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23.01.2008

12:31 Uhr

Juncker sieht keine Anzeichen für Rezession

EZB will Zinsen wohl nicht nach US-Vorbild senken

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist derzeit trotz der Börsenturbulenzen nicht zu Zinssenkungen nach dem Vorbild der amerikanischen Notenbank Fed bereit. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte einen Tag nach dem überraschenden Schritt der Fed vor übereilten Reaktionen.

Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker gibt den Optimisten. Foto: dpa

Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker gibt den Optimisten. Foto: dpa

HB BRÜSSEL. Es sei noch zu früh, um Schlüsse aus der Korrektur an den Finanzmärkten zu ziehen, sagte Trichet am Mittwoch bei einer Anhörung vor EU-Parlamentariern in Brüssel. Die Neubewertung an den Märkten setze sich fort, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Die Fed hatte überraschend den Leitzins von 4,25 auf 3,5 Prozent gesenkt, um eine Rezession in den USA zu verhindern.

Vor allem die Banken und andere Finanzinstitutionen müssten aus den jüngsten Ereignissen nun die Lehren für ihr Risikomanagement ziehen. Möglicherweise müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Finanzbranche (Basel II) noch verfeinert werden. Aufgabe der Zentralbanken sei es, in einer solchen Lage ein ordentliches Funktionieren der Geldmärkte sicherzustellen, die Inflationserwartungen stabil zu halten und auch eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, sagte Trichet. Es müsse abgewartet werden, welche Folgen die von den USA ausgehende Finanzkrise auf die Realwirtschaft habe. Die Konjunkturrisiken hätten zwar zugenommen, bislang halte die EZB aber an ihrem Szenario fest. Danach dürfte die Wirtschaft im Euro-Raum robust wachsen und die Teuerung kräftig bleiben.

Zur Möglichkeit einer Zinssenkung der EZB in Reaktion auf die Aktion der US-Notenbank äußerte sich Trichet explizit nicht. Mit ihrer Aktion stoppte die Fed den Absturz der Börsen, die sich seit Wochenbeginn wegen der Angst vor einem kräftigen Abschwung in den USA mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft im freien Fall befanden.

Die EZB hält ihren Leitzins seit Sommer stabil bei vier Prozent. Die Gewährleistung von Preisstabilität in turbulenten Zeiten helfe auch den Finanzmärkten, sagte Trichet. Der Chef der Eurogruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, sagte einem Fernsehsender seines Heimatlandes, er rechne angesichts der Inflationsgefahr in Europa nicht mit einer Zinssenkung durch die EZB.

Die Notenbank von Kanada war der Fed bereits am Dienstag gefolgt und hatte ihren Schlüsselzins um 25 Basispunkte reduziert. Der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, deutete eine Zinssenkung für Februar an, um die Konjunkur in Großbritannien zu stützen. Bundesbankchef Axel Weber erklärte laut Medienberichten am Dienstagabend in Wiesbaden, er erwarte wegen der Börsenturbulenzen keinen Konjunktureinbruch in Deutschland. Das tägliche Auf und Ab der Aktienkurse dürfe nicht überbewertet werden.

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