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20.01.2010

11:25 Uhr

Geldpolitik

Die Inflation macht Indien und China Sorgen

VonHelmut Hauschild, Andreas Hoffbauer

Chinas Zentralbank hat aus Angst vor einer Preisblase die Zügel angezogen. Indien steht unter massivem Druck, wegen seiner hohen Inflation nachzuziehen. Dennoch ist die Regierung gegen eine geldpolitische Wende.

Subbarao, Chef der indischen Zentralbank, muss demnächst über die Zinserhöhung entscheiden Reuters

Subbarao, Chef der indischen Zentralbank, muss demnächst über die Zinserhöhung entscheiden

NEU DELHI/PEKING. Asiens neue Wirtschaftsmächte schalten allmählich von der Förderung des Wachstums auf den Kampf gegen die Inflation um. Während die chinesische Zentralbank die Reserveanforderungen für Banken erhöht hat und die Renditen der Staatsanleihen nach oben treibt, zögern Indiens Währungshüter noch. Für sie kommt es am Freitag kommender Woche zum Schwur. Dann muss Zentralbankchef Duvvuri Subbarao entscheiden, ob Indien dem Beispiel Chinas folgt und beginnt, aus der Politik des billigen Geldes auszusteigen.

Die rasant wachsende Inflationsgefahr, so scheint es, lässt Subbarao gar keine andere Wahl als die Zinsen zu erhöhen. Die Großhandelspreise stiegen im Dezember um 7,3 Prozent. Das Statistikamt erwartet, dass sich ihr Anstieg bis März auf zehn Prozent beschleunigt. Noch alarmierender ist die Explosion der Nahrungsmittelpreise in dem Land, in dem 600 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze leben. Sie stiegen zuletzt um fast 20 Prozent, so stark wie seit elf Jahren nicht. Der Preissprung ist die Folge magerer Ernteaussichten nach den schwachen Regenfällen der Monsunzeit.

Auch die indische Regierung macht sich Sorgen um die hohe Inflation. Doch sie sperrt sich gegen einen raschen Ausstieg aus der wachstumsstimulierenden Geldpolitik. Offiziell begründet sie das mit weiterhin bestehenden Konjunkturrisiken. Finanzexperten nennen hinter vorgehaltener Hand aber noch einen anderen Grund: Nach drei riesigen schuldenfinanzierten Konjunkturpaketen beläuft sich das Haushaltsdefizit auf fast sieben Prozent. Eine Zinserhöhung würde den Finanzminister Milliarden kosten.

Die indische Notenbank muss anders als etwa die Europäische Zentralbank politische Einwände berücksichtigen. Ihre Statuten geben ihr keine Unabhängigkeit. Subbarao steckt also in einem Dilemma. Es werde eine große Herausforderung, den wirtschaftlichen Erholungsprozess zu unterstützen, ohne Kompromisse bei der Preisstabilität zu machen, warnt er.

Ökonomen wie Robert Prior-Wandesforde von der Bank HSBC halten Indiens Wachstum für robust genug, um eine Zinserhöhung zu verkraften. Der Anstieg der Industrieproduktion erreichte im November mit 11,7 Prozent ein Zweijahreshoch, die Exporte wuchsen um fast 19 Prozent. Auch die Kreditnachfrage hat zuletzt deutlich angezogen, für Konjunkturexperten ein klarer Indikator wirtschaftlicher Erholung. Finanzminister Pranab Mukherjee hat deshalb jüngst die Prognose für Indiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich nach oben korrigiert - auf plus 7,75 Prozent im Fiskaljahr bis Ende März.

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