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10.01.2008

16:41 Uhr

Geldpolitik

Trichet droht mit Zinserhöhung

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet droht in ungewohnt scharfer Form mit steigenden Zinsen für den Fall übermäßiger Lohnerhöhungen. Doch ungeachtet solcher Warnungen prognostizieren immer noch viele Experten bis Jahresende niedrigere Zinsen.

Mit Argwohn blickt der Chef der Europäischen Notenbank auf die anstehenden Lohnrunden in Deutschland.

Mit Argwohn blickt der Chef der Europäischen Notenbank auf die anstehenden Lohnrunden in Deutschland.

FRANKFURT. Dies könne eine Spirale aus höheren Preisen und Löhnen in Gang setzen und die Teuerung noch verfestigen. „Wir werden nicht dulden, dass dies eintritt“, warnte Trichet. „Wir sind bereit, vorbeugend zu handeln.“ Zuvor ließ der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins wie erwartet bei vier Prozent.

Dabei wurde nach den Worten Trichets auch über eine Zinserhöhung diskutiert. Aus Sorge um die Konjunktur verzichteten die Währungshüter aber erneut darauf. „Die Risiken für die Wirtschaft haben zugenommen“, begründete Trichet. Der Aufschwung sei zwar noch intakt, doch werde er von der Finanzkrise, hohen Ölpreisen und dem starkem Euro bedroht.

Höhere Kreditkosten würden die Wirtschaft noch mehr belasten, weil damit auch Darlehen für Unternehmen und Verbraucher teurer werden. Das dämpft Investitionen und Konsum. Die EZB hat deshalb den Schlüsselzins - zu dem sich Geschäftsbanken bei ihr Geld leihen können - seit einem halben Jahr nicht angetastet.

Mit Argwohn blickt die Notenbank auf die anstehenden Lohnrunden in Deutschland. Nach Jahren der Lohnzurückhaltung fordern die Gewerkschaften bis zu acht Prozent mehr - etwa für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie. Auch in anderen Ländern werden kräftige Aufschläge verlangt, befeuert auch von deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten.

„Wir beobachten die Tarifverhandlungen mit besonderer Aufmerksamkeit“, sagte Trichet. „Jede Ankoppelung der Löhne an die Preisentwicklung sollte ausgeschlossen bleiben.“ Die Teuerungsrate im Euro-Raum verharrte im Dezember mit 3,1 Prozent auf dem höchsten Stand seit Mai 2001.

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