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04.01.2010

14:44 Uhr

EZB-Schattenrat

Ökonomen fürchten noch keine neuen Blasen

VonNorbert Häring

Der EZB-Schattenrat hält die verbreitete Angst vor neuen Aktien- und Immobilienpreisblasen für überzogen. Das Gremium führender europäischer Volkswirte warnt die Notenbanker davor, durch ein übereiltes Gegensteuern den labilen Aufschwung zu gefährden.

Der EZB-Schattenrat warnt die Europäische Zentralbank vor übereiltem Gegensteuern. Quelle: ap

Der EZB-Schattenrat warnt die Europäische Zentralbank vor übereiltem Gegensteuern.

FRANKFURT. "Wenn es derzeit eine Blase gibt, dann eine Blase bei den Diskussionen darüber", sagt Angel Ubide, Chefvolkswirt des Hedge-Fonds Tudor Investment Corporation und Mitglied im EZB-Schattenrat.

Vor allem in Europa machen einige Ökonomen, Notenbanker und Vertreter von Finanzministerien die lange Zeit lockere Geldpolitik besonders in den USA für die derzeitige Finanzkrise mitverantwortlich. Sie warnen davor, den gleichen Fehler noch einmal zu begehen. Daher drängen sie die Notenbanken, frühzeitig Szenarien für einen Ausstieg aus der großzügigen Liquiditätsbereitstellung festzulegen und die Geldpolitik wieder zu straffen.

"Zehn Jahre lang herrschte Konsens, dass sich die Zentralbanken nicht um Aktien- und Immobilienpreise kümmern sollten", stellt der Genfer Ökonomieprofessor Charles Wyplosz fest. "Nun schlägt die herrschende Meinung ins andere Extrem um, dass die nächste Blase droht und die Zinsen deshalb erhöht werden müssen, selbst wenn die Arbeitslosigkeit noch steigt."

Wyplosz sagt voraus, dass sich der neue Konsens als "genauso albern" herausstellen werde wie der alte. Im Einklang mit der großen Mehrheit der Schattenräte ist er der Ansicht, dass vorrangig Regierungen und Regulierer verhindern müssen, dass sich Spekulationsblasen aufblähen. Die Rolle der Zentralbanken sei, deutliche Warnungen auszusprechen, wenn sie eine gefährliche Blasenbildung sehen.

Keiner der Schattenräte sieht die aktuellen Bewertungen von Aktien und Immobilien in der Breite als überzogen an. Nur in einzelnen Märkten, vor allem in Asien, gebe es Übersteigerungen. "In Europa gibt es keine Blasen", sagt Erik Nielsen, Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs. Wenn die lockere Geldpolitik hierzulande zu Blasen in anderen Ländern beitragen sollte, so stünde es in der Macht der betroffenen Länder, dies zu verhindern. Das einfachste Gegenmittel sei es, die eigene Währung aufzuwerten, sagt er.

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