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01.04.2013

10:36 Uhr

Zypern

Reiche Russen dürfen nicht auf Moskau hoffen

Keine Staatshilfe: Die Regierung in Moskau will Russen auf Zypern nicht unterstützen. Sollte allerdings ein Unternehmen, an dem der russische Staat beteiligt ist, viel Geld verlieren, sieht die Sache anders aus.

Im Rahmen des Rettungspakets für Zypern müssen Kunden der größten Bank Zypern, der Bank of Cyprus, mit Verlusten von bis zu 60 Prozent ihrer Sparguthaben über 100.000 Euro rechnen. dpa

Im Rahmen des Rettungspakets für Zypern müssen Kunden der größten Bank Zypern, der Bank of Cyprus, mit Verlusten von bis zu 60 Prozent ihrer Sparguthaben über 100.000 Euro rechnen.

Die Regierung in Moskau lehnt Hilfe für russische Sparer in Zypern ab. Sollten Russen im Zuge des geplanten Rettungspakets für den von der Staatspleite bedrohten Inselstaat Geld verlieren, wäre das sehr schade, sagte der Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in einem Fernsehinterview am Sonntagabend. "Aber die russische Regierung wird sich bei einer solchen Situation nicht einschalten."

Sollte allerdings ein Unternehmen, an dem der russische Staat beteiligt ist, viel Geld verlieren, "sind wir bereit, das öffentlich und transparent hier in Russland je nach Fall zu prüfen", fügte er hinzu. Konkrete Hilfen für Zypern seien damit nicht verbunden.

Eine Chronologie der Zypern-Krise

25. Juni 2012:

Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei große Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro erlitten.

1. Juli:

Ungeachtet der Krise übernimmt Zypern für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

8. Oktober:

Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zuzustimmen. Dieser sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Die Verhandlungen mit der regierenden Linkspartei Akel ziehen sich aber hin.

3. November:

Der "Spiegel" meldet unter Berufung auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes, dass eine Rettungsaktion für Zypern vor allem Inhabern russischer Schwarzgeld-Konten nutzen würde. Russische Staatsbürger hätten bei zyprischen Banken 26 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) gebunkert.

22. November:

Die zyprische Regierung beziffert den Finanzbedarf des Landes auf rund 17 Milliarden Euro.

11. Januar 2013:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel zu Reformen.

24. Februar:

Der als Sparkurs-Befürworter geltende Konservative Nikos Anastasiades wird zum neuen Präsidenten Zyperns gewählt.

4. März:

Angesichts anhaltender Vorwürfe der Europartner, ein Paradies für Geldwäsche zu sein, stimmt Nikosia einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu.

16. März:

Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz zu den ursprünglich verlangten rund 17 Milliarden Euro muss Nikosia durch höhere Staatseinnahmen aufbringen, etwa durch Privatisierungen und eine Anhebung der Unternehmenssteuer, vor allem aber durch eine Abgabe auf Bankeinlagen, die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

18. März:

Unter öffentlichem Druck kündigt Nikosia an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Die Banken bleiben vorerst geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern. Die Eurozone fordert Nikosia am Abend auf, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

19. März:

Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch - es gibt keine einzige Ja-Stimme. Vor dem Parlament jubeln tausende Menschen nach der Ablehnung.

20. März:

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche russische Hilfen, die Verhandlungen führen aber zu keinem Ergebnis. Die einflussreiche Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet ihre Hilfe an: Sie will der Regierung ihr Vermögen zur Verfügung stellen.

21. März:

Zypern will anstelle der Zwangsabgabe auf Bankguthaben einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erhöht den Druck auf das Land: Sie erklärt, die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten zu stützen.

22. März:

Merkel warnt Zypern davor, die Geduld der Eurostaaten auszureizen. Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

23. März:

Zyprische Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

24. März:

Der zyprische Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen nach Brüssel, wo auch die Euro-Finanzminister zusammenkommen. In der Nacht zum 25. März stimmen die Euro-Finanzminister dem Rettungspaket zu.

25. März:

Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon in Brüssel einigen sich Euro-Staaten, Internationaler Währungsfonds und Zyperns Regierung auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben jedoch unangetastet.

28. März:

Erstmals seit fast zwei Wochen öffnen die Banken wieder. Allerdings gibt es für Abhebungen und den Zahlungsverkehr strenge Beschränkungen.

Im Rahmen des Rettungspakets für Zypern müssen Kunden der größten Bank Zypern, der Bank of Cyprus, mit Verlusten von bis zu 60 Prozent ihrer Sparguthaben über 100.000 Euro rechnen. Viele reiche Russen haben ihr Geld in der Vergangenheit in das kleine Euro-Land im Mittelmeer gebracht. Niedrige Steuern, hohe Zinsen und laxe Kontrollen lockten. Durch die bislang beispiellose Beteiligung vermögender Bankkunden an dem Rettungspaket dürften die Tage Zyperns als Steuerparadies allerdings gezählt sein.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

01.04.2013, 11:13 Uhr

Ich kann es kaum noch erwarten bis Italien endlich offiziell verkünden muss dass sie am Abgrund stehen und schon seit bald 10 Jahren am Abgrund herumeiern.... Noch besser wird es wenn Frankreich die Hosen runter lassen muss, denn dieses Land ist ebenso vollkommen im Eimer, gefolgt von Belgien.

Das könnte ein spannendes Jahr werden :D

Vicario

01.04.2013, 11:17 Uhr

Zitat : Die Regierung in Moskau lehnt Hilfe für russische Sparer in Zypern ab. Sollten Russen im Zuge des geplanten Rettungspakets für den von der Staatspleite bedrohten Inselstaat Geld verlieren, wäre das sehr schade, sagte der Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in einem Fernsehinterview am Sonntagabend. "Aber die russische Regierung wird sich bei einer solchen Situation nicht einschalten."

- Das ist eine reine Propagandameldung der staatlichen Stellen, um dem Russen-Normalbürger Sand in die Augen zu streuen !
Putin und Medwedjew haben ja die Doktrin der Korruptionsbekämpfung ins Leben gerufen ( obwohl die beiden die größten Korruptionäre sind ) und die Diskussionen um Zypern haben sehr viel Korruptions-Dreck an die Oberfläche gebracht. Jetzt versucht die Regierung zu beschwichtigen.

Die meisten Gelder auf Zypern waren aber Gelder von Firmen, an denen der Staat beteiligt ist.

Während der Verhandlungswoche zwischen Zypern und Troika waren Filialen der Zypriotischen Banken in Moskau und London aktiv, d.h. jeder konnte über diese Filialen seine Gelder frei bewegen, wohin er wollte !
Die Russen haben alle ihre Gelder aus Zypern in aller Ruhe abgezogen.

Putin war nur aufgescheucht wegen der 20 Mrd. € für der Deal zwischen "Rosneft" und "TNK-BP". Diese Gelder waren über Zypriotische Banken abgewickelt worden. Da hat Mister Barroso den Russen-Zar wohl beruhigen müssen, dass diese Gelder nicht in den Sog der Bankenzerschlagung gerissen werden. Dies ist ihm bei seiner Reise nach Moskau wohl auch gelungen und die Russen haben sich zurückgelehnt.

Lilly

01.04.2013, 11:42 Uhr

@ Vicario ..."Während der Verhandlungswoche zwischen Zypern und Troika waren Filialen der Zypriotischen Banken in Moskau und London aktiv, d.h. jeder konnte über diese Filialen seine Gelder frei bewegen, wohin er wollte !
Die Russen haben alle ihre Gelder aus Zypern in aller Ruhe abgezogen."

Da gebe ich Ihnen recht. Weiteres siehe unter:

http://www.zerohedge.com/news/2013-03-31/guest-post-how-big-bailout-cyprus-hint-trick-question

und:

http://www.zerohedge.com/news/2013-03-31/new-cyprus-business-model-20-fee-move-millions-offshore


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