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26.03.2013

14:05 Uhr

Zypern

Deutsches Goethe-Institut ist auch betroffen

Die zyprische Laiki Bank, soll abgewickelt werden. Dort hat auch das deutsche Goethe-Institut in der Hauptstadt sein Konto. Doch für den Ernstfall gibt es schon einen Plan: einen „Rucksack voller Bargeld“.

Eine Filiale der Laiki Bank in Nikosia: Hier hat auch das deutsche Goethe-Institut ein Bankkonto. dpa

Eine Filiale der Laiki Bank in Nikosia: Hier hat auch das deutsche Goethe-Institut ein Bankkonto.

NikosiaAuch das deutsche Goethe-Institut in Zyperns Hauptstadt Nikosia ist von der Bankenkrise des Landes betroffen. Direktor Björn Luley sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa, das Institut habe sein Konto bei Zyperns zweitgrößtem Geldhaus, der Laiki Bank. Diese soll abgewickelt werden.

„Zum Glück“ liege das Guthaben unter der Grenze von 100 000 Euro für gesicherte Einlagen, sagte Luley. Trotzdem gebe es große Fragezeichen: „Wir müssen diese Woche unsere Mitarbeiter bezahlen und wissen nicht, ob die Überweisungen auf die Konten der Mitarbeiter funktionieren.“

Eine Chronologie der Zypern-Krise

25. Juni 2012:

Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei große Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro erlitten.

1. Juli:

Ungeachtet der Krise übernimmt Zypern für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

8. Oktober:

Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zuzustimmen. Dieser sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Die Verhandlungen mit der regierenden Linkspartei Akel ziehen sich aber hin.

3. November:

Der "Spiegel" meldet unter Berufung auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes, dass eine Rettungsaktion für Zypern vor allem Inhabern russischer Schwarzgeld-Konten nutzen würde. Russische Staatsbürger hätten bei zyprischen Banken 26 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) gebunkert.

22. November:

Die zyprische Regierung beziffert den Finanzbedarf des Landes auf rund 17 Milliarden Euro.

11. Januar 2013:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel zu Reformen.

24. Februar:

Der als Sparkurs-Befürworter geltende Konservative Nikos Anastasiades wird zum neuen Präsidenten Zyperns gewählt.

4. März:

Angesichts anhaltender Vorwürfe der Europartner, ein Paradies für Geldwäsche zu sein, stimmt Nikosia einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu.

16. März:

Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz zu den ursprünglich verlangten rund 17 Milliarden Euro muss Nikosia durch höhere Staatseinnahmen aufbringen, etwa durch Privatisierungen und eine Anhebung der Unternehmenssteuer, vor allem aber durch eine Abgabe auf Bankeinlagen, die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

18. März:

Unter öffentlichem Druck kündigt Nikosia an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Die Banken bleiben vorerst geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern. Die Eurozone fordert Nikosia am Abend auf, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

19. März:

Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch - es gibt keine einzige Ja-Stimme. Vor dem Parlament jubeln tausende Menschen nach der Ablehnung.

20. März:

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche russische Hilfen, die Verhandlungen führen aber zu keinem Ergebnis. Die einflussreiche Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet ihre Hilfe an: Sie will der Regierung ihr Vermögen zur Verfügung stellen.

21. März:

Zypern will anstelle der Zwangsabgabe auf Bankguthaben einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erhöht den Druck auf das Land: Sie erklärt, die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten zu stützen.

22. März:

Merkel warnt Zypern davor, die Geduld der Eurostaaten auszureizen. Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

23. März:

Zyprische Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

24. März:

Der zyprische Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen nach Brüssel, wo auch die Euro-Finanzminister zusammenkommen. In der Nacht zum 25. März stimmen die Euro-Finanzminister dem Rettungspaket zu.

25. März:

Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon in Brüssel einigen sich Euro-Staaten, Internationaler Währungsfonds und Zyperns Regierung auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben jedoch unangetastet.

28. März:

Erstmals seit fast zwei Wochen öffnen die Banken wieder. Allerdings gibt es für Abhebungen und den Zahlungsverkehr strenge Beschränkungen.

Als letzte Möglichkeit schloss Luley nicht aus, dass ein Mitarbeiter des Instituts nach Deutschland fliegen muss, „um einen Rucksack voller Bargeld zu holen“. So sei das auch in der Anfangsphase des Goethe-Instituts in Moskau zu Beginn der 1990er Jahre gewesen. „Aber ich glaube nicht, dass es soweit kommen wird.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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pro-d

26.03.2013, 14:23 Uhr

was ist eigentlich mit den 290 Millionen, die der Mitverantwortliche für das Berliner Flughafen Chaos, der SPD Mann Platzeck dort inn Zypern "geparkt" hat.

Komisch, da parkt ein (angeblich) deutscher Politiker 290 Millionen in Zypern und keiner spricht drüber ??????

Mazi

27.03.2013, 09:20 Uhr

Alles Schwarzgeld laut Herrn Schäuble?

Mazi

27.03.2013, 09:31 Uhr

"„Rucksack voller Bargeld“."

Ja, so agiert man in Krisenzeiten. Aber es möge der, den Vorschlag machte, mit dem Rucksack voller Bargeld nach Zypern, in Krisengebiete reisen.

Ich musste dies in der Vergangenheit mehrmals auf klugen Vorschlag meines Projektdirektors selbst durchführen. Als er einmal mit der Hälfte des Geldes reisen musste, standen ihm die Schweißperlen schon vor Reiseantritts auf der Stirn und das Thema war erledigt.

Sicher gehen Personen mit dem Thema unterschiedlich um und man findet gewiss in Politikerkreisen mehrere, die derartiges gewohnt sind und lockerer damit umgehen können.

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