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19.09.2016

13:48 Uhr

Gastbeitrag zur Berlin-Wahl

Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD

VonAlexander Kritikos

Viele erklären den AfD-Aufstieg als Reaktion auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Für den DIW-Ökonomen Kritikos greift das zu kurz. Er nennt andere Gründe für den Erfolg der Partei. Ein Gastbeitrag.

Der Ökonom Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW Berlin) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam. DIW

Alexander Kritikos

Der Ökonom Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW Berlin) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam.

BerlinDie AfD fährt im Jahr 2016 einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Sachsen-Anhalt 24 Prozent, Baden-Württemberg 15 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 21 Prozent. Und jetzt Berlin 14 Prozent (auch hier im Ostteil 5 Prozent höher als im Westteil). Vor der Flüchtlingskrise in den Jahren 2014 und 2015 lag die AfD im Westen noch bei rund 5 Prozent, im Osten bei rund 10 Prozent. Das ließe den Schluss zu: Mit dem Schüren von Ängsten vor Flüchtlingen konnte diese Partei einen Wähleranstieg von bis zu 10 Prozentpunkten erzielen.

Da ist es kein Wunder, dass Politiker aller Couleur ein Eindämmen der Flüchtlingszuwanderung fordern, im festen Glauben, damit ginge auch die Zustimmung zur AfD zurück. Doch so leicht werden sich die Wähler von der AfD nicht wieder abwenden – es sind nicht nur Protestwähler.

Eine jüngst erschienene DIW-Studie macht deutlich, dass sich nicht nur Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung für die AfD entscheiden, Männer häufiger als Frauen; nicht nur Arbeitslose und Arbeiter, sondern auch Menschen, die Angst haben um ihre zukünftige finanzielle Situation.

Vermutlich sind das vor allem Menschen, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen, die entweder einen Jobverlust fürchten, etwa wenn sie täglich mit Schlagworten wie „Industrie 4.0“ konfrontiert werden, oder bereits arbeitslos sind. Es sind Menschen, die das subjektive Gefühl haben, dass die Einkommensungleichheit zu ihren Ungunsten immer weiter steigt. Es sind wohl auch Menschen, die in Zeiten der Globalisierung für sich keine Entwicklungsperspektive mehr sehen.

Der ungehinderte Zuzug von Flüchtlingen hat die zuvor bei vielen nur diffus wahrgenommenen Ängste kanalisiert und eine Adresse gegeben. Flüchtlinge könnten die Jobs wegnehmen und die ohnehin schon niedrigen Löhne weiter drücken.

Diesen Menschen wird man ihre Sorgen und Ängste nicht durch Obergrenzen in der Zuwanderung nehmen, auch nicht durch Studien, die das Gefühl der steigenden Einkommensungleichheit zu widerlegen versuchen, noch nicht einmal durch die Einführung des Mindestlohns. Denn auch der setzt voraus, dass man einen Job hat.

Eigentlich ist Deutschland ein Profiteur der Globalisierung der Märkte, nicht umsonst ist das Land Exportweltmeister. Es ermöglicht vielen einen hohen Lebensstandard, auch dank der Arbeitsmarktreformen vor bald 15 Jahren und der gestiegenen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Und es wird auch in Zukunft wichtig bleiben, dass die Wirtschaftspolitik das Land in die Lage versetzt, eine solch wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur weiter zu entwickeln.

Kommentare (22)

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Herr Herbert Maier

19.09.2016, 14:26 Uhr

Aha, jetzt sind es also die Globalisierungsgegner/verlierer, die die AfD gewählt haben? Was für ein Unfug! Das ist einmal wieder so ein Versuch, von der glasklaren Tatsache - die politisch nicht gewollt ist und die man verwässern will - abzulenken: sehr viele der Deutschen sehen Deutschland weder in der Lage noch bereit, so überaus viele Fremde (Flüchtlinge sind viele davon ja gar nicht) aufzunehmen, und dazu noch unkontrolliert einfach einreisen lassen. Und dazu brauchen die Menschen keine Parteien als Angstmacher, dazu genügt die tägliche Zeitungslektüre.

Herr Hans Mayer

19.09.2016, 14:31 Uhr

Entzaubert werden ja gerade seit diesem Jahr bei allen wichtigen Wahlen die Altparteien, alle verlieren, oder sehe ich das auch falsch.
Das Elitenprojekt der Umsiedlung von Millionen, als Flüchtlingen getarnten Wirtschaftsreisenden ist am Ende, da es die Bürger nicht mittragen werden.
Die AfD zu entzaubern ist auch wieder so ein lächerlicher Versuch, sich aus der Realität zu stehlen, auch das wird scheitern, weil es nichts zu entzaubern gibt.
Ein Teil der Bevölkerung möchte keine Märchenstunden mehr hören und hat eben von den Volksversagern die Schnautze voll.

Herr Vinci Queri

19.09.2016, 14:35 Uhr

>> Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD >>

Es sollen KEINE Punktepläne zur Entzauberung der AfD ( die AfD regiert doch erst gar nicht ) , sondern Punktepläne für eine Realpolitik durch die SED-Schmarotzer ( Sozialistischer Einheitsbrei Deutschlands ) erstellt werden !

Was für bescheuerte Blender hier alles als Experten ihren Unsinn verzapfen.....??!!!!

Unfassbar !

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