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04.01.2012

19:36 Uhr

Schweiz

Prüfbericht soll Notenbankchef das Amt retten

VonHolger Alich, Oliver Stock

Die Schweiz hat einen handfesten Skandal. Darin verwickelt: Der Notenbankchef, die Bank Sarasin und der rechtspopulistische Politiker Blocher. Die Bank veröffentlichte einen Prüfbericht, die Regierung hält zu Hildebrand.

Das Foto zeigt Kashya Hildebrand auf einer Kunstmesse im Jahr 2006.  Seegerpress

Das Foto zeigt Kashya Hildebrand auf einer Kunstmesse im Jahr 2006. 

ZürichBei dem Fall geht es um Dollarkäufe, die die Frau des Schweizer Notenbankchefs  Kashya Hildebrand am 15. August  unternommen hat  - also just drei Wochen, bevor ihr Mann Philipp Hildebrand die Kursuntergrenze des Franken gegenüber dem Euro verkündete, was auch dem Dollar auf die Beine half. Seitdem stehen die Hildebrands unter dem Verdacht, Kashya Hildebrand könnte Insider-Wissen genutzt haben.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) meldete sich am Nachmittag zu Wort und teilte mit, "dass die jüngsten Darstellungen der Transaktionen der Familie Hildebrand in einzelnen Medien zum Teil nicht korrekt sind und keine Elemente enthalten, die den Prüfungsorganen nicht bekannt gewesen wären." Kurz zuvor hatte die Schweizer "Weltwoche" in einer Vorabmeldung berichtet, dass sogar Philipp Hildebrand selbst die Transaktionen unternommen habe. Der Notenbankchef kündigte für Donnerstagnachmittag eine Stellungnahme an und erklärte sich bereit, dann auch Fragen zu dem Vorfall zu beantworten.

Die Schweizer Regierung hat sich bereits hinter den Notenbankchef gestellt und sprach ihm ihr Vertrauen aus. „Der Bundesrat sieht keinerlei Gründe, an den Resultaten der Prüfungen zu zweifeln“ hieß es in einer Mitteilung.

Prüfbericht von SNB veröffentlicht

Die SNB veröffentlichte auch Details zu sämtlichen Währungstransaktionen der Hildebrands, die von Wirtschaftsprüfern zusammengetragen worden waren. Das Dokument ist auf den 21. Dezember 2011 datiert. Umstritten ist dabei vor allem der Kauf von 504.000 Dollar am 15. August 2011, der für die Familie laut Bericht eine "Erhöhung des USD Exposure auf 50% des Finanzvermögens" bedeutete.

Den Prüfern von PwC zufolge war dieses Geschäft "vorteilhaft". Die Transaktion sei aber "direkt durch die Ehefrau bei der Bank veranlasst" worden. Am Folgetag habe Philipp Hildebrand in einer E-Mail an den Kundenbetreuter bei der Bank Sarasin klargestellt, dass künftig nur er persönlich Transaktionen durchführen dürfe.

"Unter dem Aspekt, dass die Transaktion zwei Tage vor einer wichtigen Ankündigung der SNB durchgeführt worden wurde, ist dieses Geschäft als heikel einzustufen", schreibt PwC. Doch Hildebrand habe den Leiter Recht und Dienste über den Vorfall informiert und damit "die notwendige Transparenz" sicher gestellt.

Kommentare (13)

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Rene

04.01.2012, 11:19 Uhr

"Seitdem stehen die Hildebrands unter dem Verdacht, Kashya Hildebrand könnte Insider-Wissen genutzt haben."

Wieso das denn? Niemals! Das gibts vielleicht überall auf der Welt, aber doch nicht in der Schweiz. Die gute Frau und ihr Mann haben doch Geld wie Heu. Wieso sollten die durch Insiderwissen noch mehr wollen?

Ach ja, Gier. Nun scheint es gar nicht mehr abwägig...

rokober

04.01.2012, 11:31 Uhr

wie sagt der Volksmund: "Der Teufel scheisst immer auf die größten Haufen" ... d.h. Geld zu Geld !!

hofrichter

04.01.2012, 11:51 Uhr

Oha. Inzwischen geht man davon aus, dass Philipp Hildebrand selbst - und nicht seine Frau - die Transaktionen getätigt hat.

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