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02.01.2015

15:34 Uhr

Umfrage

Angst vor Krisen dämpft Wirtschaftserwartungen

Die Bundesbürger fürchten finanzielle Folgen angesichts der zahlreichen internationalen Krisen. Aktuell sind zwar noch keine Auswirkungen zu spüren. Doch Experten fürchten, dass die Stimmung der Verbraucher kippt.

Viele Verbraucher profitieren von Lohnerhöhungen und der niedrigen Inflationsrate – doch die Stimmung ist nicht ungetrübt. dpa

Viele Verbraucher profitieren von Lohnerhöhungen und der niedrigen Inflationsrate – doch die Stimmung ist nicht ungetrübt.

Hamburg/BerlinÄngste vor neuen Krisen dämpfen einer Umfrage zufolge die Wirtschaftserwartungen der Bundesbürger für 2015. Nach einer Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen erwartet nur noch jeder dritte Deutsche, dass Deutschland Ende 2015 wirtschaftlich besser dasteht als heute. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 7 Prozentpunkte. Vor allem bei älteren Menschen, den Geringverdienenden und den Ostdeutschen sei die Hoffnung auf Wachstum gering. Für die Studie wurden im Dezember 2014 mehr als 2000 Bundesbürger ab 14 Jahren repräsentativ befragt.

„Die Angst vor einer neuen Wirtschafts-, Finanz-, Banken- oder Eurokrise wächst. Zunehmend mehr Bürger äußern sich besorgt und fürchten, dass Deutschland an wirtschaftlicher Stärke verliert“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Verbunden hiermit sei die persönliche Angst vor einem Arbeitsplatzverlust, Rentenabschlägen und finanziellen Einbußen.

Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst&Young, über die die „Welt“ berichtete, haben mehr als drei Viertel der 1500 Befragten Angst, dass sich Konflikte wie die Kriege im Irak und in Syrien oder die Ukraine-Krise negativ auf ihre eigene finanzielle Lage auswirken könnten. „Trotz der eigentlich guten wirtschaftlichen Situation der Verbraucher in Deutschland lauert hier ein beträchtlicher Unsicherheitsfaktor. Wenn diese Krisen und Kriege weiter eskalieren und stärker ins Bewusstsein rücken, könnte die Stimmung der Verbraucher sehr schnell kippen“, warnte Studienautor Thomas Harms.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Aktuell seien dagegen noch keine Auswirkungen spürbar. Nach der Ernst&Young-Studie sind 45 Prozent der Bundesbürger sehr zufrieden mit ihrer derzeitigen finanziellen und wirtschaftlichen Lage - so viele wie noch nie seit Beginn der Befragung im Jahr 2008. Lediglich neun Prozent blicken sorgenvoll auf ihr Bankkonto. „Viele Verbraucher profitieren von den Lohnerhöhungen und einer niedrigen Inflationsrate“, begründet Harms die Ergebnisse. Außerdem hielten 91 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz derzeit für sicher. Ungetrübt sei die Stimmung der Deutschen deswegen aber nicht. „Die Konjunktursorgen kehren zurück“, heißt es in der Untersuchung.

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung rechnet in seinem Jahresgutachten, das Mitte November vorgestellt wurde, nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Dagegen erhöhten die Forscher des Ifo-Instituts ihre Wachstumsprognose für 2015 Mitte Dezember von zuletzt 1,2 auf 1,5 Prozent.

Von

dpa

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