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02.01.2015

19:49 Uhr

Zypern

Die Pleite-Insel schöpft Hoffnung

VonGerd Höhler

Zypern erholt sich schneller als erwartet von der Krise. Das liegt auch am florierenden Tourismus. Doch die Insel hängt mit den versprochenen Reformen hinterher. Und die Achillesferse der zyprischen Wirtschaft bleibt.

Radiospektrometer-Bild der Insel Zypern: „Wir müssen zurückhaltend und vorsichtig bleiben“. dpa

Radiospektrometer-Bild der Insel Zypern: „Wir müssen zurückhaltend und vorsichtig bleiben“.

NikosiaZyperns Finanzminister Charis Georgiadis ist ein besonnener Mann, der seine Worte sorgsam abwägt. Der in England ausgebildete Ökonom und Politologe neigt weder zur Euphorie, noch zur Schwarzmalerei. „Wir stehen kurz vor dem Ende der Rezession“ sagte der Minister jetzt vor dem Parlament in Nikosia. Georgiadis fügte aber hinzu: „Wir müssen zurückhaltend und vorsichtig bleiben.“

Das beschreibt Zyperns Lage zu Jahreswechsel ziemlich treffend. Die Insel, die noch im Februar 2013 am Abgrund des Staatsbankrotts stand und mit einem zehn Milliarden Euro umfassenden Hilfsprogramm der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gerettet wurde, erholt sich einerseits schneller als erwartet von der Krise. Andererseits ist Zypern mit einigen versprochenen Reformen im Rückstand – weshalb der IWF jetzt die Auszahlung einer fälligen Kreditrate von 88 Millionen Euro zurückstellte. Und es gibt externe Risikofaktoren.

Nachdem Zyperns Wirtschaftsleistung 2013 um 5,4 Prozent schrumpfte, hat sich die Talfahrt im frisch vergangenen Jahr deutlich verlangsamt. Für 2014 erwartet die EU-Kommission in ihrer Herbstprognose nur noch ein Minus von 2,8 Prozent. In der Frühjahrsprognose war noch von einem Rückgang um 4,8 Prozent die Rede. Vor allem der florierende Tourismus stützt die Konjunktur. In diesem Jahr soll Zyperns Wirtschaft nach drei Jahren Rezession wieder um knapp ein Prozent wachsen. Auch bei der Haushaltskonsolidierung macht Zypern Fortschritte. Die Defizitquote dürfte von 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vergangenen Jahr auf 1,8 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen.

„2015 wird das Jahr der Erholung, aber wir haben noch nicht das gewünschte Niveau erreicht“, sagt Finanzminister Georgiadis. „Dass es uns besser geht, bedeutet noch nicht, dass es uns gut geht“. Das gilt vor allem für den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote ging 2014 gegenüber dem Vorjahr nur minimal von 15,9 auf 15,8 Prozent zurück. 2015 soll sie auf 14,8 Prozent sinken.

Ein großes Problem bleiben auch die Banken. Zypern hatte vor der Krise einen aufgeblähten Finanzsektor, dessen Bilanzsumme fast das Neunfache des BIP erreichte. Zyperns Banken expandierten nach Griechenland, Osteuropa und in die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Vor allem aus Russland und der Ukraine strömte in den 2000er Jahren viel Kapital nach Zypern. Zyperns Banken versprachen Diskretion und hohe Zinsen. Die Banken investierten einen Großteil der Einlagen in griechische Staatsanleihen, denn die brachten hohe Renditen – bis zum griechischen Schuldenschnitt im Februar 2012. Er kostete Zyperns Banken ihr gesamtes Eigenkapital. Die taumelnden Geldinstitute hätten fast die ganze Insel in den Bankrott gerissen.

Die Banken wurden im März 2013 auf Kosten der Aktionäre, der Bondholder und der Einleger abgewickelt beziehungsweise rekapitalisiert – das erste Bail-in der Eurozone. Vorerst sind die Banken zwar wieder ausreichend rekapitalisiert. Aber ihre Situation bleibt schwierig – vor allem wegen der immensen Kreditrisiken.

Kommentare (1)

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Herr Vittorio Queri

02.01.2015, 20:06 Uhr

>> Russland ist traditionell ein wichtiger Wirtschaftspartner Zyperns. >>

Wenn die Russen jetzt anfangen, ihre Firmenbeteiligungen ( Überwiegend Head-Offices ) nach Russland zu verlegen, wird sehr viele Westbanken das Vermögen der Firmen entzogen ===> und viele werden Pleite gehen.

Vorne weg sind es Ölfirmen und auch die Gasprom mit ihrer diversen Tochtergesellschaften.

Zypern erwarten sehr KALTE und DUNKLE Zeiten !

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