Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.06.2014

11:57 Uhr

Wegen behindertenfeindlicher Äußerung

Sachsen-AfD zieht Spitzenpolitiker aus dem Verkehr

VonDietmar Neuerer

Der Vize der Sachsen-AfD hatte mit behindertenfeindlichen Äußerungen Kritik ausgelöst. Ein Rüffel der Parteispitze konnte den Landtagskandidaten zunächst nicht stoppen. Am Ende hielt er dem Druck nicht stand.

Thomas Hartung: Wegen Behinderten-feindlicher Aussagen unter Beschuss.

Thomas Hartung: Wegen Behinderten-feindlicher Aussagen unter Beschuss.

BerlinDer Vize-Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen und Kandidat für die Landtagswahl am 31. August, Thomas Hartung, ist von seinem Parteiamt und seiner Landtagskandidatur zurückgetreten. Er zieht damit die Konsequenz aus behindertenfeindlichen Äußerungen, die er trotz deutlichem Rüffel der Parteispitze auf seiner Facebook-Seite wiederholte. Hartung hatte in ungewöhnlich hartem Ton einem Behinderten mit Down-Syndrom die Befähigung abgesprochen, als Lehrer zu unterrichten. Inzwischen sind alle Beiträge Hartungs auf seiner Facebook-Seite gelöscht.

Wegen  des Vorgangs war der Landesvorstand der AfD am Dienstagabend zu einer außerordentlichen Vorstandssitzung zusammengekommen, um über Konsequenzen zu beraten. Die „persönliche Aussprache“ sei „dringend notwendig“ gewesen, sagte die Landesvorsitzende Frauke Petry. „Wir haben als bisher erfolgreichster AfD-Landesverband eine besonders hohe Verantwortung gegenüber dem Wähler und müssen dieser auch auf der Führungsebene gerecht werden“, fügte die Co-Chefin der Bundes-AfD hinzu. „Es ist daher konsequent und spricht für Thomas Hartungs persönliche Integrität, dass er im Einvernehmen mit dem Landesvorstand am gestrigen Abend seine Funktionen als Pressesprecher und Stellvertreter niedergelegt hat“, so Petry.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Des Weiteren werde er seine Kandidatur auf Platz 2 der Liste zur Landtagswahl zurückziehen, um der AfD Sachsen einen von seinen Äußerungen „unbelasteten Wahlkampf“ zu ermöglichen, sagte Petry weiter. Persönlich bedauere sie Hartungs Rückzug sehr, weil sie mit ihm seit Gründung des Landesverbands „stets konstruktiv und mit hohem Einsatz“ für den politischen Erfolg der AfD zusammengearbeitet habe. Die offene Diskussionskultur in der AfD sei die Voraussetzung für das Erarbeiten neuer Lösungen und sei daher unverzichtbar. „Sie hat aber ihre Grenzen, wo die Würde anderer Menschen berührt wird“, betonte Petry.

Hartung hatte mit Blick auf den Spanier Pablo Pineda, der das Down-Syndrom hat, aber dennoch seinen Hochschulabschluss schaffte und seit 2009 Lehrer ist, erklärt: „Ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte.“

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.06.2014, 12:28 Uhr

Selbstverständlich können Behinderte genauso wie Nichtbehinderte die Befähigung zum Lehramt erarbeiten.

Ob Menschen mit Down-Syndrom diese Befähigung erreichen können, ist eine sehr spezielle Frage, in Spanien ist es einem Menschen gelungen. Dieser Behinderte dürfte eine Ausnahme bleiben.

Ein Debatte über einen solchen Fall ist schlicht und einfach nicht nur überflüssig sondern auch instinktlos, das hat auch Herr Hartung inzwischen erkennen müssen und mit seinem Rücktritt von seinen politischen Ämtern die Konsequenzen gezogen, die angemessen und unausweichlich geworden sind.

Ein Ratschlag an alle "Pädagogen" und "Lehrer" und "Pfarrer" ist, nicht so viel unnötiges Zeug zu reden und auch noch schriftlich zu fixieren, sondern sich darin zu üben,auch einmal den Mund zu halten, damit "dem Gehäge der Zähne" weniger Blödsinn entfleucht. lol

Account gelöscht!

25.06.2014, 12:35 Uhr

Diesen "Ratschlag" hätte der Herr Hartung mal als allererstes befolgen sollen.

Account gelöscht!

25.06.2014, 13:02 Uhr

Die AfD bleibt sich und ihren Ansagen weiterhin treu ... Null Toleranz für Querschläger ...
Das ist auch insb. deshalb löblich, weil andere Parteien bei Verfehlungen ihrer Funktionäre häufig beide Augen zudrücken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×