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23.06.2014

16:43 Uhr

Interview mit Holger Zastrow

„Ohne Euro-Kritiker hat die FDP keine Zukunft“

VonDietmar Neuerer

ExklusivEnde August könnte die FDP in Sachsen ihre letzte Regierungsbeteiligung verlieren. Im Interview sagt Landeschef Zastrow, wie er das verhindern will. Für den Wiederaufstieg der Bundespartei hat er auch Ratschläge parat.

Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow: „Ich brauche keinen Plan B.“ dpa

Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow: „Ich brauche keinen Plan B.“

Auf Holger Zastrow wartet keine leichte Aufgabe. Er muss die letzte Regierungsbastion der Liberalen verteidigen. In Sachsen wird am 31. August ein neuer Landtag gewählt. Die Umfragen sehen die FDP von Landeschef Zastrow bisher klar draußen. Für die Liberalen wäre das nach dem historischen Debakel bei der Bundestagswahl und dem heftigen Einbruch bei der Europawahl der dritte Nackenschlag. Zastrow sieht die Lage gelassen. Er weiß, die FDP hat in der Vergangenheit viele Fehler gemacht hat und ein Wiederaufstieg Zeit braucht. Im Interview betont er, dass es für ihn bei der Landtagswahl nicht um seine persönliche Existenz geht. Er brauche keinen Plan B, weil er nie Berufspolitiker gewesen sei. Fliegt seine Partei in zwei Monaten aus dem Landesparlament geht es für ihn in seinem eigenen Unternehmen weiter.

Herr Zastrow, bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren erzielte die FDP 10 Prozent. In Umfragen liegen sich jetzt zwischen 2 und 4 Prozent. Wie erklären Sie sich diesen Absturz?

Wir haben uns in Berlin angesteckt. Bis zur Bundestagswahl lagen wir solide über 5 Prozent. Danach ging es nach unten. Das war zu erwarten. Das ist nun mal unser Schicksal.

Die Bundestagswahl liegt aber jetzt schon einige Zeit zurück.

Der Schaden, der nach dem historischen Wahldebakel eingetreten ist, ist aber auch immens groß. Und die Partei hat dann natürlich Zeit für den Umbau gebraucht. Der ist auch noch nicht abgeschlossen. Der Wiederaufstieg geht nicht von heute auf morgen. Das dauert. Die Marke FDP ist durch die Regierungspolitik in Berlin und die verlorene Wahl nachhaltig schwer beschädigt worden. Das dominiert derzeit die Sicht auf die FDP. Das haben wir auch bei der Kommunalwahl bemerkt, auch wenn wir in Sachsen als einziger Landesverband über fünf Prozent geholt haben.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Im Januar haben Sie noch als Wahlziel ausgegeben, die 10 Prozent verteidigen zu wollen und sagten, das sei „schaffbar“. Sind Sie immer noch dieser Ansicht?

Wir haben eine sehr bewegliche Wählerschaft. Mein Eindruck ist, dass es für uns jetzt wieder nach oben geht. Selbst der Ministerpräsident hat kürzlich gesagt, dass er die FDP nicht abgeschrieben hat und uns das größte Mobilisierungspotenzial bescheinigt. Und die FDP in Sachsen ist bekannt für ihre leidenschaftlichen Wahlkämpfe. Deshalb versuchen wir, das was im Bund war, weitgehend auszublenden und werden einen rein sächsischen Wahlkampf machen. Ob es am Ende 10 oder 8 Prozent für uns werden, ist für mich auch nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass wir unsere Regierungsbeteiligung, die letzte schwarz-gelbe Regierung Deutschlands verteidigen.

Die Alternative für Deutschland liegt aktuell bei 7 Prozent. Ist die AfD die neue FDP?

Die AfD ist ein Mitbewerber wie alle anderen. Die CDU hat am rechten Rand Platz gelassen. Deshalb konnte sich die AfD positionieren. Wir sind eine Partei, die in der Mitte steht. Wir stehen für Lebensoptimismus, Offenheit und Fortschritt. Die AfD ist eine Partei mit vielen Leuten, die sich darin gefallen, nach hinten zu schauen und ihr Mütchen zu kühlen. Eine Partei, die Deutschland und Europa schlechtredet. Außerdem hat die AfD bisher keinerlei Anzeichen einer landespolitischen Kompetenz gezeigt.

Kommentare (15)

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23.06.2014, 17:00 Uhr

Solange sich die gesamte FDP nicht von diesem sozialistischem Euro-Experiment verabschiedet - Gruß an den Anti-Ökonomen Genscher und den anderen furchtbaren Juristen - solange wird die FDP sich immer weiter selbst vernichten. Schön ist immerhin, dass dann Platz für eine wirklich liberale Partei entsteht!

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23.06.2014, 17:11 Uhr

AfD und FDP einfachfusionieren zur (AFDPfD)Alternativ-Freiheitlich-Demokraktischen Partei für Deutschland, dann haben wir alles, was wir brauchen.

Account gelöscht!

23.06.2014, 17:13 Uhr

Die FDP hat sich über die EU selbst zerstört. Ihr Inhalt wie Freiheit und Demokratie ist tot, man hat sich dem Allparteienmurks zum Euro und zur EU gnadenlos hingegeben. Das war mehr als falsch. Die FDP ist unbrauchbar und wird durch neue Alternativen ersetzt. Ähnlich könnte es der Union auch ergehen, wenn sie nicht zur Vernunft und den deutschen Bürgerinteressen zurückkehrt. Es hat leider den Anschein, dass in Brüssel weiter getrickst wird und Pöstchenschieberei im Vordergrund steht, ein bürgernahes und mitbestimmendes Programm für einen neuen EU-Start ist Fehlanzeige. Es wird die AfD und andere Kräfte weiter fördern. Merkel und Schäuble übersehen es nicht mehr.

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