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02.01.2009

16:41 Uhr

Wirtschaftskrise

US-Einkaufsmanagerindex auf 28-Jahres-Tief

Die Geschäfte der US-Industrie sind im Dezember so stark geschrumpft wie seit 28 Jahren nicht mehr. Auch der Wachstumsmotor Asiens verliert angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise immer mehr an Fahrt. Mit China, Indien, Südkorea und Singapur meldeten am Freitag gleich vier Staaten düstere Konjunkturdaten.

Angesichts der Krise wachsen die Sorgen der Bürger um ihren Arbeitsplatz. Foto: ap ap

Angesichts der Krise wachsen die Sorgen der Bürger um ihren Arbeitsplatz. Foto: ap

HB NEW YORK/PEKING/NEU DEHLI. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel auf 32,4 von 36,2 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Freitag zu seiner Umfrage unter 350 Unternehmen mitteilte. Dies war der niedrigste Wert seit 1980. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 35,5 Punkte gerechnet. Erst ab Werten von 50 Punkten wird Wachstum signalisiert.

Eine schnelle Erholung der amerikanischen Industrie ist nicht in Sicht: Die Neuaufträge schrumpften so stark wie nie zuvor.

In China steht nach Einschätzung der Investmentbank CLSA der Industriesektor am Rande einer Rezession. Er macht knapp die Hälfte der Wirtschaftsleistung der Volksrepublik aus. Die Umfrage des Instituts unter Einkaufsmanagern ergab, dass Produktion und Stellen im Dezember im Rekordtempo abgebaut wurden. Das viel beachtete CLSA-Barometer für die Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt signalisiert nunmehr den fünften Monat in Folge ein Schrumpfen.

Regierungschef Wen Jiabao rief die Wirtschaft dazu auf, trotz der Absatzflaute zuversichtlich ins neue Jahr zu blicken. Chinas Führung sei entschlossen, die Binnennachfrage anzukurbeln und das Land damit für einen "harten Winter" zu wappnen, sagte Wen bei einem Besuch der Ostprovinz Shandong. Obwohl China unter den wegbrechenden Märkten in Übersee leidet, hat die Regierung für 2009 ein Wachstumsziel von acht Prozent vorgegeben. Mit dieser für chinesische Verhältnisse vergleichsweise bescheidenen Wirtschaftsleistung soll das Land vor sozialen Unruhen bewahrt werden, da jährlich ein Millionenheer auf den Arbeitsmarkt drängt.

Auch Nachbar Indien bekommt die Flaute immer stärker zu spüren: Die Daten des Einkaufsmanagerindex zeigen erstmals seit Umfragebeginn vor dreieinhalb Jahren, dass die unter Kostendruck geratenen Industriefirmen Stellen abbauten. Die Regierung in Neu-Delhi kämpft nun mit einem zweiten Konjunkturprogramm gegen den Abschwung an. Die Staatsbanken der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens sollen mit umgerechnet rund drei Milliarden Euro rekapitalisiert werden.

Die Exportunternehmen erhalten zudem bis zum Jahresende Steuererleichterungen. Zugleich senkte die Notenbank ihren Leitzins von 6,5 auf 5,5 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit achteinhalb Jahren. Mit billigerem Geld will die Zentralbank das Wachstum ankurbeln. Die Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren im Schnitt um neun Prozent gewachsen. Ihr droht aber nun eine empfindliche Abkühlung.

Neue Hiobsbotschaften kamen zudem aus Südkorea: Der Absatz der südkoreanischen Autobauer brach im Zuge der weltweiten Konjunkturflaute im Dezember um 13 Prozent ein. Die Branche leidet derzeit weltweit unter einem starken Rückgang der Nachfrage. Insbesondere in den USA sind die Verkaufszahlen drastisch gesunken.

Die weltweite Wirtschaftskrise drückt zudem Singapur immer tiefer in die Rezession. Die Wirtschaft des Stadtstaates schrumpfte im vierten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 12,5 Prozent. Die Regierung befürchtet auch für 2009 eine Rezession.

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