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24.06.2015

16:15 Uhr

Zwist mit Russland

Nato stockt Eingreiftruppe massiv auf

Erinnerungen an den Kalten Krieg werden wach: Die Nato-Krisentruppe soll auf 40.000 Soldaten wachsen und der Generalsekretär fordert höhere Verteidigungsausgaben. Andere Töne kommen von der Bundesverteidigungsministerin.

Bis zu 40.000 Mann soll die Eingreiftruppe stark werden. AFP

Mehr Armee in Osteuropa

Bis zu 40.000 Mann soll die Eingreiftruppe stark werden.

BrüsselDie Nato will ihre schnelle Eingreiftruppe wegen der Spannungen mit Russland massiv aufstocken. Die Einheit solle von 13.000 auf bis zu 40.000 Soldaten anwachsen, kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Auftakt eines zweitägigen Treffens der Verteidigungsminister des Bündnisses am Mittwoch in Brüssel an.

Er mahnte die Verbündeten, auch ihre Wehretats als Reaktion auf die neue Sicherheitslage zu steigern. „Wir werden uns nicht in ein Wettrüsten treiben lassen, aber wir müssen unsere Länder schützen", sagte er. Dieses Jahr werden wohl nur fünf der 28 Nato-Mitglieder das beim Gipfel in Wales bekräftigte Ziel erreichen, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung auszugeben. Deutschland zählt trotz der geplanten Aufstockung seines Wehretats nicht dazu.

Nato-Präsenz im Osten des Bündnisgebietes

Flotten-Verlegung

Verlegung eines Flottenverbandes zur Minenbekämpfung unter Führung des deutschen Tenders „Elbe“ in die östliche Ostsee nach Riga.

Manöver in Estland

Manöver mit 6000 Soldaten aus westlichen Nato-Staaten in Estland. Szenario: Luft- und Bodenangriffe gegen Estland.

Unterwasser-Manöver

Manöver mit einem Unterwasserfahrzeug zur Rettung eines U-Bootes vor der polnischen Ostseeküste.

Truppenübungen

Kanadische, US-amerikanische und polnische Truppen üben fünf Tage lang Luftlandeeinsätze mit Infanterieunterstützung in Polen. Fallschirmjäger aus den USA und Polen springen in Polen und Lettland aus großen Transportmaschinen ab, Abwurf von schwerer Ladung wird geübt.

Luftüberwachung

Polen übernimmt Leitung der Luftüberwachung in den drei baltischen Staaten. Großbritannien, Dänemark und Frankreich verstärken den Einsatz, Deutschland wird ebenfalls Jagdflugzeuge entsenden. Nato überwacht den Luftraum über Polen und Rumänien mit AWACS-Flugzeugen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen rechnet trotz der neuen militärischen Drohgebärden nicht mit einem Rückfall in den Kalten Krieg. Damals hätten sich zwei Blöcke gegenübergestanden, heute sei die Welt durch die Globalisierung völlig verändert, sagte sie.

„Wir sind rund um die Welt vernetzt, wir sind ökonomisch miteinander so verflochten, dass es eine Rückkehr zum Kalten Krieg nicht geben kann und nicht geben darf." Trotz aller Konflikte sei allen Beteiligten bewusst, dass es Probleme wie die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebe, bei denen alle zusammenstehen müssten.

Säbelrasseln und Macht-Gehabe

NATO vs. Russland: Zeitgleiche Groß-Manöver

Säbelrasseln und Macht-Gehabe: NATO vs. Russland: Zeitgleiche Groß-Manöver

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Den Kern der Eingreiftruppe namens Nato Response Force (NRF) bildet die 5000 bis 7000 Soldaten starke Speerspitze, die derzeit von Deutschland geführt wird und im Falle einer Krise im Osten zuerst zum Einsatz käme. Außerdem zählen dazu die Truppen, die sich auf die Übernahme der jährlich rotierenden Speerspitze vorbereiten sowie die, die diese Aufgabe gerade hinter sich haben – also zusammen noch einmal 10.000 bis 14.000 Soldaten.

Damit stehen der NRF drei Brigaden Landstreitkräfte zur Verfügung. Bei dem Treffen in Brüssel sollen ihnen Einheiten von Marine, Luftwaffe und Spezialkräften sowie weitere Kontingente auf freiwilliger Basis an die Seite gestellt werden.

„Wir werden den Entscheidungsprozess beschleunigen, aber die politische Kontrolle (über die Truppe) beibehalten", versicherte Stoltenberg. Er sprach damit ein Manko der NRF an: Sie wurde in der Vergangenheit nie eingesetzt, weil es stets am gemeinsamen politischen Willen mangelte. Deutschland beteiligt sich dieses Jahr mit 4000 Soldaten an der Truppe.

Kommentare (20)

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Herr Peter Spiegel

24.06.2015, 16:56 Uhr

Mit 400.000 haben die auch keine Chance. 40,000 einfach lächerlich. Wieviele
hatte die Wehrmacht ?

Herr Vitto Queri

24.06.2015, 17:34 Uhr

>> Brüssel. Die Nato will ihre schnelle Eingreiftruppe wegen der Spannungen mit Russland massiv aufstocken. >>

Um diese "Schnelle Eingreiftruppe" auszuschalten, benötigen die Russen gerade mal EINE "ISKANDER" ! Und sie haben Tausende davon.

http://www.google.de/imgres?imgurl=http://img.rt.com/files/news/27/cf/c0/00/iskander-missile-shooting-exercise.si.jpg&imgrefurl=http://rt.com/news/189372-iskander-missile-russia-drill/&h=388&w=690&tbnid=3AJMod8vuSz3oM:&zoom=1&tbnh=90&tbnw=160&usg=__fvO3ZqiooiUfUZqWZqOutI6X5jg=&docid=LqV1bJDL9rc8tM


Frau Ich Kritisch

24.06.2015, 18:01 Uhr

Zitat: "Trotz aller Konflikte sei allen Beteiligten bewusst, dass es Probleme wie die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebe, bei denen alle zusammenstehen müssten."

oh ja - die übliche Drohung mit der Terroristenkeule. und dagegen hilft dann ganz wunderbar ein Panzer in Litauen??

Lächerlich - wenn es nicht so schlimm wäre
wir rüsten zum Krieg. bisher war es nur ein Währungs und Wirtschaftskrieg - in absehbarer Zeit wird es ein Militärkrieg werden...

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