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06.01.2003

18:12 Uhr

Erster Anstieg seit sechs Monaten

Handelsblatt-Frühindikator: Hoffnungssignal für deutsche Konjunktur

Es gibt sie noch, die guten Konjunkturnachrichten: Der Handelsblatt-Frühindikator ist im Januar zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder gestiegen. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind damit womöglich besser, als viele Volkswirte derzeit glauben. Nach einem schwachen ersten Quartal 2003 könnte die Konjunktur ab dem Frühjahr wieder stärker Fahrt aufnehmen.

HB DÜSSELDORF. „Die Konjunktur scheint mit guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten“, kommentiert Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Uni Münster, der den Indikator berechnet. Zugleich warnt er aber auch vor zu viel Euphorie: „Vorsicht ist angebracht – eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“ Der Indikator, der der deutschen Konjunktur etwa drei Monate vorausläuft, legte im Januar um stattliche 0,3 Prozentpunkte zu. Für April signalisiert er nun ein Wachstum von 0,9 % in gleitender Jahresrate. Auch in Ostdeutschland haben sich die wirtschaftlichen Perspektiven aufgehellt: Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die neuen Länder ist von –0,9% auf –0,6% gestiegen – vor allem, weil die Bauproduktion anzog. „Dahinter dürften sich aber vor allem Sondereffekte aufgrund der Flutkatastrophe verbergen“, sagt van Suntum.

Frühindikator West: >>Tabellen

Konjunkturbarometer Ost: >>Tabellen und Grafik

Der gesamtdeutsche Indikator wurde vor allem durch die größere Zuversicht in der Industrie beflügelt. Zum ersten Mal seit Mai haben sich die Ifo-Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe wieder aufgehellt. Im Westen sind die Optimisten sogar schon wieder in der Mehrheit. Bei der Interpretation dieser Daten ist allerdings gewisse Vorsicht geboten: Normalerweise sind die Geschäftserwartungen ein guter Frühindikator für den Konjunkturverlauf. Im Jahr 2002 haben sie aber fast alle Prognostiker in die Irre geführt.

Zudem schwebt über den wirtschaftlichen Aussichten ein Damoklesschwert – der drohende Irak-Krieg. „Er könnte sehr rasch alle konjunkturellen Blütenträume zerplatzen lassen“, warnt van Suntum.

Die aktuellen Entwicklungen im einzelnen:

  • Die Ifo-Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht im Indikator: 40,5 %) haben sich im Dezember gesamtdeutsch von - 7,2 Punkte auf – 2,7 Punkte erholt. Im Osten überwiegt mit – 6,3 Punkten (nach –14,4) noch immer der Pessimismus, im Westen haben mit 2,2 Punkten (nach – 5,3) die Optimisten wieder leicht die Oberhand gewonnen. Dafür hat sich in den neuen Ländern im Gegensatz zum alten Bundesgebiet auch die aktuelle Geschäftslage im Dezember leicht erholt.
  • Gute Nachrichten kamen von den Auftragseingängen im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 15,2 %): Sie sind im Oktober um 1,1 % gestiegen – allerdings vor allem aufgrund von Sondereffekten. Zudem war der Einbruch im September weniger stark als zunächst gedacht: Statt um 2,5 % schrumpften die Auftragseingänge nur um 1 %. Insgesamt bleibt es aber ein mühsamer Anstieg aus der Talsohle.
  • Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht: 18,9 %) ist im Oktober um 3,6 % gefallen – der überraschende Anstieg vom Vormonat wurde damit fast wieder ausgeglichen. Hauptverlierer war zuletzt der Nichtwohnungsbau mit –12 %. Der Tiefbau legte um 1 % leicht zu, der Wohnungsbau stagnierte auf dem Niedrigstniveau des Vormonats.
  • Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht 17,3 %) blieben im Oktober preisbereinigt praktisch unverändert gegenüber dem Vormonat. Seit Anfang 2002 haben sie zwar um 2,2 % zugelegt, liegen aber immer noch unter dem Durchschnitt des Jahres 2000. Ohne die starke Auto-Nachfrage sähe es wesentlich schlechter aus – die Verbraucher machen vor allem um langlebige Konsumgüter wie Möbel einen großen Boden.
  • Die Zinsdifferenz (Gewicht: 8 %) blieb im Dezember mit 1,1 % unverändert. Dahinter steht aber nach wie vor eine sinkende Zinstendenz am kurzen wie am langen Ende: Der Dreimonatszins Euribor sank von 3,12 % auf 3,0 %, die durchschnittliche Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere gab von 4,1 % auf vorläufige berechnete 4,0 % nach.

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