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07.03.2013

09:59 Uhr

Zwischenfall in Syrien

Rebellen kündigen Freilassung von Uno-Beobachtern an

Syrische Rebellen haben auf Facebook angekündigt, die 21 verschleppten Uno-Soldaten in Kürze freizulassen. Zuvor hatte der Sicherheitsrat die Entführung scharf verurteilt und Einsatzkräfte in die Region geschickt.

Ein Mitglied der Al Yarmouk Martyr Brigade vor einem UN-Fahrzeug in der Nähe der Golanhöhen. Reuters

Ein Mitglied der Al Yarmouk Martyr Brigade vor einem UN-Fahrzeug in der Nähe der Golanhöhen.

Berlin/DamaskusDie in Syrien verschleppten 21 philippinischen Blauhelm-Soldaten sollen angeblich bald freigelassen werden. Die Märtyrer-von-Jarmuk-Brigade teilte in der Nacht zum Donnerstag auf ihrer Seite im sozialen Netzwerk Facebook mit: „Sie stehen so lange unter unserem Schutz, bis wir ihren Transport in ein sicheres Gebiet organisieren können.“

Die Vereinten Nationen sollten ihrerseits ein „Sicherheitskomitee“ bilden, um die Uno-Soldaten in Empfang zu nehmen, da das Gebiet im Südwesten der Provinz Daraa von den Regierungstruppen bombardiert werde. Von früheren Erklärungen zu dem Zwischenfall distanzierte sich die Führung der Brigade.

Ein Sprecher der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee (FSA) sagte dem Nachrichtenportal „Zaman al-Wasl“, er erwarte, dass die Blauhelme binnen weniger Stunden freigelassen werden. Peinlich war die Entführung vom Mittwoch für die Rebellen auch, weil am gleichen Tag der Generalstabschef der FSA, Oberst Salim Idriss, die EU-Staaten um die Lieferung moderner Waffen gebeten hatte.

Der Uno-Sicherheitsrat hat die Entführung auf das Schärfste verurteilt. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte am Donnerstag in Berlin: „Neutrales Personal der Vereinten Nationen darf nicht zum Spielball der Interessen im syrischen Bürgerkrieg werden.“

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

Die Uno hatte bereits Truppen in das Gebiet entsandt, um die Situation zu klären. Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, die Sicherheit der Uno-Mitarbeiter müsse von allen Beteiligten gewährleistet werden.

Die Uno bestätigten ein auf YouTube verbreitetes Video, auf dem zu sehen ist, wie Rebellen einen Konvoi unter ihre Kontrolle bringen. Die Aufständischen fordern darin, dass sich die Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aus einem Dorf in der Nähe der Golanhöhen zurückziehen sollten. Nach Angaben der syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte handelt es sich bei den Uno-Beobachtern um Soldaten aus den Philippinen. Die Uno machten keine Angaben zur Nationalität der gefangengenommenen Blauhelme.

In der Vergangenheit waren Granaten und Raketen sporadisch auf den von Israel annektierten Golanhöhen eingeschlagen. Syrischen Truppen ist ein Zutritt dorthin nicht gestattet. Das Gebiet wird seit 1974 von Uno-Friedenstruppen überwacht. Der Einsatz steht in keinem Zusammenhang mit dem jüngsten Konflikt in Syrien. Im Zuge des seit zwei Jahren andauernden Aufstands gegen Assad sind nach Uno-Schätzungen etwa eine Million Menschen aus dem Land vertrieben worden, mehr als 70.000 wurden getötet.


Kommentare (2)

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AxelSiegler

07.03.2013, 09:54 Uhr

... vllt wacht man jetzt'mal langsam in seiner ewigen Verklärung der syrischen Opposition auf!

dschungelmann

07.03.2013, 12:39 Uhr

Wenn ich 'Menschenrechtskiosk' aus London lese, rollen sich mir die Fussnaegel. Wann ist endlich Schluss mit dieser Rebellen/Terroristenpropaganda und wann gibts wieder Presse? Da mag sich Herr Abdelrahman noch so anstrengen neutral zu wirken. Wer glaubt was der erzaehlt, glaubt auch an den Osterhasen.

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