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28.02.2014

21:02 Uhr

Zyperns Einigungsplan

Kampf gegen die Ängste der Vergangenheit

VonGerd Höhler

Zypern ist geteilt: Blutige Konflikte haben die Griechen und Türken auf der Insel entzweit. Doch der türkisch-zyprische Chefdiplomat Özdil Nami glaubt an eine baldige Lösung der Zypernfrage. Seinen Job wäre er dann los.

Ein Plakat weist auf die Zone hin, die den türkischen und griechischen Teil in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia voneinander trennt. dpa

Ein Plakat weist auf die Zone hin, die den türkischen und griechischen Teil in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia voneinander trennt.

NikosiaDas Zypernproblem ist älter als Özdil Nami. „Seit 50 Jahren steht das Thema auf der Tagesordnung der Uno, ein halbes Jahrhundert“, sagt Nami. „Es ist an der Zeit, eine Lösung zu finden!“ Als der Zyperntürke 1967 in London geboren wurde, lag der Beginn der blutigen Konflikte, die Griechen und Türken auf der Insel entzweiten, bereits drei Jahre zurück. 1974 besiegelte die Türkei mit der militärischen Besetzung des Inselnordens die Teilung.

Heute ist Özdil Nami Außenminister der „Türkischen Republik Nordzypern“ (KKTC). An der Stirnwand des riesigen Ministerbüros stehen die türkische Flagge und die Fahne der KKTC, rote Mondsichel und Stern auf weißem Grund. Der wuchtige Edelholz-Schreibtisch ist aufgeräumt, das iBook zugeklappt. Der auch in Nordzypern allgegenwärtige türkische Staatsgründer Atatürk blickt in Namis Büro von einem großen Porträt streng auf den Besucher.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.


Trotz der Insignien der Macht: Die KKTC wartet auch mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung auf internationale Anerkennung. Nur Ankara unterhält mit Nord-Nikosia diplomatische Beziehungen. Aber vielleicht gibt es die KKTC ja in ihrer heutigen Form schon bald gar nicht mehr – wenn die Zypernteilung überwunden wird.

Nami wäre dann seinen Posten als Außenminister los. Dennoch arbeitet er für eine Zypernlösung. 2004 scheiterte der Einigungsplan des damaligen Uno-Generalsekretärs Kofi Annan am Nein der Inselgriechen. Jetzt kommen die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung neu in Gang. „Seit 2004 sind wir alle zehn Jahre älter und hoffentlich weiser geworden“, sagt Nami im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Chefdiplomat Özdil Nami. EPA/KATIA CHRISTODOULOU

Chefdiplomat Özdil Nami.

Der Volks- und Betriebswirt Nami ist für die Verhältnisse Zyperns, wo überwiegend die alte Garde das Sagen hat, ein Politiker neuen Typs: Absolvent der Universität Berkeley in Kalifornien, ein Mann ohne Scheuklappen, weltläufig. Zwei Worte fallen immer wieder in der einstündigen Unterhaltung mit Nami: Realismus und Vernunft. „Wir haben auf dem geteilten Zypern so viel Ineffizienz, so viel Verschwendung von Ressourcen, eine immense Militärpräsenz, politische Ungewissheit – all das ist unvernünftig und kontraproduktiv für Investitionen“, klagt Nami.

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