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10.09.2014

18:21 Uhr

Interview mit Alexander Gauland

„Die NPD ist zu igittigitt, da bleibt nur noch die AfD“

VonDietmar Neuerer

ExklusivAls Spitzenkandidat will Alexander Gauland die AfD in den brandenburgischen Landtag führen. Im Interview spricht das Ex-CDU-Mitglied über die Russland-Politik, Koalitionsoptionen und Gemeinsamkeiten mit der Linkspartei.

Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für die Landtagswahl in Brandenburg und Vize-Parteichef der Bundes-AfD. Marko Priske für Handelsblatt

Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für die Landtagswahl in Brandenburg und Vize-Parteichef der Bundes-AfD.

BerlinAlexander Gauland ist ein umtriebiger Mann. Lange Zeit gehörte er der CDU an, und er war Staatssekretär in Hessen. Jetzt will der 73-Jährige seine politische Karriere krönen, indem er die AfD in den brandenburgischen Landtag führt. Er wäre dann der älteste Abgeordnete im Potsdamer Landtag. Und Alterspräsident. Die Chancen dafür stehen gut. Gauland weiß das. Entsprechend gelassen gibt er sich beim Interview - und plaudert am Rande des Gesprächs aus dem Nähkästchen. Er erzählt von seiner Leidenschaft für elegante klassische Möbel, von seiner Zeit, als er in England gelebt hat. Heute lebt Gauland in der Berliner Vorstadt in Potsdam in einer großzügigen Altbauwohnung. Nur eine Straße weiter am Heiligen See residieren Günther Jauch und Wolfgang Joop.

Herr Gauland, ist die AfD eine Denkzettel-Partei?

Alexander Gauland: Es ist auch Protest, der zum Ausdruck kommt, wenn die Leute uns wählen. Ich glaube, dass sich an der Euro-Rettung vieles festmacht. Das ist symbolisch für verschiedene Fehlentwicklungen, die die Leute plötzlich nicht mehr mögen. Wir sind zwar die Anti-Eurorettungs-Partei, wir ziehen aber auch Bürger an, für die der Euro gar nicht so sehr im Vordergrund steht.

Zum Beispiel?

Das hat mit einer allgemeinen Unzufriedenheit mit denen da oben zu tun, die sowieso machen, was sie wollen. Das macht sich an der Asylpolitik fest oder an der Familienpolitik. Den Leuten geht die Politik der etablierten Parteien dazu gegen den Strich. Deshalb wählen sie lieber Parteien wie uns, wo sie davon ausgehen können, dass wir ihnen zuhören.

Die Wähler könnten aber auch andere Parteien wählen – die NPD oder die Piraten.

Die NPD ist mit ihrer Nähe zur Nazi-Zeit für viele, die einen Denkzettel austeilen wollen,  unwählbar. Und die Piraten vermitteln Botschaften, mit denen die Menschen überwiegend nichts anfangen können. Netzpolitik interessiert eben nicht jeden. Das reicht nicht, um als Protestpartei profitieren zu können. Und die NPD ist zu igittigitt. Da bleibt nur noch die AfD.

Spitzenkandidaten zur Brandenburger Landtagswahl

Dietmar Woidke (SPD)

Der Regierungschef ist ein gestandener Mann in der Brandenburger Landespolitik. Seit 1994 sitzt der 52-jährige Agraringenieur im Potsdamer Parlament, er war von 2004 bis 2009 Umweltminister unter SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck. Im August 2013 wurde Woidke zum Nachfolger gewählt, nachdem Platzeck aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Woidke gilt als umgänglich, aber in der Sache hart. Allerdings fehlt ihm nach einem Jahr im Amt noch die Popularität des einstigen Landesvaters Platzeck.

Christian Görke (Linke)

Der 52-Jährige erwies sich Anfang des Jahres als Senkrechtstarter der Linken. Der damalige Fraktionsvorsitzende übernahm im Januar das Finanzressort und wurde zum Parteichef gekürt. Er sitzt auch als Vertreter Brandenburgs im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Der Sportlehrer gilt als durchsetzungsstark und kann auch schon mal kräftig gegen den politischen Gegner austeilen. Seine Laufbahn begann Görke 1985 in der DDR-Staatspartei SED, er setzte sie in den Nachfolgeparteien PDS und Linke fort.

Michael Schierack (CDU)

Der 47-Jährige gilt als Newcomer an der Spitze der Landespolitik: Erst seit 2009 sitzt der Orthopäde im Landtag, im Herbst 2012 übernahm er den Parteivorsitz. Der Teamplayer sorgte für Einigkeit in der zuvor zerstrittenen brandenburgischen Union. Dort ist er seit seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden im Februar und dann zum Spitzenkandidaten der starke Mann. Schierack will erklärtermaßen Rot-Rot ablösen, vermeidet aber im Wahlkampf die scharfen Töne.

Andreas Büttner (FDP)

Der 41-jährige Liberale zog 2009 in den Potsdamer Landtag ein, als die FDP nach 15 Jahren wieder die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen hatte. Seit 2010 führt er die Fraktion. Der Polizeibeamte und Bildungsexperte ist ein scharfzüngiger Redner: Dies bekam im Landtag zumeist SPD-Bildungsministerin Martina Münch zu spüren, etwa wegen des hohen Unterrichtsausfalls in den Schulen. Büttner bezeichnet sich als gläubigen Mormonen.

Axel Vogel und Urusla Nonnemacher (Grüne)

Die brandenburgischen Grünen treten traditionell mit einer Doppelspitze zur Landtagswahl an. Der 58-jährige Diplom-Kaufmann Vogel zog 2009 in den Landtag ein und übernahm den Fraktionsvorsitz. Dem aus dem Ruhrgebiet stammenden Gründungsmitglied der Grünen liegt eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen besonders am Herzen. Zu seinen Themen gehört zudem die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und die Dauerbaustelle Hauptstadtflughafen. Die 57-jährige Notärztin Nonnemacher zog ebenfalls 2009 mit den Grünen in den Landtag ein. Neben Innenpolitik waren ihre Themen Gesundheit und Soziales und der demografische Wandel. Ihre Wurzeln sieht sie in der Kommunalpolitik. Nonnemacher fällt im Landtag als eifrige Rednerin mit vielen Anfragen auf.

Alexander Gauland (AfD)

Alexander Gauland war über 40 Jahre lang Mitglied der CDU und leitete von 1987 bis 1991 die hessische Staatskanzlei. Danach wurde er Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Gauland ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und der Partei Alternative für Deutschland, deren stellvertretender Sprecher er ist. Bei der Landtagswahl in Brandenburg 2014 ist Gauland Spitzenkandidat der AfD.

Trotzdem sind viele Politiker in den etablierten Parteien, etwa der CDU-Generalsekretär Tauber oder der Unions-Fraktionschef Kauder, der Ansicht, dass die AfD ein kurzfristiges Phänomen ist, ähnlich wie die Piraten.

Das würde ich auch so sehen, wenn ich Herr Kauder wäre. Was soll er denn sonst auch sagen? Unser Ziel ist, unsere Botschaften so klar wie möglich in die Gesellschaft zu tragen, dass die anderen Parteien Angst haben müssen, immer mehr Vertrauen bei den Wählern einzubüßen. Je stärker wir werden, desto größer der Wille in den anderen Parteien, unsere Positionen zu übernehmen oder wenigstens zu bedenken. In der CDU und in der FDP gibt es ja mit Herrn Bosbach und Herrn Schäffler durchaus Politiker, die kritisch zur Euro-Rettung stehen. Je stärker die werden, umso größer ist unser Erfolg. Das Mitregieren ist da erstmal zweitrangig.

Kommentare (13)

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Herr C. Falk

10.09.2014, 18:55 Uhr

In der Tat, die "Mühen der Ebene" sind nicht zu unterschäzten. Allerdings ist die AfD nicht mit den Piraten vergleichbar, sondern eine Parteigründung aus der Mitte der Gesellschaft mit hohem Akademikeranteil und Menschen die ein realistisches Politikverständnis haben. Schon das ist eine gewisse Gewährleistung dafür, dass sich diese Partei dauerhaft etabliert und nicht wieder wie die Piraten nach kurzer Zeit verschwindet

Die CDU hat mit ihrer Sozialdemokratisierung eine Lücke im
politischen Spektrum aufgetan, die von der AfD geschlossen wird.

Dieser Tatbestand ist so offensichtlich, er kann nicht ignoriert und kleingeredet werden..

Herr Fred Meisenkaiser

10.09.2014, 19:00 Uhr

Frau Wagenknecht ist eher eine intelligente linke Politikerin mit einem hohen sozialen Anspruch.
Sie ist wohl kaum mit der AfD vergleichbar, deren Vorsitzender den Hamburger Appell und die INSM wesentlich gestaltete, und damit die Abkehr von der sozialen Marktwirtschaft forciert!

Drittes Auge

10.09.2014, 19:01 Uhr

"„Die NPD ist zu igittigitt, da bleibt nur noch die AfD“"

Na Herr Neuerer, Parteiauftrag wieder erfüllt, indem, was auch immer die AfD sagt, sie in einen Zusammenhang mit der NPD zu bringen ist? Schade, dass journalistische Standards und eine gesunde Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung Ihnen wenig zu gelten scheinen.

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