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19.01.2010

11:22 Uhr

ZEW-Konjunkturerwartungen

„2010 wird es keinen Aufschwung geben“

Börsenprofis blicken auch im neuen Jahr skeptischer auf die deutsche Wirtschaft. Das Barometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Konjunkturerwartungen fiel im Januar stärker als erwartet. ZEW-Präsident Franz zieht daraus den Schluss, dass es in diesem Jahr "bestenfalls eine Erholung, aber noch keinen Aufschwung" geben werde.

Der Konjunkturhimmel über Deutschland verdunkelt sich wieder. dpa

Der Konjunkturhimmel über Deutschland verdunkelt sich wieder.

HB BERLIN. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel demnach im Januar auf 47,2 Zähler von 50,4 Punkten im Vormonat. Das Barometer fiel damit den vierten Monat in Folge und sackte auf den tiefsten Stand seit Juli. Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 49,5 Punkte gerechnet. Es sei "bestenfalls eine Erholung in Sicht, aber noch kein Aufschwung", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. „Der Weg aus dem tiefen Rezessionstal ist beschwerlich und lang.“

Analysten und institutionelle Anleger gehen davon aus, dass es im kommenden halben Jahr für die Fahrzeugbranche sowie Konsum und Handel bergab gehen dürfte. Die Autoindustrie selbst erwartet im ersten Jahr nach der Abwrackprämie schwierige Geschäfte. Trotz des Rückgangs liegt der ZEW-Indikator noch über seinem historischen Mittelwert von 27,1 Punkten.

„Die wirtschaftliche Lage verbessert sich zäh“, betonte Volkswirt Heinrich Bayer von der Postbank. Es werde weiter bergauf gehen, aber nur langsam und ohne große Dynamik. Das gilt für die heimische Wirtschaft ebenso wie für die anderen Euro-Länder, die USA und Großbritannien. „So allmählich trübt sich das Konjunkturbild für Deutschland ein“, sagte Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.

Der Euro fiel nach der Veröffentlichung der ZEW-Umfrage auf ein Tagestief von 1,4321 Dollar. Der deutsche Aktienleitindex Dax hingegen reagierte kaum und lag weiter rund 0,8 Prozent niedriger bei 5873 Zählern.

Die Lage beurteilten die Investoren und Anleger dagegen zum achten Mal in Folge besser als im Vormonat. Dieser Teilindex stieg um vier auf minus 56,6 Punkte. Fachleute hatten mit einem Anstieg auf minus 56,3 Punkte gerechnet.

Kommentare (3)

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WFriedrich

19.01.2010, 16:07 Uhr

Machen hoch verschuldete Staaten irgendwann wirklich ernst und konsolidieren ihre Haushalte, werden zunächst die öffentlichen Ausgabenbudgets betroffen sein. Die öffentliche Nachfrage bricht ein. Mit Zeitversatz schließt sich vmtl. die private und privatwirtschaftliche Nachfrage an. Darunter könnten unsere Exporte partiell leiden. Umso interessanter werden die Märkte jener Länder, die nicht unter gleichem Druck stehen. Außen- und Außenwirtschaftspolitik müssen dorthin beste Rahmenbedingungen schaffen. Die Kernaussage ZEW-Analyse wird durch solche Trends ggf. untermauert

no.7

19.01.2010, 16:11 Uhr

Naja, nun haben die hochfliegenden Konjunkturhoffnungen einen Dämpfer erhalten. Dieser Ausblick zeigt ganz klar, daß Steuersenkungen in dieser Lage nichts als Klientelbedienung sind. Der Effekt auf das wachstum ist gleich null. weiterhin sehen wir, daß der geborgte Aufschwung sogleich wieder zusammensackt, wo das ganze Geld noch nicht einmal alles ausgegeben ist. ich bin auch überzeugt davon, daß es diesjahr und die Folgejahre kein Wirtschaftswachstum für Deutschland geben wird, sondern daß schon 2010 bestenfalls Stagnation zu erwarten ist. auch ist zu erwarten, daß sich deshalb die Staatseinnahmen von ihrem Einbruch fast gar nicht erholen. Das werden wir dann im Mai schwarz auf weiß bekommen. Dann werden die ersten Kommunen den bankrott erklären, und Schäubles Haushalt wird nur mehr aus Milliardenlöchern bestehen. Diesem Desaster wird er hilflos gegenübersehen. - reichlich düstere Prognose, aber ich halte das für realistisch. Die Schulden galoppieren davon, in zwei,drei Jahren folgt der Finanz-Kollaps. Mal sehen ob dann die schönen Pensionen etc. immer noch so zuverlässig fließen.....

Michael Wendl

19.01.2010, 20:17 Uhr

Ein selbstragender Konjunkturaufschwung kann sich erst einstellen, wenn sich die aus dem abgelaufenen Konjunkturzyklus und aus der Finanzmarktblase resultierenden Ungleichgewichte zu einem großen Teil abgebaut haben. insbesondere gilt das für die globalen Ungleichgewichte und die enorm gewachsene Ungleichheit in der Einkommensverteilung. Hier ist aber wenig passiert. Die politischen interventionen, so notwendig sie waren, haben die bestehenden Strukturen zunächst quasi konserviert. Der notwendige bereiniigungsprozess wird sich daher über mehrere Jahre erstrecken, bis die realwirtschaftlichen investitionen wieder anziehen.

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