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28.07.2014

15:29 Uhr

Strategie-Debatte

Wie die AfD die FDP verfrühstückt

VonDietmar Neuerer

ExklusivFür die FDP sieht es nicht gut aus bei den anstehenden Landtagswahlen. Die AfD macht ihr Wähler abspenstig. Schon wird nach einem Comeback liberaler Eurokritiker gerufen. Doch die Parteispitze stellt sich quer.

Ein leeres Rednerpult mit dem Logo der FDP: Wie kommen die Liberalen aus der Krise? dapd

Ein leeres Rednerpult mit dem Logo der FDP: Wie kommen die Liberalen aus der Krise?

BerlinFührende FDP-Politiker lehnen es ab, wegen schlechter Umfragewerte das eurokritische Profil der Partei zu schärfen. Sie wandten sich damit gegen die Forderung des Vorsitzenden der sächsischen FDP, Holger Zastrow, der erklärt hatte, seine Partei könne nur dann überleben und der Alternative für Deutschland (AfD) Paroli bieten, wenn sie parteiinterne Euro-Kritiker wie Frank Schäffler stärker einbindet.

Der FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki sagte dazu Handelsblatt Online: „Wenn wir uns die Wahlen auf den letzten FDP-Bundesparteitagen anschauen, dann wird deutlich, dass Schäfflers Position innerhalb der Partei nur wenige Anhänger findet.“ Schäffler sei zudem „weder ausgegrenzt worden, noch wird er es heute“, fügte der Chef der FDP in Schleswig-Holstein hinzu. „Ich selbst hatte ihm angeboten, ihn für den Bundesvorstand als Beisitzer vorzuschlagen. Leider fand er sich zu einer Kandidatur nicht bereit.“ Im Übrigen sehe er eine wie auch immer geartete Konkurrenz zur AfD nicht, fügte Kubicki hinzu. „Die AfD spricht in erster Linie enttäuschte Unions-Wähler an, die mit dem profillosen Kurs Angela Merkels unzufrieden sind.“

Der tiefe Fall der FDP

Ende einer Ära

Die Liberalen sind bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen. Als Regierungspartei ereilte dieses Schicksal bisher nur die damalige Kriegsgeschädigten- und Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) 1957 in der jungen Bundesrepublik.

Die Königsmacher

Seit 1949 saß die FDP ununterbrochen im Parlament. Mehr als vier Jahrzehnte war sie an Bundesregierungen beteiligt und bei Kanzlerwechseln mehrfach das Zünglein an der Waage.

Hohe Stimmenverluste

Den in früheren Jahren größten Stimmenverlust mussten die Liberalen 1994 hinnehmen. Damals rutschten sie von 11,0 auf 6,9 Prozent - ein Verlust von 4,1 Punkten. Nach ihrer „Wende“ von der SPD zur Union war die Partei aber schon 1983 auf 7,0 Prozent abgerutscht (minus 3,7).

Der Tiefpunkt

Schon 1969 hatte der FDP fast das Totenglöcklein geläutet. Mit ihrem schlechten Ergebnis von 5,8 Prozent (minus 3,7) überwand sie nur knapp die Sperrklausel, konnte aber mit der SPD eine sozial-liberale Bundesregierung bilden. Das Bündnis hielt 13 Jahre lang bis 1982.

Letzte Bastion Baden-Württemberg

Mehr als 50 Mal wurde die FDP aus Landtagen gekippt - zuletzt in Bayern. Nur in Baden-Württemberg ist sie noch nie gescheitert.

Überdies gelte auch für die FDP, dass eine Partei, in der nicht um die besseren Lösungen gerungen wird, irgendwann entbehrlich werde, sagte Kubicki weiter. „Die FDP hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass in ihr unterschiedliche politische Positionen vertreten wurden.“ Er teile Schäfflers Euro-Kritik „in vielen Bereichen“ nicht, fügte Kubicki hinzu. „Ich würde aber nie auf die Idee kommen, Frank Schäffler abzusprechen, dass er die FDP voranbringen will.“

Der Chef der Jungen Liberalen, Konstantin Kuhle, warnte seine Partei davor, die Eurokritiker in den eigenen Reihen zu stärken, um die AfD zu schwächen. „Sowohl inhaltlich als auch wahltaktisch gilt: Der AfD hinterher zu laufen bringt gar nichts“, sagte Kuhle Handelsblatt Online. „Schließlich zeigen alle Erfahrungen, dass sich die Wähler im Zweifel für das Original entscheiden.“

Kommentare (16)

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G. Nampf

28.07.2014, 15:40 Uhr

"Sachsens FDP-Chef Zastrow hatte dagegen in einem Interview mit Handelsblatt Online gefordert, innerhalb der Partei auch eine eurokritische Haltung zu integrieren."

Nein, das geht schief, so wie bei der CSU bei der Europawahl. Man kann nicht gleichzeitig für und gegen etwas sein.

G. Nampf

28.07.2014, 15:47 Uhr

"„Ob es am Ende 10 oder 8 Prozent für uns werden,..."

Wahrscheinlich meit er, für alle drei Landtaswahlen zusammen.

Die FDP, wie sie jetzt ist, braucht niemand, insbesondere die anderen Parteien. Denn die brauchen, da sie mittlerweile ohnehin ein nahezu identisches Profil haben, keinen Mehrheitsbeschaffer (etwas anderes ist die FDP mangels Progranmm nicht mehr).

Herr C. Falk

28.07.2014, 15:51 Uhr

Diejenigen FDP-Wähler, die wegen eines Frank Schäfflers in der Vergangenheit FDP gewählt haben, sind inzwischen längst bei der AFD.Schäffler ist innerhalb der FDP weitgehend isoliert und bedeutungslos geworden, so bedeutungslos wie die FDP insgesamt. Leider hat Schäffler seinen Absprung zu den Alternativen verpasst.

Wer zu spät (oder überhaupt nicht) kommt, den straft bekanntlich das Leben.

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