Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2009

14:22 Uhr

Kaum Erholung

Chinas Exporte gehen erneut zurück

VonAndreas Hoffbauer

China muss sich auf eine anhaltende Export-Flaute und auf einen weiteren Stellenabbau in der Spielzeug- und Textilindustrie einstellen. Nachdem die Ausfuhren im Dezember erneut gesunken sind, erwarten Analysten für dieses Jahr kaum eine Entwarnung.

Eine chinesische Arbeiterin in einer Garnfabrik: Vor allem die Textilbranche gerät unter Druck. Foto: Reuters Reuters

Eine chinesische Arbeiterin in einer Garnfabrik: Vor allem die Textilbranche gerät unter Druck. Foto: Reuters

PEKING. "Das Exportwachstum dürfte 2009 eher gering ausfallen", ist Analystin Jing Ulrich von JP Morgan in Hongkong überzeugt. Folge dürften Fabrikschließungen und Massenentlassungen sein.

Premier Wen Jiabao hatte in den vergangenen Tagen noch Optimismus verbreitet und erklärt, Chinas Wirtschaft habe sich im Dezember "besser als erwartet" entwickelt. Tatsächlich hatten Analysten einen noch stärkeren Rückgang bei den Exporten erwartet. Nach offiziellen Angaben vom Dienstag gingen diese im Dezember um 2,8 Prozent auf 116,2 Mrd. Dollar zurück. Bis Oktober hatten Chinas Exporte monatlich noch zweistellig zugelegt.

China weist seine Handelsstatistik auf Dollarbasis aus, was die Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft noch schönt. Auf Basis der chinesischen Währung Yuan gingen die Dezember-Exporte im Jahresvergleich noch stärker zurück, nämlich um neun Prozent.

Ma Jun, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank in Hongkong, hält mit Blick auf die schwache Nachfrage aus Europa dieses Jahr höchstens noch einen Export-Zuwachs um sechs Prozent für möglich. Chinas Lieferungen nach Europa, dem größten Exportpartner, waren im Dezember um 3,5 Prozent gefallen.

Betroffen sind vor allem Industriebranchen mit Billigherstellern, sagt Sun Mingchun, Analyst bei Nomura Holdings in Hongkong. "Textilien, Stahl und Elektronik werden besonders hart betroffen sein." Taiwans Wirtschaft hat dies bereits voll zu spüren bekommen. Auf der Elektronik-Insel waren die Exporte im Dezember um 41,9 Prozent abgestürzt.

China erlebte im letzten Monat des vergangenen Jahres auch einen Rückgang bei den Importen, die um 21,3 Prozent sanken. Der chinesische Außenhandel erzielte damit einen Überschuss von 39 Mrd. Dollar, leicht unter dem Niveau von November. Der Rückgang bei den Einfuhren zeigt laut Analysten jedoch, dass China nicht nur die weltweite Nachfrageflaute zu spüren bekommt, sondern dass auch die lokale Nachfrage nachlässt.

Für die Regierung in Peking ist dies insofern ein Rückschlag, da es das erklärte Ziel ist, den Exportrückgang durch den heimischen Konsum auszugleichen. Zwar beruht der Importrückgang auch auf fallenden Rohstoffpreisen, doch in China machte sich im Dezember deutliche Kaufzurückhaltung breit. So sank der Fahrzeugabsatz um knapp acht Prozent. Im Vorjahr hatte die Branche in China noch um 21,8 Prozent zugelegt.

Der Volkswagen-Konzern rechnet dieses Jahr auf dem chinesischen Pkw-Markt mit einem "Nullwachstum", der US-Hersteller General Motors geht von einem schwachen Zuwachs aus. Für die China aktiven ausländischen Firmen sei die Lage "weiterhin extrem schwierig", so Jörg Wuttke, Präsident der EU-Kammer in Peking gestern. Die Verunsicherung am Markt führe bei vielen europäischen Firmen "zu verzögerten Investitionen, Kosteneinsparungen und Einstellungsstops" in China.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×