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23.06.2014

16:54 Uhr

Nach Äußerungen über Behinderte

TU Dresden droht AfD-Politiker mit Konsequenzen

VonDietmar Neuerer

Seine abfälligen Äußerungen über Behinderte könnten für den Vize der Sachsen-AfD berufliche Konsequenzen haben. Der Arbeitgeber von Thomas Hartung hat von ihm bereits eine Stellungnahme gefordert.

Thomas Hartung: Wegen Behinderten-feindlicher Aussagen unter Beschuss.

Thomas Hartung: Wegen Behinderten-feindlicher Aussagen unter Beschuss.

BerlinDer stellvertretende Vorsitzende des sächsischen Landesverbands der Alternative für Deutschland (AfD), Thomas Hartung, gerät wegen seiner Äußerungen über Behinderte mit Down-Syndrom (Trisomie 21) unter Druck. Nach dem die Parteispitze ihn bereits aufgefordert hatte, die Debatte darüber zu beenden, ob ein Menschen mit Dow-Syndrom Lehrer werden kann, hat sich nun Hartungs Arbeitgeber, die Technische Universität Dresden, eingeschaltet.

„Die TU Dresden distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalt und Form der Äußerungen seitens Herrn Dr. Thomas Hartung. Sie stehen in krassem Gegensatz zu den Werten, für die die Universität eintritt und nach denen sie handelt“, heißt es in einer Mitteilung des Rektors der Uni, Hans Müller-Steinhagen. „Herr Dr. Hartung wurde bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert, eine Prüfung der Konsequenzen ist eingeleitet.“

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Hartung ist Diplompädagoge. Neben seiner politischen Tätigkeit arbeitet er seit 2002 als Freier Dozent für Journalismus und Medienproduktion an der TU Dresden und, wie es in seinem Uni-Profil heißt, einem Dutzend weiterer Hochschulen, darunter in Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Hartung hatte in ungewöhnlich hartem Ton einem Behinderten mit Down-Syndrom die Befähigung abgesprochen, als Lehrer zu unterrichten. Er nahm dabei Bezug auf den Spanier Pablo Pineda. Dieser hat das Down-Syndrom, schaffte dennoch seinen Hochschulabschluss ist Schauspieler und seit 2009 Lehrer.

Hartung kandidiert für die AfD auf Listenplatz 2 für die Landtagswahl in Sachsen am 31. August. Nach einer vor kurzem veröffentlichten Forsa-Umfrage könnte die Partei ein Ergebnis von 8 Prozent einfahren. Hartung wäre damit mit der AfD sicher im nächsten Landtag vertreten.

Kommentare (12)

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23.06.2014, 17:04 Uhr

Oh nein, ein Kartenhaus bricht zusammen.

Die AfD eine Partei der Lehrer und Journalisten.

Account gelöscht!

23.06.2014, 17:07 Uhr

Wie kann man als Dipl.-Pädagoge so was ernsthaft von sich geben in der Öffentlichkeit?? Und dann nochmal nachtreten trotz mehrfacher Ermahnung von Frau Petry?! Der Mann hat in der Position eines Landesvize nichts verloren, das ist absolut unerträglich -> Rücktritt/Parteiausschluss, Ende. Da muss man jetzt eine klare Linie fahren. So ein Verhalten ist geeignet, die langjährige Arbeit der aufrechten AFD-ler wie Lucke, Petry, Starbatty, Henkel und all der anderen innerhalb kürzester Zeit zu zerlegen. Ich wünsche der AFD trotzdem ein gutes Ergebnis bei der Sachsen-Wahl - aber bitte/danke ohne Herrn Hartung.

Account gelöscht!

23.06.2014, 17:08 Uhr

Das ist ja Spitzenklasse, der Typ ist Diplompädagoge und gibt solchen Müll von sich? So jemand soll Werte vermitteln? OK, muss man erst mal "Werte" definieren. Toleranz gehört aber offensichtlich schon mal nicht dazu.

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