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12.07.2017

15:02 Uhr

Kommentar zur Bertelsmann-Studie

Schülerboom? Fachkräftewelle!

VonBarbara Gillmann

Die Bertelsmann-Stiftung schlägt Alarm: 2025 wird es in Deutschland statt sieben Millionen gut acht Millionen Schüler geben. Für Firmen ist das eine gute Nachricht – jeder Schüler ist eine potenzielle Fachkraft. Ein Kommentar.

Jahrelang hieß es, die Schülerzahlen in Deutschland gehen weiter zurück. Dank höherer Geburtenraten und Zuwanderung aber ist dieser Trend durchbrochen. Eine Studie geht sogar von einem Boom aus. obs

Schüler in Hamburg

Jahrelang hieß es, die Schülerzahlen in Deutschland gehen weiter zurück. Dank höherer Geburtenraten und Zuwanderung aber ist dieser Trend durchbrochen. Eine Studie geht sogar von einem Boom aus.

Gut eine Million mehr Schüler als gedacht – und das schon in acht Jahren. Die Wünsche der Wirtschaft werden schneller wahr, als sie hoffen konnte. Denn damit steigt auch das Potenzial für künftige Fachkräfte enorm. Die Horrorszenarien, dass schon 2030 über alle Berufe hinweg rund 1,7 Million Gesellen fehlen,  können nach unten korrigiert werden.  

Die erfreuliche Tendenz hat drei Gründe: die ganz normale Zuwanderung, die auf Rekordwerte gestiegen ist, die Flüchtlinge und vor allem der gestiegene Mut der Deutschen, Kinder zu bekommen. Besonders erfreulich ist, dass diese Million zusätzlicher junger Menschen hier in Deutschland in die Schule geht, beziehungsweise gehen wird: Auch diejenigen unter ihnen, die keine deutschen Eltern haben, werden am Ende ihrer Schulzeit voll integriert sein und fließend Deutsch sprechen.  

Zuvor jedoch sind die Kultusminister gefordert, auf sie kommt eine harte Zeit zu. Jahrelang haben sie die „demografischen Rendite“ eingestrichen – sie sparten Geld, weil die Zahl der Schüler seit der Jahrtausendwende immer weiter gesunken ist. Das ist vorbei. Jetzt bleiben ihnen nur wenige Jahre, bis der Boom zuerst die Grundschulen und dann die weiterführenden Schulen erreicht.

Bertelsmann Stiftung: Politik auf Schüler-Boom nicht vorbereitet

Bertelsmann Stiftung

Politik auf Schüler-Boom nicht vorbereitet

Was kommt da auf die Schulen zu? Eine neue Prognose lässt erwarten, dass es mit der „demografischen Rendite“ nichts wird. Wenn die Schülerzahlen nicht sinken, wird mehr Geld als erwartet fürs Bildungssystem nötig sein.

Sie müssen daher sehr schnell versuchen, mehr junge Menschen für den Beruf des Lehrers zu begeistern – anderenfalls droht der schon jetzt in einigen Fächern und vor allem in den Berufsschulen virulente Lehrermangel ein Ausmaß zu erreichen, das gefährlich für den Standort wird. Die Herausforderung ist umso größer, als die Schulen als Arbeitgeber zunehmend mit der Wirtschaft um fähige Kräfte konkurrieren – und zu oft unterliegen.

Daneben ist höchste Flexibilität gefragt: Denn die neue große Schülerwelle brandet zunächst in den Grundschulen auf, je nach System vier bis sechs Jahre später dann in den weiterführenden Schulen. Es reicht also nicht, Zehntausende zusätzliche Lehrer zu finden – was durch die anstehende Massen-Verrentung noch verschärft wird.

Es wird auch höchste Zeit, Wege zu finden, wie zunächst Lehrer aus den weiterführenden Schulen in den Grundschulen aushelfen können, und später dann umgekehrt. Da braucht es mehr Offenheit im Dienstrecht und in der Besoldung. Daneben geht das nicht ohne sehr viel Weiterbildung – sowohl pädagogisch als auch fachlich. Von den immensen Mehrkosten von bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr gar nicht zu reden.   

Kommentare (1)

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Herr Leo Löwenstein

12.07.2017, 16:28 Uhr

"Auch diejenigen unter ihnen, die keine deutschen Eltern haben, werden am Ende ihrer Schulzeit voll integriert sein und fließend Deutsch sprechen. "

Wenn die genauso integriert und leistungswillig sind, wie die bisher zu integrierenden, dann wird mir schlecht.
Ein großer Teil wird nicht wirklich etwas zum Land beitragen, sondern nur die Opferrolle einnehmen und antiquierte Vorstellungen ihrer Eltern weitertragen, letztendlich wird es dann wie in Frankreich und England kommen, es wird eine große Anzahl radikalisierter in 2. Generation geben.

Danke Frau Merkel.

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