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25.07.2014

13:27 Uhr

Wahlkampf-Endphase

Sachsen-FDP bleibt auf Distanz zur Bundespartei

VonDietmar Neuerer

Ende oder Wende? Für die FDP steht bei den anstehenden Landtagswahlen viel auf dem Spiel. In Sachsen geht es um ihre letzte Regierungsbastion. Landeschef Zastrow setzt auf Sieg – allerdings ohne Hilfe der Bundespartei.

Verzichtet auf Wahlkampfhilfe der Bundespartei: Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow. dpa

Verzichtet auf Wahlkampfhilfe der Bundespartei: Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow.

BerlinSachsens FDP-Chef Holger Zastrow setzt auch in der Endphase des Landtagswahlkampfs auf einer starke Abgrenzung zur Bundespartei. Gemeinsame Auftritte mit Parteichef Christian Lindner oder anderen prominenten Vertretern sind nicht geplant. „Auch wenn wir an der Bundesspitze profilierte Köpfe haben – Christian Lindner oder Wolfgang Kubicki stehen in Sachsen nicht zur Wahl. Wir wollen mit unserer sächsischen Leistungsbilanz, unserem sächsischen Programm und unseren sächsischen Kandidaten punkten“, sagte Zastrow Handelsblatt Online. Berlin habe dafür „vollstes Verständnis“, fügte Zastrow hinzu.  Auch Lindner und Kubicki hätten ja mit einem eigenständigen Kurs ihre jüngsten Landtagswahlen gewonnen.

Die Landtagswahl findet in Sachsen am 31. August statt. Am Montag starten die Liberalen in die heiße Wahlkampfphase. Mit dem „Team Zastrow“ geht die FDP fünf Wochen lang auf große Sommertour mit über 70 Stationen in Sachsen. Das seien so viele Termine wie noch nie bei einem Wahlkampf der Partei in dem Bundesland.

Der tiefe Fall der FDP

Ende einer Ära

Die Liberalen sind bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen. Als Regierungspartei ereilte dieses Schicksal bisher nur die damalige Kriegsgeschädigten- und Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) 1957 in der jungen Bundesrepublik.

Die Königsmacher

Seit 1949 saß die FDP ununterbrochen im Parlament. Mehr als vier Jahrzehnte war sie an Bundesregierungen beteiligt und bei Kanzlerwechseln mehrfach das Zünglein an der Waage.

Hohe Stimmenverluste

Den in früheren Jahren größten Stimmenverlust mussten die Liberalen 1994 hinnehmen. Damals rutschten sie von 11,0 auf 6,9 Prozent - ein Verlust von 4,1 Punkten. Nach ihrer „Wende“ von der SPD zur Union war die Partei aber schon 1983 auf 7,0 Prozent abgerutscht (minus 3,7).

Der Tiefpunkt

Schon 1969 hatte der FDP fast das Totenglöcklein geläutet. Mit ihrem schlechten Ergebnis von 5,8 Prozent (minus 3,7) überwand sie nur knapp die Sperrklausel, konnte aber mit der SPD eine sozial-liberale Bundesregierung bilden. Das Bündnis hielt 13 Jahre lang bis 1982.

Letzte Bastion Baden-Württemberg

Mehr als 50 Mal wurde die FDP aus Landtagen gekippt - zuletzt in Bayern. Nur in Baden-Württemberg ist sie noch nie gescheitert.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die FDP hat in Sachsen ihre letzte Regierungsbastion auf Landesebene. Allerdings müssen die Liberalen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen: In einer Anfang Juli veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des MDR kommt die Partei nur auf vier Prozent. Die CDU müsste sich bei einem solchen Wahlergebnis einen neuen Koalitionspartner suchen.

Die Christdemokraten liegen mit 42 Prozent klar vorn. Die Linkspartei erreicht in der Umfrage 21 Prozent, die SPD 13 Prozent. Die Grünen und die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) könnten mit jeweils sieben Prozent der Stimmen rechnen. Die rechtsextreme NPD käme nur auf drei Prozent und wäre damit nicht im Landtag.

Bei der Frage nach der gewünschten Koalition befürwortet eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten ein Bündnis aus CDU und SPD. Rund ein Drittel hält eine Koalition von Linken, SPD und Grünen für attraktiv. Eine ähnliche Zustimmung gibt es für ein schwarz-grünes Bündnis. Für die Erhebung wurden insgesamt 1000 Wahlberechtigte befragt.

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