Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2017

15:07 Uhr

Zypern

UN-Gesandter bricht Gespräche vorzeitig ab

Die Vereinten Nationen bemühen sich seit Jahren um eine Wiedervereinigung Zyperns. Ein UN-Gesandter sprach mit den Führern beider Seiten. Aber auch dieses Mal waren die Ansichten unvereinbar.

Der UN-Gesandte war dieses Mal nicht in der Lage, die zyprischen Führer an einen Tisch zu bringen. AP

Espen Barth Eide (M.)

Der UN-Gesandte war dieses Mal nicht in der Lage, die zyprischen Führer an einen Tisch zu bringen.

NikosiaDie Gespräche zur Wiedervereinigung Zyperns sind vorerst gescheitert. Der UN-Gesandte Espen Barth Eide erklärte am Freitag, er sehe derzeit keine Chance, dass sich die griechische und die türkische Seite auf ein gemeinsames Gipfeltreffen einigen könnten.

Eide hatte sich zuvor zu getrennten Gesprächen mit dem griechisch-zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades und dem türkischem Volksgruppenführer Mustafa Akinci getroffen. Dabei ging es um die Modalitäten für ein Gipfeltreffen in Genf, auf dem ein Abkommen zur Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel geschlossen werden sollte.

Nikos Anastasiadis

Der Politiker

Der 69-jährige Nikos Anastasiadis schlug nach dem Jurastudium in Athen und London zunächst eine Anwaltslaufbahn ein, bevor er 1981 für die konservative Demokratische Sammlungsbewegung ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Seit 1997 ist er Parteichef. Ende Februar 2013, auf dem Höhepunkt der zyprischen Finanz- und Bankenkrise, wurde er zum Staatspräsidenten gewählt.

Der Krisenmanager

Er habe es vorgezogen, sich für sein „Land nützlich zu machen, statt beliebt zu sein“. So rechtfertigte Anastasiadis seine Zustimmung zu den harten Auflagen des 2013 geschnürten Rettungspakets, das Zypern vor dem drohenden Bankrott bewahrte. Der Jurist und Politiker aus der zyprischen Stadt Limassol gilt als kühler Analytiker. Populistische Anwandlungen sind ihm fremd.

Die Führer beider Seiten hätten keine gemeinsame Basis gefunden, erklärte Eide. Daher sei eine Fortsetzung der Gespräche nicht sinnvoll. Er habe beide über seine Entscheidung informiert und werde nun mit UN-Generalsekretär António Guterres darüber beraten, wie es weitergehen solle.

Der Sprecher der Vereinten Nationen in Zypern, Aleem Siddique, sagte, der Friedensprozess sei damit nicht zu Ende. Nun hänge es von der politischen Führung beider Inselteile ab, über die nächsten Schritte zu entscheiden.

Uno glaubt an Ende der Spaltung: Wie nah kommt Zypern der Wiedervereinigung?

Uno glaubt an Ende der Spaltung

Wie nah kommt Zypern der Wiedervereinigung?

Die Vereinten Nationen glauben, dass die Teilung Zyperns überwunden werden kann und geben ihr Bestes: Mit den Führern der griechischen und türkischen Zyprer soll bis Mitte der Woche intensiv verhandelt werden.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Der türkische Norden wird international nur von der Türkei anerkannt. Die griechisch geprägte Südhälfte gehört zur EU und dem Euro-Währungsraum. In den vergangenen zwei Jahren hatten beide Seiten Fortschritte in der Frage erzielt, wie in einem möglichen künftigen Bundesstaat die Befugnisse verteilt werden sollen. Strittig waren jedoch weiterhin die Zukunft der türkischen Soldaten in Zypern und die Größe des jeweils zu verwaltenden Territoriums.

Die Türkei hat derzeit 35.000 Soldaten im Norden der Insel stationiert. Die griechische Seite fordert, dass im Rahmen eines Friedensvertrags alle abgezogen werden und eine internationale Polizeitruppe die Sicherheit garantiert. Die türkischen Zyprer lehnen das ab.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×