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21.01.2010

07:58 Uhr

BIP wächst zweistellig

Chinas Wirtschaft ist nicht zu bremsen

VonAndreas Hoffbauer

Peking verkündet stolz das Ende der Krise. Denn im vierten Quartal 2009 wuchs die Wirtschaft der Volksrepublik wieder zweistellig, Und internationale Banken heben ihre China-Prognose für 2010 bereits erneut an. Doch die Turbo-Wirtschaft birgt neue Gefahren – die Inflation legt zu, die Immobilienblase könnte bald platzen.

Bauarbeiter in China: Von der Krise in die Blase. Reuters

Bauarbeiter in China: Von der Krise in die Blase.

PEKING. Jetzt ist es offiziell: Chinas Wirtschaft brummt aus der Krise. Und im letzten Quartal 2009 stieg das Bruttoinlandsprodukt sogar wieder zweistellig, wie das Pekinger Statistikamt am Donnerstag mitteilte. Danach legte in den drei Monaten die Wirtschaftsleistung um 10,7 Prozent zu. In den Vorquartalen hatte China nur noch einen Zuwachs von neun Prozent gemeldet. Im Gesamtjahr 2009 stieg Chinas Wirtschaft damit um 8,7 Prozent und wird nach Einschätzung von Analysten dieses Jahr Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen.

Chinas Wachstum erfüllte damit weitgehend die Prognosen der Experten. Die Wirtschaft des Landes habe sich stabilisiert, sagte der Leiter der Nationalen Statistikbehörde, Ma Jiantang, in Peking. China habe sich als erstes Land von der globalen Wirtschaftskrise erholt. Dem folgen viele Experten: Die Royal Bank of Scotland und JP Morgan erhöhten für China ihre Wachstumsprognose 2010 umgehend nach Bekanntgabe der Zahlen leicht auf jeweils 10 Prozent.

Vorbei sind die Zeiten, als im vergangenen Sommer Skeptiker für die Wirtschaft der Volksrepublik nur noch 5 Prozent Zuwachs orakelten. Allerdings stellt der neue China-Boom Peking auch vor neue Probleme. Nach der massiven Kreditvergane im vergangenen Jahr kehrt die Inflation nach China zurück. Vor allem Benzin- und Lebensmittelpreise sind in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Das ist für die politische Führung in Peking ein Alarmsignal, da dies den Unmut in der Bevölkerung schürt.

Im Dezember legten die chinesischen Verbraucherpreise zum Vorjhar um 1,9 Prozent zu, nach zuvor 0,6 Prozent. „Die Inflation ist für die Regierung sehr besorgniserregend und wir werden weitere Gegenmaßnahmen der Politik erleben“, so Isaac Meng, Chefvolkswirt bei BNP Paribas in Peking. Er erwartet in den kommenden Monaten einen Anstieg der chinesischen Inflation um 3 Prozent. Die Deutsche Bank rechnet mit bis zu 5 Prozent im Jahresverlauf. Und eine Umfrage unter der Bevölkerung hat gezeigt, wie sehr sich die Chinesen um steigende Preise sorgen: Die Mehrheit erwartet dieses Jahr 10 Prozent Inflation.

Aus Furcht vor einer Überhitzung der Wirtschaft versucht Peking darum bereits die Kreditvergabe zu bremsen. Nach einem weiteren Anstieg des Geldverleihs zu Jahresbeginn wiesen die Behörden vor kurzem die großen Banken an, keine Kredite mehr zu vergeben. Vorige Woche hatte die Zentralbank zudem die Mindestreserve-Anforderungen für Banken erstmals seit Juni 2008 wieder angehoben, um Liquidität aus dem Markt zu nehmen. “Wir werden dieses Jahr weiterhin das Tempo und den Umfang der Darlehensvergabe kontrollieren”, sagte Behörden-Chef Liu Mingkang auf eine Konferenz in Hongkong.

Kommentare (1)

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Dieter

21.01.2010, 12:43 Uhr

China strotzt vor Selbstvertrauen, das auch durch den nahezu perfekten organisatorischen Ablauf der Olympischen Spiele noch beflügelt wurde. Das ungebremste Chinesische Wachstum ist nahezu ein Selbstläufer. in der ganzen Welt hat die Krise dazu geführt, dass gespart werden muss. Da bieten sich die billigen chinesischen Waren an. Humanisierung am Arbeitsplatz ist weitestgehend ein Fremdwort. Die Gesundheit der Menschen in den tausenden, kleinen Produktionsbetrieben spielt kaum eine Rolle. in den industriezentren sind die Menschen mit Mundschutz unterwegs und man sieht die Sonne wegen des industriellen Dunstnebels nur selten. Die Leistung der Chinesen sollte trotz allem nicht geschmälert werden, dennoch sind die Voraussetzungen für beachtliche Wachstumsraten ideal. Jedes Jahr werden zweistellige Milliardenbeträge gespart, da man Produkte nicht aufwendig entwickeln muss, sondern einfach kopiert. Hierbei hat der Chinese, wie zu lesen war, kein schlechtes Gewissen. Er ist stolz auf seine perfekten Kopierfähigkeiten. Ferner geben sich die Chefs der Westlichen industriekonzerne und auch Mittelständler in China die Klinke in die Hand, um ihre Waren dort billig produziert, hier teuer zu verkaufen. Keine westliche industrienation kann sich mehr leisten, den chinesischen Wachstumsmarkt zu ignorieren. Unsere Autobauer verkaufen ihre Premium - Modelle zu fast 30% nach China. Die Chinesen werden, wie in der Automobil-industrie bereits geschehen, durch Aufkauf von Konkurs bedrohten westlichen Firmen den nötigen Technologietransfer sicher stellen. Der einzige Weg der Deutschen Firmen in dieser Erfolgsgeschichte ein eigenes Kapitel zu schreiben ist, sich mit investitionen und Produktionsstätten in China zu engagieren. Volkswagen hat da schon Zeichen gesetzt. Mit gigantischen Geldreserven von ca. 2 billionen Dollar können die Chinesen auch die gesamten Weltfinanzmärkte beeinflussen, was sich bei der jetzt von der Chinesischen Regierung beschlossenen Reduzierung der Kreditvergabe schon auf den Märkten abzeichnet. Dass bei dem wirtschaftlichen Höhenflug die inflationsrate steigt ist der Preis, den jeder Staat, bei sich überhitzender Wirtschaft zahlen muss. Hier gilt mein Spruch: Der dritte Weltkrieg findet auf dem Schlachtfeld der Wirtschaft statt. Sorgen wir dafür, dass Deutschland zu den Sieger-Mächten gehört.

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