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23.06.2014

13:32 Uhr

Parteispitze interveniert

AfD-Politiker warnt vor Behinderten-Quote bei Lehrern

VonDietmar Neuerer

Ein Landtagskandidat der Sachsen-AfD sorgt mit einer bizarren Debatte für Aufsehen. Er wettert gegen Menschen mit Down-Syndrom, die Lehrer werden wollen. Die Parteispitze pfeift ihn zurück – aber vergeblich.

Ein Transparent der Partei Alternative für Deutschland (AfD): In Sachsen hat die Partei eine bizarre Debatte begonnen. dpa

Ein Transparent der Partei Alternative für Deutschland (AfD): In Sachsen hat die Partei eine bizarre Debatte begonnen.

Sachsens AfD-Vize und Landtags-Kandidat Thomas Hartung hat in ungewöhnlich hartem Ton einem Behinderten mit Down-Syndrom die Befähigung abgesprochen, als Lehrer zu unterrichten. Er nahm dabei Bezug auf den Spanier Pablo Pineda. Dieser hat das Down-Syndrom (Trisomie 21), schaffte dennoch seinen Hochschulabschluss ist Schauspieler und seit 2009 Lehrer.

Hartung äußerte sich mehrfach via Facebook und löste damit teilweise heftige Reaktionen aus.  Erst als die Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen und Co-Vorsitzende der Bundes-AfD, Frauke Petry, sich einschaltete, reagierte Hartung und löschte seinen Beitrag inklusive der Diskussion. Widerwillig offenbar. Denn das Thema ist damit nicht vom Tisch.

Trotzig befeuert Hartung die Diskussion nun erneut, indem er auf seiner Facebook-Seite zunächst den Grund für die Löschung seiner umstrittenen Aussagen mitteilt: „Da ich gerade keine Lust und Zeit mehr habe, die vielen falsch verstandenen und beleidigenden Kommentare meines Trisomie-21-Posts zu moderieren, ist er hiermit entfernt. Danke“, schreibt Hartung. Als aufgeregte User ihn dann abermals hart angehen („menschenverachtende Äußerung“, „respektlos in der Art“, „völlig daneben gelegen“), bekräftigt Hartung seine Haltung.

„Wir treten dafür ein, dass die Inklusion dem Menschen dienen muss, nicht der Mensch der Inklusion“, unterstreicht Hartung. Unter Inklusion versteht man, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten geben werden sollen, an hochwertiger Bildung teilzuhaben. Hartung hinzu: „Ich poste auch gern nochmal mein Credo dazu: Ich stelle fest: ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte. Dafür muss ich mich im Deutschland des Jahres 2014 rechtfertigen.“

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Natürlich bleibe er dabei, so Hartung weiter, „dass von den max. 80.000 Trisomie-21-Menschen, die in Deutschland leben, keiner geeignet ist, jenen hochschulischen Lehrberuf zu ergreifen, der zur Beschulung von Millionen anderen Menschen berechtigt. Aber wenn diese Zusammenhänge 98 % der Mitleser nicht verstehen, kann das durchaus daran liegen, dass diese 98 % nicht imstande sind, mir zu folgen. Aber muss das nun mir und dem Zustand meines Gehirns zu denken geben? Ich glaube nicht. Das „falsch liegen“ hat mit „Nichtverstehen“ nicht primär zu tun“.

Dabei lässt es Hartung aber nicht bewenden. Später legt er noch nach und warnt davor, dass „Bildungsverschlimmbesserer eine Down-Syndrom-Quote unter der deutschen Lehrerschaft einfordern“ könnten.

Kommentare (44)

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23.06.2014, 13:50 Uhr

Bei euch in Deutschland ist Homosexualität derzeit ja auch die neue Hetereosexualität.

Und jeder Einwanderer ins Sozialsystem ein Kulturbereicherer.

Alles Dinge, die man natürlich nicht offen sagen und schreiben darf.

Euch ist auch stets die Meinung der anderen wichtiger, als die eigene. Vielleicht, weil ihr gar keine eigene Meinung mehr habt oder haben dürft.

Viel zuviel Wert auf die Meinung anderer zu legen ist ein allgemein herrschender Irrwahn.

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23.06.2014, 13:52 Uhr

Schon auffällig, wie jeder warme Furz aus den unteren Regionen der AfD-Provinzvereine herausgestellt wird, um die Partei als Ganzes zu diskreditieren.

Ich kenne 100.000 peinliche Fälle von durchgeknallten Partei-Provinztypen, ob inzucht-verblödete Bauern in der CDU/CSU, zugekiffte Gewerkschafter bei den Jung-Sozialisten, Kinderschändern, Hausbesetzer und Parkuhr-Demolierer bei den Grünen usw. usw. usw., über die nie berichtet wurde und wird... Aber die AfD...

Schon komisch, lol...

Account gelöscht!

23.06.2014, 13:57 Uhr

Erst die Hetze gegen Auslaender, jetzt gegen Behinderte... Die EU-Wahlen sind vorbei, die AfD sieht offensichtlich keinen Grund mehr, ihre wahre Gesinnung zu verbergen - ganz im Gegenteil, das "Fischen am rechten Rand" soll wohl besonders bei der Landtagswahl in Sachsen Stimmen bringen. Dafuer stellt sich die AfD jetzt wohl rechts neben der NPD auf. Petry laesst ihren Vize von der Leine und haelt sich vornehm bedeckt - falls das Manoever scheitert, war sie unbeteiligt, schuldig ihr Vize...

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