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06.01.2010

10:23 Uhr

Magere Einkommen

Deutsche verdienen weniger als vor 20 Jahren

Die Bundesbürger verdienen nach einer aktuellen Studie weniger als vor 20 Jahren, Zuwächse wurden von der Inflation aufgefressen. Besonders dramatisch ist der Einbruch bei den Ärzten: Sie stehen mit einem realen Minus von 50 Prozent an der Spitze der Verlierer. Eindeutige Gewinner sind Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst.

Unter dem Strich weniger in der Geldbörse: Einkommen der deutschen teils deutlich gesunken. Michael S. Schwarzer

Unter dem Strich weniger in der Geldbörse: Einkommen der deutschen teils deutlich gesunken.

HB HAMBURG. Das Arbeitseinkommen vieler Bundesbürger ist unter dem Strich gegenüber 1990 zurückgegangen. Das geht aus dem „Stern“-Gehalts-Check hervor, den das Magazin am Mittwoch vorab veröffentlichte. Demnach verfügten die Beschäftigten 2008 in jedem zweiten der 100 gängigsten Berufe letztendlich über weniger Geld als 18 Jahre zuvor.

Das Hamburger Institut Statista errechnete im „Stern“-Auftrag den Einkommensvergleich. Berücksichtigt wurden der Bruttoverdienst von vollbeschäftigten Arbeitern, Angestellten, Beamten und Selbstständigen aus dem Jahr 1990 gegenüber dem Jahr 2008. Eingerechnet wurde auch die Inflation, die im Vergleichszeitraum insgesamt 47 Prozent betrug, wie das Magazin weiter berichtet.

Das Einkommen von Werbefachleuten, Informatikern und Zahntechnikern sei beispielsweise um mehr als 30 Prozent gesunken. „Besonders dramatisch ist der Verlust aber bei Ärzten: Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 6.400 Euro im Jahr 2008 sind sie zwar immer die Top-Verdiener.“ Doch die Gesundheitsreform und niedrige Einstiegsgehälter hätten ihnen gegenüber 1990 ein reales Minus von 50 Prozent beschert. Auf der Gewinnerseite stehen unter anderem Makler, Verwaltungsfachleute sowie Bankkaufleute und Anlageberater.

Die wichtigste Grundlage für den Einkommensreport sind die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), das zum Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gehört. Das SOEP befragt seit 1984 jedes Jahr mehr als 20.000 Personen in Deutschland, unter anderem zu den Einkommensverhältnissen. So ermittelt das SOEP nicht lediglich Tarifzahlungen, sondern, was bei den Haushalten faktisch ankommt. Zusätzlich hat Statista die Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung zur Entwicklung der Tarifverträge und Daten des Statistischen Bundesamtes zur Einkommensentwicklung herangezogen.

Die Ergebnisse des Gehaltsreports legen zudem bemerkenswerte Trends offen: So konnten Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst ihr Einkommen deutlich steigern - auch nach Abzug der Preissteigerung. Mit Blick auf die Hierarchie im Betrieb zeigt sich, dass sich vor allem Angestellte mit Führungsaufgaben verbesserten. Ihr Bruttoeinkommen wuchs inflationsbereinigt um 18 Prozent.

Auch der Vergleich zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern zeigt Überraschendes: Die über 50-Jährigen verdienen im Schnitt brutto 3310 Euro im Monat und damit nicht nur 500 Euro mehr als ihre jüngeren Kollegen. Die Älteren konnten auch ihr Einkommen deutlich stärker steigern und zudem den Kaufkraftverlust der letzten Jahre mehr als ausgleichen, was den jüngeren Beschäftigten in dem Maße nicht gelang.

Zudem bestätigt die Erhebung auch die subjektive Wahrnehmung vieler Angestellen: Immer weniger Arbeitnehmer bekommen Weihnachts- und Urlaubsgeld oder ein 13. Monatsgehalt. Dafür greifen die Arbeitnehmer öfter zum Instrument der Gewinnbeteiligung. Die Beschäftigten sind also zunehmend vom Erfolg des Unternehmens abhängig. Wenn es gut wirtschaftet, gibt es mehr Geld. In Krisenzeiten - wie jetzt - fallen die Prämien mager oder ganz aus.

Kommentare (6)

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Sparfuchs

06.01.2010, 13:21 Uhr

"beamte und Angestellt im öffentlichen Dienst konnten ihr Einkommen deutlich steigern" ... Das wäre doch mal ein Ansatzpunkt, um die Staatsausgaben zu reduzieren.

Helmstan

06.01.2010, 14:24 Uhr

beamte und Angestellte sind eigentlich seit 30 Jahren die großen Verlierer. Der Staat hat kein Geld und die Gehaltserhöhungen fallen seit Jahrzehnten niedriger aus als in der freien Wirtschaft. Durch den Wegfall der bahn- und Postbeamten (einfache und mittlere beamte) sieht es natürlich so aus, als wären die beamten die Gewinner, weil der prozentuale Anteil an höherqualifizierten beamten nun drastisch gestiegen ist. Schade, dass der bericht nur oberflächlich und so eigentlich untauglich ist. Dem beamten bleibt nur der sichere Job. Aber auch ein beamter braucht Geld zum Leben. Allein ein sicherer Job ernährt keine Familie.

Geuecke Martin

06.01.2010, 14:40 Uhr

bei beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst muss mehr eingespart werden. Oder ist Kurzarbeit und sind Entlassungen nur für den gewerblichen bereich gedacht? Wo ist die Solidarität? im öffentlichen bereich kann nicht immer 100 % Arbeit vorhanden sein. Es ist ein großes Versäumnis der Politik. Mit massiven Folgekosten.

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