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24.01.2010

18:14 Uhr

Business-Monitor

Deutsche Manager setzen aufs Kerngeschäft

VonKatrin Terpitz

ExklusivDie meisten deutschen Firmenstrategen wagen sich noch nicht aus der Deckung. Bis Ende 2010 geht für sie Konzentration klar vor Expansion. 55 Prozent der Manager in Deutschland wollen sich in den nächsten zwölf Monaten ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Die meisten deutschen Unternehmer wollen sich 2010 noch voll auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Quelle: dpa

Die meisten deutschen Unternehmer wollen sich 2010 noch voll auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

HB DÜSSELDORF. Konsolidierung steht auch in diesem Jahr bei der Mehrheit der deutschen Unternehmen ganz oben auf der Agenda. 55 Prozent der Manager in Deutschland wollen sich in den nächsten zwölf Monaten ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. 28 Prozent planen, Geschäftsfelder auszubauen. Lediglich 16 Prozent verfolgen beide Strategien gleichzeitig. Das ermittelte der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor im Auftrag von Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Nirgendwo sonst in Europa besinnen sich so viele Unternehmen wieder ganz auf ihr Kerngeschäft wie in Deutschland. Manager in den Nachbarländern fahren viel stärker zweigleisig - sie konsolidieren und expandieren gleichzeitig. Allen voran die Unternehmen in Großbritannien verfolgen beide Strategien parallel (38 Prozent), in Frankreich und der Schweiz sind es immerhin je 28 Prozent. Das Meinungsforschungsinstitut Psephos hatte zum Jahresende insgesamt 1 086 Topmanager in Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und Italien befragt.

"Der Rückzug aufs Kerngeschäft zeigt, dass die Krise noch starken Einfluss auf die Strategie der meisten deutschen Firmen zumindest in den besonders betroffenen Branchen hat", sagt Günter Müller-Stewens, Professor für Strategisches Management an der Universität St. Gallen. Die lange Rezession verschärft den globalen Wettbewerb und bereinigt die Märkte. Sven Mandewirth, Geschäftsführer von Droege, sagt: "Firmen, die in ihren Leistungen nicht zu den Top-Anbietern gehören, können heute ganz schnell in schwierige Fahrwasser geraten." Für diese sei es nur konsequent, zunächst einmal alle Kräfte auf die wesentlichen Kunden, Regionen beziehungsweise Absatzkanäle zu lenken. Frei nach dem Motto: Lieber wenige Dinge gut machen, als viele mittelmäßig.

Als Paradebeispiel für eine erfolgreiche Fokussierung gilt Linde. Der Mischkonzern trennte sich vor einigen Jahren von der traditionsreichen Sparte Kältetechnik und später auch vom Gabelstaplergeschäft. Vorstandschef Wolfgang Reitzle legte den Fokus neben Engineering auf Industriegase. Deshalb kaufte er gezielt den britischen Gase-Konkurrenten BOC zu. Ähnlich agiert das Tui-Management, das die Containerschiffsparte abgestoßen hat und den Konzern auf den Tourismus fokussiert. Das jüngste Beispiel dieser Strategie ist Evonik: Der einstige Mischkonzern investiert stark in die Chemie, für das Kraftwerkgeschäft und die Immobiliensparte sucht der Konzern Partner.

Eine solche Straffung des Angebots streben in Deutschland drei Viertel der Firmen an, für die Fokussierung Vorrang hat. Genauso viele haben vor, ihre Strukturen/Organisation zu verschlanken und etwa Standorte zu schließen. Mehrfachnennungen waren möglich. Auf den Heimatmarkt wollen sich 43 Prozent der deutschen Konsolidierer konzentrieren, in Italien nur 16 Prozent. Nur eine Minderheit (14 Prozent) aller europäischen Konsolidierer will die Wertschöpfungstiefe verringern, etwa über Outsourcing oder Kooperationen. Ebenso wenige wollen ganze Geschäftsfelder abstoßen (zwölf Prozent).

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