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09.06.2015

15:22 Uhr

Zypern

Wirtschaft legt erstmals seit 2011 zu

Zypern hat mit strengen Auflagen der Euroländer und des IWF zu kämpfen. Dennoch konnte das Land der Serie von 14 Quartalen mit einem Rückgang des BIP ein Ende setzen. Die Wirtschaft legte erstmals seit 2011 wieder zu.

Zypern war vor zwei Jahren mit rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite gerettet worden. ap

Flaggen von EU und Zypern

Zypern war vor zwei Jahren mit rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite gerettet worden.

NikosiaZypern hat zum Jahresbeginn erstmals seit 2011 ein Wirtschaftswachstum verzeichnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Januar und März um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie die Statistikbehörde des Landes am Dienstag mitteilte. Im vierten Quartal 2014 war das BIP noch um 0,4 Prozent geschrumpft.

Damit setzte das EU-Mitgliedsland der Serie von 14 Quartalen mit einem Rückgang des BIP ein Ende. Zuletzt hatte Zyperns Wirtschaft im zweiten Quartal 2011 zugelegt. Im vergangenen Monat hatte die EU-Kommission Zypern für das laufende Jahr einen Rückgang des BIP um 0,5 Prozent vorausgesagt und ein Wachstum von 1,4 Prozent im nächsten Jahr.

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Die Euroländer und der IWF hatten für Zypern im März 2013 ein Hilfspaket mit Notkrediten in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Euro geschnürt. Im Gegenzug wurden die Steuern erhöht und die Löhne gekürzt, die Arbeitslosigkeit stieg drastisch an. Zu den Auflagen gehörte neben einem Sparkurs mit Stellenstreichungen und Privatisierungen auch ein radikaler Umbau des Finanzsektors.

Von

afp

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