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08.04.2013

12:07 Uhr

Zyperns Finanzminister

„Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“

Zyperns neuer Finanzminister Charis Georgiades hat der Gläubiger Troika versichert, dass verordnete Sparprogramm bis ins Details umzusetzen. Fliege sein Land aus der Euro-Zone werde es „um Jahrhunderte“ zurückfallen.

Laut Finanzminister Charis Georgiades reicht das Geld in den Staatskassen bis Mai. dpa

Laut Finanzminister Charis Georgiades reicht das Geld in den Staatskassen bis Mai.

NikosiaZypern wird nach Worten des neuen Finanzministers Charis Georgiades sein Sparprogramm bis ins letzte Detail in die Tat umsetzen. Der Inselrepublik bleibe keine andere Wahl, der Wohlstand des Landes würde im Falle eines Austritts aus der Eurozone „um Jahrhunderte“ zurückfallen, sagte Georgiades am Montag im zyprischen Parlament. „Die Stunde ist gekommen, den Preis dafür zu bezahlen, dass wir über unsere Verhältnisse gelebt haben“, erklärte Georgiades.

Nach Angaben des Ministers reicht das Geld in den Staatskassen bis Mai. Bis dahin hoffe er, dass die Hilfskredite der Geldgeber (von zehn Milliarden Euro) fließen werden. Zypern will mit einer beispiellosen Zwangsabgabe auf Bankeinlagen selbst rund 5,8 Milliarden Euro für die Rettung seiner Banken aufbringen. Die zweitgrößte Bank, die Laiki Bank, wird zerschlagen. Das Gesundschrumpfen des Bankensystems ist Voraussetzung für die weitere Hilfe durch die Geldgeber von EU, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Der russische Präsident Wladimir Putin versicherte unterdessen, dass auch Russland seinen Betrag zur Rettung Zyperns leisten wird. Moskau habe Zypern eine Milliarde US-Dollar als Staatskredit gegeben, dieser solle nun restrukturiert werden, sagte Putin am Montag in Hannover nach einem Messe-Rundgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er gehe allerdings davon aus, dass der jetzige Lösungsansatz ein „Einzelfall“ bleibe und diese Methoden nicht mehr angewendet würden. Zypern will als Teil des Rettungspakets Bankeinlagen mit einer Zwangsabgabe belegen. Auch russische Staatsbürger haben in Zypern Geld angelegt.

Merkel sagte dazu, sie nehme zur Kenntnis, dass Russland ein grundsätzliches Interesse an einer stabilen Entwicklung im Euro-Raum Habe. Zurecht sei in letzter Zeit darauf hingewiesen worden, dass im Euro-Raum in einigen Bereichen nachgebessert werden müsse.

So würden zur Zeit einheitliche Regelungen für Einlagensicherungen erarbeitet. Zwar seien Einlagen bis zu 100 000 Euro in Europa geschützt. Aber die Standards dieser Sicherung würden erst jetzt vereinheitlicht. Ebenso werde die Aufsicht der Banken erst jetzt vereinheitlicht. Sie wies erläuternd darauf hin, dass in Zypern die Zinsen für Einlagen deutlich höher gewesen seien als in Deutschland, aber eben auch die Risiken.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Sarina

08.04.2013, 15:01 Uhr

„Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“
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Oh ja, das habt ihr. Trotzdem würde ich von diesem Kerl keinen Gebrauchtwagen kaufen!

Freidenker

08.04.2013, 15:20 Uhr

So ein Schwachsinn...

keiner hat über seine Verhältnisse gelebt!!!

Es ist nur zuviel Reichtum da!!

(...)


Und auch das HB ist nicht besser! Vasallen der Hochfinanz, der Reichen sind leicht zu entlarven :-)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

heinz

08.04.2013, 16:01 Uhr

Was ist mit den 5 Milliarden aus den Tresoren der deutschen Bundesbank? Wie lange werden die 10 Milliarden reichen, auf die Zypern schon jetzt wartet? Werden die von der EU geforderten 5,8 Milliarden auch wirklich von Zypern aufgebracht werden?
Warum hat die zypriotische Regierung ein 4köpfiges Gremium gebildet, das sich nur um Ausnahmegenehmigungen für Geldtransaktionen ab 200000 Euro von Zypern nach sonstwohin kümmert? Kapitalverkehrskontrollen sehen anders aus. Ich bin überzeugter Europäer, verabscheue jedoch aus tiefstem Herzen diese diktatorische EU und diesen wertlosen Euro. Ich habe keinerlei Verständnis für diese Verlogenheit und Korruption, die ihren Ursprung im Brüsseler Parlament nahm und der alle Länderparlamente, Banken, Unternehmen nachfolgten mit Selbstbedienermentalität ohne Grenzen. Pfui Deibel!

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