Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.08.2014

21:23 Uhr

Der Wahlabend zum Nachlesen

Tillich erteilt AfD eine Absage

Schwarz-Gelb ist Geschichte: Die Sachsen haben der CDU einen Wahlsieg beschert, doch die FDP fliegt aus dem Landtag. Dafür jubelt die AfD über ein überraschendes Ergebnis. Unser Liveblog vom Wahlabend zum Nachlesen.

CDU-Regierungschef Stanislaw Tillich kann nicht mehr auf die FDP zählen. AFP

CDU-Regierungschef Stanislaw Tillich kann nicht mehr auf die FDP zählen.

Rund 3,4 Millionen Sachsen hatten heute die Wahl: Sie haben entschieden und der CDU mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich einen überzeugenden Wahlsieg beschert. Die schwarz-gelbe Landesregierung ist dennoch Geschichte. Dafür jubelt die AfD. Die rechtsextreme NPD steht auf der Kippe. Die Ereignisse des Wahlabends zum Nachlesen.

+++ Das Ergebnis +++
Die CDU kommt in den aktuellen Hochrechnungen auf 39,2 bis 39,8 Prozent. Ihr bisheriger Partner FDP erreicht 3,7 bis 3,9 Prozent – damit ist die letzte schwarz-gelbe Regierung auf Landesebene Geschichte. Die Linke liegt bei 18,5 bis 19,0 Prozent, die SPD bei 12,2 bis 12,3 und die AfD bei 9,9 bis 10,0 Prozent. Die Grünen erreichen 5,6 bis 5,8 Prozent, die NPD bekommt 5,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei schlechten 48,5 Prozent. Danach kann die CDU 58 bis 59 Abgeordnete ins Parlament entsenden. Die Linke bekommt 26 Sitze, die SPD 17 bis 18 und die AfD 14. Auf die Grünen entfallen 8 Mandate, auf die NPD 7.

+++ Tillich spricht von „Super-Ergebnis“ +++
Sachsens CDU-Landesvorsitzender und Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat das Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl als „Super-Ergebnis“ gefeiert. „39 Prozent und ein Stück mehr ist ein Super-Ergebnis und für die nächsten fünf Jahre eine große Ehre und Verantwortung.“ Mit weit über 20 Prozent Abstand zum Zweitplatzierten sei es genau so deutlich wie beim letzten Mal. „Das zeigt, dass die Menschen uns vertrauen, dass wir weiter Verantwortung übernehmen und die Geschicke des Landes in die Hand nehmen sollen“, sagte er. „Es hat sich gelohnt, sich für dieses Ergebnis anzustrengen.“

Jubel bei Sachsens CDU

Video: Jubel bei Sachsens CDU

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

+++ Absage an die AfD +++
Sachsens CDU-Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich sieht bei der Suche nach einem neuen Koalitionspartner zwei Optionen: SPD und Grüne – jedoch nicht die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD). „Ich habe keine Präferenz, das müssen Gespräche ergeben“, sagte er am Sonntagabend nach der Landtagswahl im MDR in Richtung SPD und Grüne. In der ARD stellte Tillich klar: „Wir werden uns einen Koalitionspartner suchen, mit dem wir auch gemeinsam für das Land etwas erreichen können. Und mit Sicherheit zählt dazu die AfD nicht.“


Jubel bei der AFD

Video: Jubel bei der AFD

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

+++ CDU weist Kritik an Wahltermin zurück +++
Tillich weist im ZDF-Interview den Vorwurf zurück, er habe durch die Festlegung des Wahltermins am Ende der Sommerferien zum Erfolg der NPD beigetragen. „Das ist grober Unfug,“ sagt Tilich. „Man schiebt die Verantwortung für eigene Fehler auf andere. Das ist an den Haaren herbeigezogen.“ SPD-Spitzenkandidat Dulig hatte kritisiert, dass der Termin zur niedrigen Wahlbeteiligung beigetragen habe und dies der NPD genützt habe.

+++ Linke bleiben zweitstärkste Kraft +++
Nach der Hochrechnung kommt die Linkspartei mit ihrem Spitzenkandidaten Rico Gebhardt auf 18,9 Prozent der Stimmen. „Es sieht so aus, als hätten wir unser wichtigstes Wahlziel erreicht: die Rückkehr der CDU zur absoluten Mehrheit, die noch vor drei Monaten greifbar schien, zu verhindern“, sagte Gebhardt. Der Parteichef erinnerte daran, dass die Linke in den Umfragen vor einem Jahr noch bei 14 Prozent stand. „Jetzt haben wir uns wieder hochgearbeitet. Wir sind deutlich die zweitstärkste Kraft im Freistaat. Das ist ein großer Erfolg für uns.“

+++ Gabriel fordert CDU-Absage an die AfD +++
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich aufgefordert, eine klare Koalitionsaussage zu machen. Tillich habe bisher nicht gesagt, ob er mit der Alternative für Deutschland (AfD) koaliere oder nicht, sagte Gabriel, dessen Partei selbst als Partner der CDU in Frage kommt. Ob es die Möglichkeit für eine schwarz-grüne Regierung gebe, hänge davon ab, ob es die rechtsextreme NPD in den Landtag schaffe. Gabriel warf Tillich vor, „dass er mit dieser Taktik, auf den letzten Ferientag zu gehen, möglicherweise eine rechtsradikale Partei und eine rechtspopulistische Partei mit einem Riesenergebnis in den Landtag bekommen hat. Diese Dummheit sollte sich nicht wiederholen.“

Sachsen-SPD jubelt

Video: Sachsen-SPD jubelt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

+++ AfD-Chef Lucke sieht keine Koalitionsoption +++
Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) sieht trotz ihres starken Abschneidens bei der Landtagswahl in Sachsen keine großen Chancen auf eine Regierungsbeteiligung in Dresden. CDU-Spitzenkandidat Stanislaw Tillich sei „vergattert worden, nicht mit uns zu sprechen“, sagte AfD-Parteichef Bernd Lucke. „Insofern sehe ich keine Koalitionsoption.“ Dennoch: „Wir werden uns konstruktiven Gesprächen nicht verweigern.“

+++ NPD auf der Kippe +++
Bei der jüngsten Hochrechnung des ZDF kommt die rechtsextreme NPD nur auf 4,9 Prozent. Damit würde die Partei den Wiedereinzug in den sächsischen Landtag verpassen. In der ARD steht die NPD noch bei 5,0 Prozent.

+++ Die zweite Hochrechnung ist da +++

  • CDU: 39,2 Prozent (ARD)-Prognose (58 Sitze) / minus 1,0 Prozent (im Vergleich zu 2009) // bei der ZDF-Prognose kommt die CDU auf 39,5 Prozent
  • Linke: 18,9 Prozent (27 Sitze) / minus 1,7 Prozent // 18,4 Prozent
  • SPD: 12,6 Prozent (18 Sitze) / plus 2,2 Prozent // 12,5 Prozent
  • AfD: 10,0 Prozent (14 Sitze) / plus 10,0 Prozent // 9,8 Prozent
  • Grüne: 5,8 Prozent (8 Sitze) / minus 0,6 Prozent // 5,4 Prozent
  • NPD: 5,0 Prozent (7 Sitze) / minus 0,6 Prozent // 4,9 Prozent
  • FDP: 3,8 Prozent / minus 6,2 Prozent // 4,2 Prozent

+++ Grünen-Chefin Peter hat mehr erwartet +++
Der Wiedereinzug der Grünen in den sächsischen Landtag ist aus Sicht von Parteichefin Simone Peter ein wichtiges Signal für die anstehenden Wahlen in Thüringen und Brandenburg. „Wir haben etwas mehr erwartet.“ Nach leichten Verlusten mische die Partei aber weiter im sächsischen Parlament mit, sagte Peter am Sonntag in Berlin. „Wir Grüne stehen für Themen, die sonst keine der anderen Parteien in den Bundesländern vertreten.“ Dies betreffe neben Klimaschutz und Energiewende auch eine direkte Bürgerbeteiligung, sagte sie auch mit Blick auf die äußerst geringe Wahlbeteiligung.

+++ „AfD ist in Deutschland angekommen“ +++
Frauke Petry, die Spitzenkandidatin der AfD, spricht schon zu ihren Anhängern. „Es ist Wahnsinn, was wir erreicht haben“, sagt Petry nach der ersten Hochrechnung. „Glückwunsch an uns alle.“ Aus Berlin gratuliert Parteichef Bernd Lucke: „„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Denn es zeigt, dass die AfD als Partei jetzt endgültig angekommen ist in der deutschen Parteienlandschaft.“

AfD-Spitzenkandidatin Frauke Petry bei der Wahlparty.

AfD-Spitzenkandidatin Frauke Petry bei der Wahlparty.

+++ Laschet: AfD ist für uns kein Bündnispartner +++
CDU-Bundesvize Armin Laschet hat Bündnisse der CDU mit der AfD auf Bundesebene ausgeschlossen. „Die AfD ist für uns kein Bündnispartner, sie macht eine rückwärtsgerichtete Politik und kann für uns kein Partner sein„, sagte Laschet in der ARD. Dies sei die Meinung der Bundes-CDU aber auch des sächsischen Regierungschefs und Wahlgewinners Stanislaw Tillich (CDU).

+++ Zastrow gibt Bundes-FDP die Schuld +++
Holger Zastrow ist tief enttäuscht, die sächsische FDP zahle den Preis für die Bundespolitik der Liberalen. „Wir konnten nicht fleißiger sein, nicht leidenschaftlicher sein, wir haben alle Register gezogen und trotzdem hat es nicht gereicht“, sagt Zastrow in einer Ansprache. „Die Wirtschaft im Freistaat brummt und das hat auch mit unserer Politik zu tun.“ Dennoch wisse er jetzt erstmal nicht wie es weitergehe. „Allerdings bin ich auch eines stolz: Wir haben unsere Ehre verteidigt, wir haben nicht um Stimmen gebettelt.“

+++ Linke sieht Rückenwind für Thüringen und Brandenburg +++
Die Linkspartei sieht in ihrem Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen Rückenwind für die in zwei Wochen anstehenden Wahlen in Thüringen und Brandenburg. „Das sollte uns einen Rückenwind geben für die Wahlen, die ja jetzt in Thüringen noch anstehen, wo wir einen linken Ministerpräsidenten stellen wollen, und auch für Brandenburg, wo wir Rot-Rot fortsetzen wollen“, sagte Linken-Bundesvize Caren Lay.

+++ SPD kritisiert den Wahltermin +++
„In diesem Umfeld muss man von einem guten Ergebnis sprechen“, sagt Dirk Panter, SPD-Generalsekretär in Sachsen. Spitzenkandidat Martin Dulig spricht von einem überragenden Wahlkampf. Allerdings gibt es Kritik an der CDU. „Stanislaw Tilich hat der Demokratie einen Bärendienst erwiesen mit dem Wahltermin in den Sommerferien.“

+++ Die erste Hochrechnung ist da +++

  • CDU: 39,2 Prozent (ARD)-Prognose (58 Sitze)
  • Linke: 18,9 Prozent (27 Sitze)
  • SPD: 12,6 Prozent (18 Sitze)
  • AfD: 10,0 Prozent (14 Sitze)
  • Grüne: 5,8 Prozent (8 Sitze)
  • NPD: 5,0 Prozent (7 Sitze)
  • FDP: 3,7 Prozent

+++ Wahlbeteiligung unter 50 Prozent +++
Laut erster Prognosen liegt die Wahlbeteiligung in Sachsen bei 48,5 Prozent. Das wäre die zweitniedrigste Wahlbeteiligung in der deutschen Wahlgeschichte.

+++ AfD mit „grandiosem“ Ergebnis +++
Alle haben verloren – und nur die Alternative für Deutschland hat ein „grandioses Ergebnis“ erzielt. „Ein Ergebnis, mit dem zuvor nicht zu rechnen war“, sagt der Bonner Politologe Tilman Mayer bei Phoenix.

+++ Zwei Parteien auf der Kippe +++
Die Grünen liegen in beiden Prognosen über der Fünf-Prozent-Hürde – allerdings knapper als nach den Umfragen erwartet. Noch knapper ist es für die rechtsextreme NPD, die noch aus dem Landtag fliegen könnte.

+++ Die erste Prognose um 18 Uhr +++

  • CDU: 39,0 Prozent, ARD-Prognose (58 Sitze) / 39,5 (ZDF)
  • Linke: 19,0 Prozent (27 Sitze) / 18,5
  • SPD: 12,5 Prozent (18 Sitze) / 12,5
  • AfD: 10,0 Prozent (14 Sitze) / 9,5
  • Grüne: 6,0 Prozent (8 Sitze) / 5,2
  • NPD: 5,0 Prozent (7 Sitze) / 5,0
  • FDP: 3,5 Prozent / 4,5

+++ Tillich kann halbwegs entspannt bleiben +++
Ministerpräsident Stanislaw Tillich steht als Wahlsieger fest. Ein richtiger Regierungswechsel steht nicht zur Debatte – dafür ist der Vorsprung der CDU in Umfragen zu groß. Doch wie steht es um den Partner FDP? In wenigen Minuten wissen wir mehr.

+++ Wahllokale noch halbe Stunde geöffnet +++
Den Sachsen bliebt nur noch wenig Zeit, ihr Kreuz zu machen. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr. Dann gibt es die erste Prognose.

+++ Vier Stimmen für den Bundesrat +++
Auch wenn es für Schwarz-Gelb nicht mehr reicht –selbst eine anders zusammengesetzte Regierung wird im Bundesrat wenig ändern am Kräfteverhältnis zwischen jenen Ländern, die wie der Bund von SPD und/oder Union regiert werden, und jenen mit Regierungsbeteiligung der Grünen oder Linken. Denn schon bislang hat das Regierungslager von CDU/CSU und SPD in der Länderkammer nur eine Minderheit von 27 der 69 Stimmen. Mit einem CDU/SPD-Bündnis in Sachsen käme die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf 31 Stimmen. Die Mehrheit im Bundesrat liegt aber bei 35 Stimmen.

Sachsen-Wahl in Zahlen

Wahlberechtigte

3,4 Millionen

Mandate

Zu vergeben sind regulär 120 Mandate. Im aktuellen Landtag sitzen aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten allerdings 132 Abgeordnete.

Kandidaten

Insgesamt bewerben sich 636 Frauen und Männer um einen Sitz im Parlament - 537 als Direktkandidaten in einem der 60 Wahlkreise, 371 über eine der 14 Landeslisten. 272 Kandidaten bewerben sich sowohl für ein Direkt- als auch für ein Landeslistenmandat.

Alter der Kandidaten

Mit je 84 Bewerbern sind die Altersgruppen der 45- bis unter 50-Jährigen und der 50- bis unter 55-Jährigen am stärksten vertreten. Nur 27 Bewerber sind zwischen 18 und 24 Jahren alt. Nicht einmal jeder vierte Kandidat (23 Prozent) ist eine Frau.


+++ Niedrige Wahlbeteiligung +++
In Sachsen zeichnet sich bis zum frühen Sonntagnachmittag eine niedrige Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis 16 Uhr gaben erst 33,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die Landeswahlleiterin mitteilte. Bei der vorherigen Wahl vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 36,4 Prozent, am Ende lag sie im Jahr 2009 bei lediglich 52,2 Prozent. Der Anteil der Briefwähler dürfte dieses Mal bei etwa 9,1 Prozent liegen. Grund für die zunächst mäßige Wahlbeteiligung könnte das regnerische Wetter sein - und die Tatsache, dass die Wahlen am letzten Ferientag stattfinden.

+++ CDU bleibt wohl stärkste Kraft +++
Wie vor fünf Jahren dürfte die CDU von Ministerpräsident Stanislaw Tillich erneut klar stärkste Kraft werden. In Umfragen lag sie zuletzt bei 40 Prozent. Allerdings wird sich die sächsische Union demnach einen neuen Koalitionspartner suchen müssen. Wenn die FDP wie vorhergesagt mit rund 3 Prozent aus dem Landtag ausscheiden sollte, wäre es das Aus für das letzte schwarz-gelbe Bündnis in Deutschland.

Themen im sächsischen Wahlkampf

BILDUNG

Der drohende Lehrermangel sorgt seit langem für Zoff und ist bereits heute spürbar. Immer wieder fällt Unterricht aus, weil erkrankte Lehrer nicht ersetzt werden können. Im Wahlkampf wurde das Thema aber viel weiter gefasst. Es reichte von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Sanierung maroder Schulen.

GRENZ- UND DROGENKRIMINALITÄT

Da Sachsen mit Polen und Tschechien zwei ausländische Nachbarn hat, steht seit jeher die Grenzkriminalität im Fokus. Diebstähle von Autos und Baummaschinen oder die steigende Zahl von Drogenabhängigen treiben die Einwohner um. Vor allem der Schmuggel von Crystal aus tschechischen Drogenküchen bereitet Sorgen.

ARBEIT

Während früher Arbeitslosigkeit und fehlende Ausbildungsplätze Themen der politischen Auseinandersetzung waren, scheint Sachsen nun auf den Mühen der Ebene angelangt: Wie kann der erreichte Wohlstand bei sinkenden Transferleistungen der EU und aus dem Westen bewahrt werden? Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung in Firmen und an den Hochschulen wird deshalb in allen Parteiprogrammen herausgestellt.


+++ SPD und Grüne statt FDP? +++
Als möglicher neuer Koalitionspartner hat sich die SPD angeboten, die laut letzten Umfragen mit etwa 15 Prozent rechnen kann. Zweitstärkste Kraft dürfte den Demoskopen zufolge mit 20 Prozent die Linke werden. Für die Grünen könnte es hingegen knapp werden, sie lagen zuletzt bei nur noch 5,5 Prozent. Erstmals könnte die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen in ein Landesparlament einziehen. Auch der Wiedereinzug der rechtsextremen NPD ist möglich.

+++ Dulig gibt sich kämpferisch +++
„Ich kämpfe um jeden Prozentpunkt“, zeigte sich SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig noch bei der Stimmabgabe in seinem Heimatort Moritzburg kämpferisch. Die Chefin der Grünen-Landtagsfraktion, Antje Hermenau, wollte sich für eine Einschätzung nicht festlegen.

Spitzenkandidaten Sachsen

STANISLAW TILLICH (CDU)

Er ist smart, mehrsprachig und bodenständig: Die Sachsen mögen den 55-Jährigen, der seit Mai 2008 Ministerpräsident und CDU-Landeschef ist. Bundespolitische Ambitionen hegt der zweifache Familienvater nicht. In die Politik kam er wie viele Ostdeutsche erst nach der Wende. Das CDU-Parteibuch hatte der Sorbe zu diesem Zeitpunkt schon. In den 1990er Jahren saß Tillich als Beobachter und Abgeordneter im EU-Parlament. 1999 kam er als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten nach Sachsen zurück. 2002 folgte das Amt als Chef der Staatskanzlei. Später leitete er die Ressorts Agrar und Umwelt sowie Finanzen.

RICO GEBHARDT (Linke)

Der 51-jährige Landeschef der Linken gilt als Verfechter eines rot-rot-grünen Bündnisses in Sachsen. Nur findet das bei SPD und Grünen kaum Widerhall. In seiner Partei war er lange damit beschäftigt, den Laden zusammenzuhalten. Denn zwischen altgedienten Parteikadern und einer „Jugendbrigade“ gibt es auch in Sachsen Spannungen. Mit seinem ausgleichenden Wesen scheint er der ideale Mann dafür. Gebhardt war bereits in der DDR SED-Mitglied. Seit 2004 sitzt er im Landtag. 2009 übernahm er den Parteivorsitz, 2012 die Fraktion. Der gelernte Koch gilt als bodenständiger Familienmensch. Drei kleine Kinder halten ihn privat auf Trab.

MARTIN DULIG (SPD)

Auch Sachsens oberster Sozialdemokrat ist ein Familienmensch. Das lässt sich schon an der Größe seines Haushalts ablesen: Der 40-Jährige ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Dulig kam als 15-Jähriger zur Sozialdemokratie. Unter dem Eindruck der politischen Wende gründete er die SPD-Jugendorganisation Jusos in Sachsen mit. 2004 zog der Diplompädagoge in den Landtag ein, 2007 übernahm er den Fraktionsvorsitz. Nach der neuerlichen Schlappe bei der Landtagswahl 2009, bei der die SPD mit 10,4 Prozent der Stimmen das vorherige Resultat von 9,8 Prozent (2004) kaum verbessern konnte, übernahm er den Parteivorsitz. Seither gilt er als Hoffnungsträger.

ANTJE HERMENAU und VOLKMAR ZSCHOCKE (Grüne)

Die 50-jährige Hermenau ist als Landtagsfraktionschefin das bekannteste Gesicht der Grünen im Freistaat. Die Sprachlehrerin und Verwaltungswissenschaftlerin saß bereits in Sachsens erstem Landtag. Von 1994 bis 2004, als die Grünen nicht im Landesparlament waren, hatte sie ein Bundestagsmandat. Sie hat sich als Finanzexpertin einen Namen gemacht und liebäugelt immer mal wieder mit Schwarz-Grün. Der 45-jährige Zschocke ist so etwas wie der ruhige Gegenpol zur temperamentvollen Hermenau. Der Chemnitzer war bisher vor allem Kommunalpolitiker aktiv. Seit 2010 ist der Sozialpädagoge einer der grünen Landeschefs.

HOLGER ZASTROW (FDP)

Mit 1,96 Meter Körpergröße ist er eine Art Leuchtturm der Sachsen-FDP. Gut die Hälfte seines Lebens hat der 45-Jährige für sie gearbeitet. Zur Wende baute er den FDP-Nachwuchs mit auf. Nach dem Absturz der Partei bei der Landtagswahl 1999 (1,1 Prozent) übernahm er als 30-Jähriger den Vorsitz der frustrierten Liberalen. 2004 gelang nach zehn Jahren der Wiedereinzug in den Landtag. Zweieinhalb Jahre war Zastrow dann auch Vize der Bundespartei; nach der Wahlschlappe bei der Bundestagswahl 2013 zog er sich aber aus Berlin zurück. Der gelernte Industriekaufmann hat BWL studiert und ist in Dresden Chef einer eigenen Werbeagentur.

FRAUKE PETRY (AfD)

Die 39-jährige Dresdnerin ist nicht nur Landesvorsitzende der euroskeptischen Alternative für Deutschland, sondern auch eine von drei Sprechern der Bundespartei. Durch Auftritte in Talkshows hat sie einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Die promovierte Chemikerin ist seit 2007 als Unternehmerin aktiv. Für die Entwicklung eines ökologischen Kunststoffs wurde sie mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Ende 2013 musste sie für ihre Leipziger Firma aber Insolvenz anmelden. Inzwischen steht sie auch vor einer Privatinsolvenz, wie sie unlängst einräumte. Die vierfache Mutter singt im Kammerchor der Leipziger Thomaskirche.


+++ 3,4 Millionen Stimmberechtigte +++
Bei der Wahl sind 3,4 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, ein neues Landesparlament zu wählen. 2009 lag die Wahlbeteiligung bei 52,2 Prozent. Da diesmal die Wahl auf den letzten Ferientag fällt, wird eine noch geringere Wahlbeteiligung befürchtet. Zudem regnet es heute ziemlich viel.

Sachsen wählen neuen Landtag

Video: Sachsen wählen neuen Landtag

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

+++ AfD auf dem Sprung in den Landtag +++
Die eurokritische AfD hat in Sachsen gute Chancen erstmals in ein Landesparlament einziehen. Deren Spitzenkandidatin und stellvertretende Bundesvorsitzende Frauke Petry gab ihre Stimme in Tautenhain bei Leipzig ab. Umfragen sehen die AfD stets deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde.

Alternative für Deutschland: Warum die AfD in Sachsen so erfolgreich ist

Alternative für Deutschland

Warum die AfD in Sachsen so erfolgreich ist

In Sachsen zeichnet sich ab: Rechts ist die neue Überholspur. Wo die FDP Platz macht, füllt die AfD den entsprechenden Leerraum. Fehlt am Ende trotzdem eine wirtschaftsliberale Partei? Erkundungen im Erzgebirge.

+++ FDP zittert +++
ei seiner Stimmabgabe zur sächsischen Landtagswahl hat der FDP-Landesvorsitzende Holger Zastrow am Sonntag nochmals für seine Partei geworben. „Wir waren die Besten, wir haben gekämpft wie die Löwen“, sagte er in Dresden. Jetzt müsse der Wähler entscheiden, ob er eine Regierung mit oder ohne FDP wolle. Nach jüngsten Umfragen kommt seine Partei nicht wieder ins Landesparlament. Zuletzt wurde sie bei etwa drei Prozent gesehen.

+++ Tillich ist einer der Ersten +++
Bei der Landtagswahl in Sachsen hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zu den ersten Wählern gezählt. Schon 30 Minuten nach Öffnung der Wahllokale gab er mit seiner Ehefrau Veronika in der sorbischen Grundschule in Panschwitz-Kuckau seine Stimme ab. Tillichs CDU liegt laut Umfragen in der Wählergunst weit vorn.

Mieses Wahlwetter: Stanislaw Tillich geht mit Ehefrau Veronika dennoch zu Fuß zum Wahllokal. Reuters

Mieses Wahlwetter: Stanislaw Tillich geht mit Ehefrau Veronika dennoch zu Fuß zum Wahllokal.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

01.09.2014, 09:42 Uhr

Wahlen in Sachsen
------------
Sachsens CDU-Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich sieht bei der Suche nach einem neuen Koalitionspartner zwei Optionen: SPD und Grüne – jedoch nicht die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD).

Hier betreibt die CDU eine Ausschließeritis.
Und so wird es also auf eine Koalition mit der SPD herauslaufen.
Die Grünlinge sind nicht koalitionsfähig.
Und die AfD wird von den "Etablierten" als rechtspopulistisch und rechtsradikal hingestellt. Sie nennen sie in einem Atemzug mit der NPD.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×