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15.01.2008

16:16 Uhr

Kreditinstitute drehen den Geldhahn zu

Die US-Wirtschaft im Teufelskreis

VonTorsten Riecke

Die Abschreibungen und Verluste der Citigroup sind so gewaltig, dass eine Zahl fast untergeht: Um mehr als vier Milliarden Dollar steigen die Kreditkosten der amerikanischen Großbank, weil viele Konsumenten ihren Schulden nicht mehr abbezahlen können. Für die Branche verheißt das nichts Gutes. Trifft sie die sich anbahnende Rezession doch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Stürmische Zeiten: Die Rezessionsgefahr in den USA steigt. Foto: dpa

Stürmische Zeiten: Die Rezessionsgefahr in den USA steigt. Foto: dpa

NEW YORK. Nach Angaben von Citi betreffen die Zahlungsprobleme nicht nur die notleidenden Hausbesitzer. Auch bei Autofinanzierungen, Kreditkarten und Konsumentenkrediten steigen die Zahlungsausfälle. Und das ist nur der Anfang, glaubt Richard Bove. "Citigroup wird in diesem Jahr vermutlich 28 Mrd. Dollar für Kreditausfälle zurücklegen müssen", sagt der Analyst beim Investment-haus Punk Ziegel in Miami.

Grund für die stark nachlassende Zahlungsmoral der Amerikaner ist das wirtschaftliche Klima, das sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert hat. Das Weihnachtsgeschäft war für den US-Einzelhandel eine einzige Enttäuschung. Im Dezember sind die Umsätze im Einzelhandel überraschend um 0,4 Prozent zurückgegangen. So schleppend wie in 2007 war das Geschäft seit fünf Jahren nicht mehr.

Selbst Luxusanbieter wie der Edeljuwelier Tiffany spüren mittlerweile, dass ihre Kunden den Gürtel enger schnallen. Die heimische Baubranche und die US-Autohersteller befinden sich nach Meinung Experten bereits in der Rezession. Und auch der bislang solide Arbeitsmarkt zeigt erste Krisensymptome. Im Dezember ist die Arbeitslosenquote von 4,7 auf fünf Prozent in die Höhe geschnellt.

Für die Geschäftsbanken Amerikas verheißt das nichts Gutes. Mehr als 100 Mrd. Dollar haben Banken im Zuge der so genannten "Subprime"-Krise bereits auf riskante Hypothekenprodukte abgeschrieben. Der größte Teil davon geht auf das Konto von US-Instituten. Steigen jetzt die Zahlungsausfälle nicht nur bei den Baudarlehen, sondern auch bei allen anderen Konsumentenkrediten, rollt auf die Finanzbranche eine zweite Welle von Abschreibungen und Verlusten zu. Darüber hinaus dürfte es auch bei Firmenkrediten zu Engpässen kommen. Bislang ist die Zahl der Kreditausfälle im Unternehmenssektor zwar noch relativ gering. Aus früheren Rezessionen ist jedoch bekannt, dass in einer Abschwungphase auch bei den Firmen die Zahlungsmoral rapide abnimmt.

Alarmstufe Rot

Wenn die Banken schwächeln und in ihrer Not sogar auf Kapitalhilfen von ausländischen Regierungen angewiesen sind, trifft das auch die reale Wirtschaft. Auf diesen Zusammenhang hat gerade US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hingewiesen. Die Refinanzierungsprobleme der Banken hätten dazu geführt, dass die Kreditvergabe an Konsumenten und Unternehmen heute deutlich restriktiver sei, sagte der Fed-Chef kürzlich in Washington. Wenn die Banken den Geldhahn zudrehen, sitzt die gesamte Wirtschaft auf dem Trockenen. So entsteht ein Teufelskreis, in dem sich Finanzkrise und Wirtschaftskrise gegenseitig verstärken.

Bernanke hat deshalb die Alarmstufe Rot ausgerufen. Mit kräftigen Zinssenkungen will er das Schlimmste noch abwenden. An den Terminmärkten für Zinskontrakte steigen die Erwartungen nahezu täglich. Die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinssenkung von einem halben Prozentpunkt bei der nächsten Fed-Sitzung am 30. Januar beträgt 50 Prozent. Der Rest des Marktes wettet darauf, dass die Notenbank sogar noch einen Schritt weiter geht und das aktuelle Zinsniveau von 4,25 Prozent gleich um 0,75 Prozentpunkte drückt.

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