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05.01.2010

12:27 Uhr

Verbraucherpreise

Inflation in Euroland zieht deutlich an

Zum Jahresende hat die Inflation in Euroland deutlich zugelegt, die Teuerungsrate ist so hoch wie seit Monaten nicht mehr. Dennoch sehen Analysten keine Inflationswelle voraus – Hohe Arbeitslosenzahlen und schlechte Auslastung der Industrie verhindern wahrscheinlich eine Blasenbildung.

Weniger Ware fürs Geld: Die Preise in Euroland sind zum Jahresende deutlich gestiegen. Michael S. Schwarzer

Weniger Ware fürs Geld: Die Preise in Euroland sind zum Jahresende deutlich gestiegen.

HB FRANKFURT. Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Dezember deutlich gestiegen: Die jährliche Inflationsrate erreichte mit 0,9 Prozent das höchste Niveau in Monaten, wie das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Dienstag auf Basis einer vorläufigen Schätzung mitteilte.

Im November hatten die Preise nur um 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen, in den Monaten davor waren sie sogar rückläufig. Im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise hatte die Inflation in der Eurozone im Mai den Nullpunkt erreicht, von Juni bis Oktober waren die jährlichen Inflationsraten negativ.

Als Grund für die steigenden Lebenshaltungskosten gilt vor allem der höhere Ölpreis. Ein Fass US-Öl kostet derzeit fast 82 Dollar und damit deutlich mehr als vor einem Jahr. Im Juli 2008 hatte die Inflation noch auf dem Rekordhoch von 4,0 Prozent gelegen. Die EZB sieht stabile Preise mittelfristig bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist derzeit jedoch kein größerer Teuerungsschub zu erwarten. Die gestiegene Arbeitslosigkeit und die Unterauslastung der Produktionskapazitäten dürften dies auf kurze Sicht verhindern, schreibt die LBBW in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Gleichwohl stelle die Entwicklung der Rohölpreise ein Aufwärtsrisiko dar. Die LBBW erwartet 2010 eine jahresdurchschnittliche Inflation von 1,3 Prozent.

Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, erwartet unterdessen einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen in Deutschland 2010 um rund eine halbe Million auf durchschnittlich vier Millionen. „Wir werden voraussichtlich weit unter den fünf Millionen Arbeitslosen bleiben, die noch vor wenigen Monaten befürchtet wurden“, sagte Franz der Tageszeitung „Die Welt“.

Die Krise würde sich damit weit weniger stark auf den Arbeitsmarkt auswirken als im Frühjahr 2009 angenommen. Der Ökonom erwartet, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,6 Prozent wachsen wird, warnte aber, dass es bis 2013 dauern könne, bis Deutschland wieder die gleiche Wirtschaftsleistung wie vor der Krise, also Anfang 2008, erreichen werde.

Franz schlägt der Bundesregierung vor, die Steuerfreiheit von Wochenend- und Schichtarbeit zu überdenken. Eine stärkere Besteuerung dieser Verdienste könne dabei helfen, das Staatsdefizit abzubauen. „Ich finde es völlig gerechtfertigt, wenn eine Krankenschwester nachts mehr verdient als tagsüber. Aber diese Unterschiede sollten im Tarifvertrag geregelt sein und nicht über die Einkommensteuer“, sagte Franz. Arbeitnehmer müssen bisher auf Zuschläge für Wochenend- und Schichtarbeit weder Einkommensteuer noch Sozialabgaben zahlen, solange die Zulagen bestimmte Obergrenzen nicht überschreiten.

Kommentare (1)

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Melanie Gatzke

06.01.2010, 17:29 Uhr

Alles nur noch ein einziges Räuber und Gendarmen -Spiel.
Gehetzt -gejagt-immer in Wachposition- immer auf Spannung um die Sicherung des mühselig Ersparten, der Reserven.
Vermutung: Am Ende wird das alles nichts nutzen, wir werden geprellt, so oder so.
Wie sagte der alte Guru Greenspan mal: Es gibt keine Möglichkeit , sein Vermögen zu schützen.
Sollte er etwa recht behalten?
Dann macht der Staat- die Regierung- etwas falsch. Wir werden schon noch merken, was sie falsch macht-- oder sogar bewußt lügt und vertuscht hat. Denn irgendjamand muß die Zeche ja bezahlen.
Das kann nur der, der was hat. Einem Nackten kann man nicht in die Tasche greifen.

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