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14.01.2010

16:21 Uhr

Michael Glos

Der heimliche Held der Wirtschaftskrise

VonAxel Schrinner

Der heimliche Held des tiefsten Wirtschaftseinbruchs in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist wohl Michael Glos. Der glücklose Ex-Wirtschaftsminister war im Sommer 2008 der erste, der Konjunkturprogramme ins Gespräch brachte. Was folgte, waren Hohn und Spott.

Michael Glos war einer der ersten, der ein Konjunkturprogramm ins Gespräch brachte. dpa

Michael Glos war einer der ersten, der ein Konjunkturprogramm ins Gespräch brachte.

DÜSSELDORF. „Sollte sich das Konjunkturklima abkühlen, müssen wir im Herbst über Maßnahmen reden, die das Wachstum verstetigen müssen“, so der CSU-Politiker. Es folgten Hohn und Spott: „Alles was man damit tut, ist öffentlich Mittel zu vernichten“, ätzte sein Kabinettskollege Peer Steinbrück (SPD). Und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger wusste, „die Gefahr eines deutlichen Einbruchs ist deshalb gering, weil es hierzulande keine Verwerfungen wie etwa auf dem US-Immobilienmarkt gibt“. Selbst der später zur Kassandra mutierte damalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, mahnte Mitte September 2008: „Hände weg von staatlichen Konjunkturspritzen.“

Was dann kam, übertraf alles Gekannte: Die Abkühlung, vor der Glos gewarnt hatte, wurde zu einer sechs monatigen ökonomischen Eiszeit. Das Weltfinanzsystem stand am Abgrund; anschließend brach die Wirtschaftsleistung in einem Halbjahr um fast sechs Prozent ein; Industrieaufträge und -produktion fielen ins Bodenlose und mehr als eine Million Industriearbeiter wurden in die Kurzarbeit geschickt.

Rückblickend am erstaunlichsten ist, dass kaum jemand die zaghaften Warnungen frühzeitig ernst nahm. So sagte zwar das Frühjahrsgutachten 2008 für das folgende Jahr 1,4 Prozent Wachstum voraus. Doch wiesen die Institute in einem Kasten darauf hin, „dass eine deutliche Verschärfung der Finanzmarktkrise erhebliche Auswirkungen auf die Weltkonjunktur hätte“. Für Deutschland wäre ein „scharfer Abschwung oder sogar eine Rezession 2009 die wahrscheinliche Folge“. Unter ungünstigen Bedingungen sei ein BIP-Rückgang bereits in 2008 und den folgenden beiden Jahren von je gut zwei Prozent möglich. 2010 könnte die Wirtschaftsleistung gar fünf Prozent unter der des Jahres 2007 liegen.

Doch niemand registrierte das. Obwohl die Investmentbank Lehman Brothers gerade das Zeitliche gesegnet hatte, spottete Mitte September Steinbrück: „Die Konjunktur dreht in einen Abschwung, das ist richtig, und damit springt die Konjunktur von Untergangspropheten und Krisenpredigern an. In einer Zeitung konnten acht befragte Professoren haargenau die Wahrscheinlichkeit einer Rezession beziffern. Schade nur, dass es von fünf bis 50 Prozent acht verschiedene Einschätzungen gab.“

Kommentare (1)

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aruba

15.01.2010, 12:03 Uhr

Guten Tag,......... Der Mann hatte auf dem Posten nichts zu suchen ER iST MUELLERMEiSTER. Aber er wusste dass er von Tuten und blasen keine Ahnung hatte. Also behaupte jetzt niemand der Mann haette irgend etwas Vorausgesehen. Er war ein guter Kerl aber er hatte keine Lust. besten Dank

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