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15.01.2008

09:04 Uhr

Erste Schätzung für 2007

Deutsche Wirtschaft wächst um 2,5 Prozent

Die deutsche Wirtschaft hat 2007 ihren Aufschwung fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte im abgelaufenen Jahr nach einer ersten Schätzung real um 2,5 Prozent. Auch die Finanzlage des Staates hat sich dank der sprudelnden Steuereinnahmen deutlich verbessert. Doch es gab auch eine Enttäuschung.

Der Aufschwung hat sich 2007 fortgesetzt. Bild: HB Handelsblatt

Der Aufschwung hat sich 2007 fortgesetzt. Bild: HB

HB WIESBADEN. Die deutsche Wirtschaft ist 2007 um 2,5 Prozent gewachsen. Das gab das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung bekannt. Das Wachstum fiel damit etwas schwächer aus als 2006 mit 2,9 Prozent. Gleichzeitig ist dies deutlich mehr als im langjährigen Verlauf. „2007 war ein blendendes Jahr“, sagte der Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland.

Angetrieben wurde die Wirtschaft vom boomenden Export, der um 8,3 Prozent zulegte, und kräftigen Investitionen. Die Unternehmen investierten 2007 dank vieler Aufträge und guter Gewinne 8,4 Prozent mehr in Maschinen. Deutschland hat nach vorläufigen Zahlen der Statistiker erneut den Titel des Exportweltmeisters verteidigt.

Ein kräftiges Wachstum von 5,2 Prozent verzeichnete im vergangenen Jahr die deutsche Industrie. Die Wirtschaftsleistung von Handel, Gastgewerbe und Verkehr stieg um 2,3 Prozent. Der Bereich Finanzierung und Unternehmensdienstleister wuchs um 3,1 Prozent. Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei legten um 2,7 Prozent zu. Das Wachstum der Bauwirtschaft schwächte sich dagegen deutlich auf 1,7 Prozent ab. Die Branche hatte 2006 noch ein Plus von 5,4 Prozent verzeichnet.

Konsum schwächelt

Schwach entwickelte sich auch der private Konsum, nachdem die Kaufkraft der Deutschen zunächst von der Erhöhung der Mehrwertsteuer und in der zweiten Jahreshälfte von Preisschüben bei Energie und Nahrungsmitteln geschmälert wurde. Der private Verbrauch sank gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent.

„Der private Konsum war 2007 eine gewisse Enttäuschung“, sagte Jörg Lüschow von der WestLB. „In der ersten Jahreshälfte hat die höhere Mehrwertsteuer belastet. In der zweiten Jahreshälfte dürften gestiegene Preise für Energie und Lebensmittel dem privaten Konsum die Suppe versalzen haben. Erfreulich ist aber die gute Entwicklung bei den Investitionen.“

Auch Andreas Scheuerle von der Dekabank merkte an: „Einmal mehr ruht das Wachstum auf den Schultern der Exporte. Der Konsum ist kräftig in Mitleidenschaft gezogen worden. Daran ist die Mehrwertsteuererhöhung schuld. In der zweiten Jahreshälfte kamen noch Preisschübe bei Energie und Nahrungsmitteln hinzu. Das hat die real verfügbaren Einkommen wieder aufgezehrt. Durch die gefühlte hohe Inflation haben sich die Bürger ärmer gefühlt als sie tatsächlich sind.“

Für dieses Jahr rechnen die meisten Experten und Institute mit einem Wachstum von knapp zwei Prozent. Die Finanzmarktkrise und eine drohende Rezession in den USA könnten auch die deutsche Wirtschaft bremsen, so die Befürchtung. Als Risiken gelten zudem die hohen Ölpreise und der starke Euro.

Die Finanzlage des Staates hat sich dank der sprudelnden Steuereinnahmen infolge der Mehrwertsteuererhöhung verbessert: Erstmals seit 1969 weist Deutschland wieder einen ausgeglichenen Staatshaushalt auf. Allerdings erwartet die Regierung bereits für 2008 wieder ein leichtes Defizit.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bleibt trotz der wachsenden Risiken zuversichtlich und sieht Chancen, dass Deutschland auch 2008 Exportweltmeister bleibt. „Der Aufschwung geht 2008 weiter, ist aber alles andere als ein Selbstläufer“, sagte der neue Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Werner Schnappauf.

Auch wenn die Konjunkturrisiken, etwa in Form des starken Euro, der hohen Rohstoffpreise und der Zins- und Inflationsentwicklung, signifikant seien, halte der BDI weiterhin ein Wachstum von bis zu zwei Prozent für erreichbar. Dabei gehe der Verband davon aus, dass weiter neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Viel hänge beim Wachstum davon ab, dass die Lohnentwicklung im Rahmen bleibe.

„Wir fordern von der Politik, dass sie sich mit den substanziellen Fragen eines dauerhaften Wachstums beschäftigt“, sagte Schnappauf. Es gehe um einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs im Sinne von offenen Märkten und Abwehr von Dirigismus. Die Entwicklung scheine derzeit allerdings in die gegenteilige Richtung zu gehen.

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