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02.01.2010

10:00 Uhr

Konjunktur-Aussichten

Nach dem Stresstest gibt es noch keine Entwarnung

VonMarkus Hennes, Susanne Schier

Die Krise hat die Bilanzen der Unternehmen ausgezehrt. Von dem für 2010 prognostizierten Aufschwung profitieren jedoch nicht alle Branchen. Einige Analysten rechnen außerdem damit, dass der Aufwärtstrend im zweiten Halbjahr wieder abflacht.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Wir sind von der Klippe abgestürzt, liegen am Boden und krabbeln jetzt auf allen Vieren wieder hoch.“ Quelle: Reuters

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Wir sind von der Klippe abgestürzt, liegen am Boden und krabbeln jetzt auf allen Vieren wieder hoch.“

DÜSSELDORF. Die deutschen Industrie- und Dienstleistungskonzerne hoffen nach den schweren Geschäftseinbrüchen im Jahr 2009, dass der Tiefpunkt der Krise überschritten ist. Zumindest für das erste Quartal 2010 zeichnet sich eine konjunkturelle Erholung ab. Was allerdings danach kommt, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Großbank Unicredit hat das Handelsblatt acht Kernbranchen genauer unter die Lupe genommen. Ziel der Analyse war es, in Abhängigkeit vom Konjunkturverlauf die voraussichtliche Entwicklung wichtiger Kennzahlen wie Umsatz, operatives Ergebnis (Ebit) und Free Cash-Flow (operativer Cash-Flow minus Investitionen in Sachanlagen) zu prognostizieren. Weitere, aus Sicht des Kapitalmarkts wichtige Kriterien sind die Veränderungen bei Verschuldung und Liquidität. Die Tabelle "So wird das Jahr 2010" gibt Auskunft, wer die Gewinner und Verlierer sein werden.

Doppel-V oder "new normal"?

Die Experten der Unicredit prognostizieren für 2010 ein sogenanntes Doppel-V. Nach diesem Szenario würde sich das Wachstum in Europa und den USA zunächst ab dem Frühjahr abschwächen, bevor die Konjunktur dann im Verlauf des zweiten Halbjahres wieder Fahrt aufnimmt. Die Analysten der LBBW sind weniger optimistisch. Zwar gehen auch sie davon aus, dass die deutsche Wirtschaft recht flott ins neue Jahr starten wird. Jedoch dürfte sich der Aufwärtstrend nicht fortsetzen, sondern spätestens im zweiten Halbjahr abflachen.

Dadurch unterscheidet sich der aktuelle Aufwärtstrend von denen nach früheren Rezessionen. Und deshalb sprechen die Experten der LBBW in ihrem Basisszenario auch von einem "new normal". Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zeichnet ein anschauliches Bild der momentanen Verfassung der Wirtschaft: "Wir sind von der Klippe abgestürzt, liegen am Boden und krabbeln jetzt auf allen Vieren wieder hoch."

In der Rückschau auf das Jahr 2009 fällt auf, dass die ab dem zweiten Halbjahr im Vergleich zum Vorquartal wieder steigenden Unternehmensgewinne vor allem auf das Konto drastischer Kostensenkungen gehen. Besonders die Unternehmen, die die Krise schon frühzeitig getroffen hatte, haben massiv Personal abgebaut und Kapazitäten stillgelegt. Zugleich wurden die Investitionen auf das absolut Notwendige gekürzt, Lagerbestände konsequent abgebaut, Forderungen gegenüber Kunden schneller eingetrieben und Rechnungen später bezahlt. Nur so gelang es den Unternehmen, noch stärkeren Ergebniseinbrüchen vorzubeugen und Liquiditätsengpässe zu vermeiden. "Denn die Umsätze", sagt Unicredit-Experte Sven Kreitmair, "haben sich nach dem scharfen Einbruch zuvor in vielen zyklischen Branchen im zweiten und dritten Quartal 2009 immer noch schwach entwickelt."

Die Krise hat deutliche Spuren hinterlassen. Viele mittelständische Unternehmen haben ihre letzten Cash-Reserven mobilisiert, Verluste haben das Eigenkapital angegriffen. Jetzt aber zieht das Geschäft wieder an, und die Unternehmen müssen die steigende Produktion vorfinanzieren. Vor allem für mittelständische Unternehmen aus den krisengeschüttelten Branchen Autozulieferung und Metallverarbeitung, die keinen freien Zugang zum Kapitalmarkt haben, könnte dies das Aus bedeuten, wenn die Banken wegen der verschlechterten Bonität den Kredithahn zudrehen.

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