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21.01.2010

10:11 Uhr

Wirtschaftliche Erholung

Uno warnt vor zuviel Optimismus

VonJan Dirk Herbermann

Die Weltwirtschaft wird sich in diesem Jahr wieder aufrichten. Die Ökonomen der Uno sagten gestern für 2010 ein Wachstum von 2,4 Prozent voraus - nach einem Minus von 2,2 Prozent im Vorjahr. Die Organisation zeigt sich damit pessimistischer als der Internationale Währungsfonds.

IWF-Chef Strauss-Kahn ist deutlich optimistischer als die Uno, was die wirtschaftliche Erholung angeht. Reuters

IWF-Chef Strauss-Kahn ist deutlich optimistischer als die Uno, was die wirtschaftliche Erholung angeht.

GENF. Die Zahlen gehen aus dem Weltwirtschaftsbericht der Uno hervor, den der Chefökonom der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Heiner Flassbeck, in Genf vorstellte. Er fiel damit weniger zuversichtlich aus als die Prognosen anderer bedeutender internationaler Organisationen.

Flassbeck warnte vor übertriebenem Optimismus: "Die Erholung ist fragil". Die Arbeitslosenquoten bleiben nach den Befürchtungen der Uno-Ökonomen hoch und die Inflationsraten niedrig. Risiken für die Weltwirtschaft sehen sie von zwei Seiten kommen. Zum einen bleibe der Finanzsektor verletzungsanfällig und zum anderen hänge die Erholung von den Konjunkturprogrammen der Regierungen ab. In den Jahren 2009 und 2010 summierten sich die fiskalischen Stimuli auf 2,6 Billionen Dollar. Gleichzeitig seien die taumelnden Banken mit rund 20 Billionen Dollar gestützt worden.

Die Uno-Experten fürchten, dass die Regierungen ihre Konjunkturhilfen zu schnell einstellen werden. "Sie sollten mindestens solange fortgeführt werden, bis klarere Signale einer robusten Erholung des Beschäftigungswachstums und der Privatnachfrage zu erkennen sind", fordern sie daher.

Das Wirtschaftswachstum der Industrieländer wird der Prognose zufolge weit unter seinem Potenzial bleiben. Für die USA sagen die Uno-Ökonomen ein Plus von 2,1 Prozent voraus, für die EU 0,6 Prozent und für Japan 0,9 Prozent. "Mit diesem Tempo der Erholung kann man aber von den entwickelten Volkswirtschaften keinen starken Impuls für das globale Wachstum in nächster Zeit erwarten", so die Fachleute. Stärker wachsen sehen sie die Entwicklungsländer, vor allem in Asien. Allerdings würden auch die Giganten China und Indien 2010 ihre Wachstumsmöglichkeiten nicht voll ausschöpfen.

Deutlich optimistischer äußerte sich gestern Dominique Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Weltwirtschaft entwickele sich stärker als erwartet und werde die vorausgesagte Wachstumsrate von drei Prozent übertreffen, sagte er in Hongkong. Auch er hält die Aussichten der Schwellenländer für besser als die der Industrieländer. Für Asien ohne Japan sagte er ein Wachstum von mehr als sieben Prozent voraus. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, warnte, das Wachstum in der Euro-Zone werde im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2009 nachlassen. Danach sehe er eine langsame Erholung, aber keinen Rückfall in die Rezession, sagte er in Leipzig.

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