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04.01.2009

16:30 Uhr

Zwist zwischen Russland und der Ukraine

Länder bekommen Gasstreit zu spüren

Die Folgen des Streits um russische Gaslieferungen an die Ukraine bekommen immer mehr Länder in Mittel- und Osteuropa zu spüren. Entgegen den Beteuerungen beider Länder kommt in Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechien und der Türkei inzwischen weniger Gas aus Russland an, das überwiegend durch die Ukraine geleitet wird. Deutschland blieb bis Sonntagnachmittag zwar von Lieferengpässen verschont.

Gasstreit: Die Ukraine warnte aber erstmals vor Schwierigkeiten bei der Versorgung Europas. Foto: Reuters Reuters

Gasstreit: Die Ukraine warnte aber erstmals vor Schwierigkeiten bei der Versorgung Europas. Foto: Reuters

HB KIEW/MOSKAU. Ein Ende des Gerangels um den Gaspreis ist aber nicht in Sicht: Der russische Monopolist Gazprom erhöhte seine Forderungen abermals, die ohnehin weit über dem liegen, was die Ukrainer zu zahlen bereit sind. Gazprom warf der Ukraine vor, Gas aus den Pipelines abzuzweigen, was das Land bestritt.

Die Ukraine warnte aber erstmals vor Schwierigkeiten bei der Versorgung Europas. "Sollte im Lauf der nächsten zehn bis 15 Tage keine Lösung gefunden sein, könnte es ernsthafte Probleme und Unterbrechungen bei der Gasdurchleitung durch die Ukraine geben", sagte der Beauftragte von Präsident Viktor Juschtschenko für die Energiesicherheit, Bohdan Sokolowski. Durch die Ukraine fließen 80 Prozent des russischen Gases, das nach Westeuropa gehen soll.

Gazprom warf dem Land vor, am Samstag 50 Mio. Kubikmeter Gas abgezapft oder zurückgehalten zu haben. Die staatliche Naftogaz in der Ukraine erklärte dagegen, sie setze sogar eigene Reserven ein, um die Lieferungen nach Westen sicherzustellen. Eine objektive Überprüfung der Angaben beider Seiten war kaum möglich.

Die Regierung in Kiew bat die Europäische Union in einem dramatischen Appell erneut um Beistand. Wenn die EU jetzt nicht helfe, dann werde die Regierung in Moskau ihre Haltung in Fragen der Energiesicherheit auch gegenüber Westeuropa verschärfen, warnte Juschtschenkos Wirtschaftsberater, Oleksander Schlapak, in einem Interview mit Reuters. Russland missbrauche seinen Rohstoffreichtum, um die Ukraine und andere Länder zu erpressen.

Die Europäische Union, die ein Fünftel ihres Erdgases über Leitungen durch die Ukraine bezieht, setzte für Montag ein Krisentreffen von Abgesandten der Streitparteien in Brüssel an und pochte auf die Lieferverträge. Eine Vermittlerrolle hat sie allerdings abgelehnt. Europas Gasreserven reichten fürs Erste aus. Der stellvertretende tschechische Ministerpräsident Alexandr Vondra nannte die Sicherung der Energieversorgung dennoch ein Schlüsselthema für die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft des Landes.

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