgebühren sind eine tragende Säule des ägyptischen Staatshaushalts.

Tourismus

Die Branche ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes. Nach einem Einbruch im Revolutionsjahr 2011 mit 9,8 Millionen Touristen (2010: 14,7 Millionen) kamen 2012 bis November 9,5 Millionen. Die Zahl der deutschen Urlauber stieg in den ersten neun Monaten 2012 im Vergleich zu 2011 um gut 29 Prozent auf rund 830 000.

Nahostfrieden

Für die EU und die USA ist Ägypten seit langem ein verlässlicher Vermittlungs- und Verhandlungspartner. Auf die palästinensische Seite wirkte Kairo oft mäßigend ein. Ägypten war das erste arabische Land, das Israel anerkannte. Die Staaten schlossen 1979 einen Friedensvertrag.

Dschihadisten

Präsident Husni Mubarak verfolgte einen harten Kurs gegen Islamisten und präsentierte Ägypten als „Bollwerk gegen Dschihadisten“. Unter seinem Nachfolger Mohammed Mursi konnten militante Islamisten in einigen Bezirken östlich der Stadt Al-Arisch mehr oder weniger unbehelligt von der Staatsmacht schalten und walten. Aus Sicht der Armee waren die Operationen gegen Extremisten mit Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida in dem Gebiet in dieser Zeit halbherzig.

Die Muslimbrüder, die zum Wahlboykott aufgerufen hatten, sahen sich durch die schwache Beteiligung bestätigt. Am Montag waren nach Angaben lokaler Wahlbeobachter etwa zehn Anhänger der Islamisten-Bewegung festgenommen worden, die versucht hätten, die Wahl zu stören.

Einige Beobachter wiesen darauf hin, dass sich ein Teil der Wähler deshalb nicht zum Urnengang habe aufraffen können, weil der Sieg von Al-Sisi ohnehin als sicher gelte. Die Übergangsregierung hatte am Montagabend verkündet, der Dienstag sei ein offizieller Feiertag. Damit sollten die Wähler wohl dazu ermutigt werden, ihre Stimme abzugeben. Die neue ägyptische Führung ringt seit dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi um Legitimität. Der Islamist Mursi war nach Massenprotesten gegen seine Regierung im Juli 2013 von der Armee abgesetzt und in Gewahrsam genommen worden.

Von

dpa

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