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15.05.2017

14:35 Uhr

NRW-Wahl

Merkels Nähe ist nicht mehr Fluch, sondern Segen

VonKathrin Witsch

Eigentlich hatten alle mit einem erneuten Sieg von NRW-„Landesmutti“ Hannelore Kraft gerechnet. Wenn man genauer hinsieht, hat die SPD zwar verloren, aber Armin Laschet ist deswegen nicht der Gewinner dieser Wahl.

Als Angela Merkel die Landesbühne betrat, war Laschets Nähe zur Kanzlerin plötzlich nicht mehr sein Fluch, sondern sein Segen. AFP; Files; Francois Guillot

Der Merkel-Effekt

Als Angela Merkel die Landesbühne betrat, war Laschets Nähe zur Kanzlerin plötzlich nicht mehr sein Fluch, sondern sein Segen.

DüsseldorfEin bisschen sieht es so aus, als könnte Armin Laschet (CDU) es selbst noch kaum glauben, dass er der neue Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens wird. Und wer den Wahlkampf in NRW in den letzten Wochen verfolgt hat, der schaut ebenfalls ungläubig auf das Ergebnis. Der klein geratene unauffällige Aachener hat es geschafft, die Sozialdemokraten in deren Herzkammer zu schlagen. Dabei ist die Niederlage der SPD kein Sieg für Laschet. Die eigentliche Gewinnerin heißt Angela Merkel.

Als die Kanzlerin mit festem Schritt die Briloner Schützenhalle Richtung Bühne betritt, geht ein Lächeln über die Gesichter. „Die ist ja ganz schön klein“, raunt einer. Die kleine Frau im grünen Blazer setzt sich zu Armin Laschet und lächelt ihm zu. Sie ist in das tiefste Sauerland gekommen, um ihren Stellvertreter im Wahlkampf zu helfen. Acht Auftritte hat sie in den vergangenen Wochen absolviert. Von Waldbröl, Bonn und Haltern bis nach Brilon. Mehr als 2000 Menschen haben sich in der blau-weiß geschmückten Halle bei Bier, Brezeln und Blaskapelle eingefunden – ein bisschen Bayern im Sauerland. Keine Pfiffe, keine Buhrufe, keine besorgten Bürger.

Die Briloner begrüßen Merkel eher mit wohlwollender Gelassenheit. Hier schätzt man, dass sie erst sondiert und dann reagiert. „Gut, das mit den Flüchtlingen hätte sie anders regeln können“, sagt einer, aber nun habe sie das Ganze ja doch gut hinbekommen. „Es gibt so viele Krisen auf dieser Welt. Ich weiß nicht was Martin Schulz will, aber ich weiß, was Merkel kann“, findet ein stämmiger Rentner.

Der Fahrplan zur Bildung einer neuen NRW-Landesregierung

Erste Sitzungen

Nach den Beratungen der Parteigremien am Montag kommen an diesem Dienstag die neuen Landtagsfraktionen in Düsseldorf zu ihren ersten Sitzungen zusammen.

Neuer Landtag

Zu seiner konstituierenden Sitzung muss der neue Landtag nach Artikel 37 der Landesverfassung spätestens am 20. Tag nach der Wahl zusammentreten. Im vorläufigen Terminkalender des Landtags ist dafür der 1. Juni vorgesehen.

Ministerpräsident

Eine Frist für die Wahl des Ministerpräsidenten setzt die Verfassung nicht. Der Termin hängt vom Tempo der Koalitionsverhandlungen ab.

2010

Im Jahr 2010 gab es nach der Landtagswahl keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Damals dauerte es fast zehn Wochen – vom 9. Mai bis zum 14. Juli – bis Hannelore Kraft (SPD) zur Ministerpräsidentin einer Minderheitsregierung von SPD und Grünen gewählt wurde.

2012

Deutlich schneller kam Kraft 2012 zum Zug. Zwischen der Landtagswahl am 13. Mai und ihrer erneuten Wahl zu Regierungschefin am 20. Juni lagen kaum sechs Wochen. Damals hatte die rot-grüne Koalition eine klare Mehrheit.

Die Kanzlerin aus dem fernen Berlin weiß, was die Leute auf dem Land hören wollen. Sie redet über den Stau bis zum Mond, über die Novellierung des Jagdgesetzes und den 600. Geburtstag der ortsansässigen Schützengemeinschaft. Laschet, der am Mittwoch vergangener Woche nach ihr auf die Bühne tritt, kann die Anwesenden nur noch mäßig begeistern. Auf die Frage, was sie von ihm als Spitzenkandidaten halten, verziehen einige nur die Mundwinkel. „Nicht sehr viel“, aber man wähle halt CDU.

Genauso dachten die viele Menschen in Nordrhein-Westfalen: Unscheinbar, zu lieb, zu ähnlich. Immer wieder wurde Laschet vorgeworfen, er sei nicht angriffslustig genug, biedere sich bereits vor der Wahl als Juniorpartner für die SPD an und sei zu nett. Parteikollegen wie Jens Spahn halten bekanntermaßen nicht übermäßig viel von ihm. Als ehemaliger Integrationsminister in der schwarz-gelben Regierung von Jürgen Rüttgers zählt Laschet zur progressiven Mitte seiner Partei.

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Wegen seiner politischen Nähe zur Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik ist er selbst in seinem eigenen Landesverband umstritten. Auf dem Parteitag der CDU in Münster hatten sich die meisten mit ihrem Schicksal schon abgefunden: Mit Armin Laschet als Spitzenkandidat würde man nicht gewinnen können, da waren sich die meisten einig. Dann betrat Angela Merkel die Landesbühne. Und plötzlich war Laschets Nähe zu Merkel nicht mehr sein Fluch, sondern sein Segen.

Wo immer genug Platz war, versammelten sich mehrere tausend Menschen bei Auftritten der Kanzlerin. Und nur die wenigsten von ihnen kamen, weil sie ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen wollten. Sie kamen, weil Merkel ja „doch irgendwie cool ist“ – und sie mal live gesehen zu haben, schon ein Erlebnis sei.

Und die Kanzlerin gab sich locker, entspannt und scherzte auf der Bühne. Die sonst so ruhige und rationale CDU-Chefin wirkte plötzlich angriffslustig. Zeitweise sogar fast populistisch, wie in Aachen, als sie über Staus in der Länge von der Erde bis zum Mond spricht. „Sie sind doch nicht dümmer als die Menschen in Bayern. Wenn es Ihnen hier schlechter geht, liegt das daran, dass die Politik das Problem ist”, rief Merkel der Menge entgegen und erntete lauten Jubel. „Man kann mittlerweile wirklich schon von einem Merkel-Effekt sprechen“, sagt auch Politikwissenschaftler Stefan Marschall von der Universität in Düsseldorf.

Kommentare (14)

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Herr Hofmann Marc

15.05.2017, 14:54 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“

Rainer von Horn

15.05.2017, 15:04 Uhr

Zitat:
Zitat:
"Wenn es Ihnen hier schlechter geht, liegt das daran, dass die Politik das Problem ist”, rief Merkel der Menge entgegen und erntete lauten Jubel. "

Ist auch was von Angela!-Angela!-Rufen bekannt?? Die Aussage oben muss man sich mal auf der Zunge zegehenlassen. Na, das nennt man wohl Chuzpe.

Zu hoffen, daß der Merkel-Effekt genauso ein Rohrkrepierer wird, wie der Schulz-Zug, das ist wohl zu viel verlangt!

Herr Peer Kabus

15.05.2017, 15:47 Uhr

Herr Peer Kabus15.05.2017, 14:17 Uhr

Gewinner gab es, so finde ich bei der Wahl eigentlich keine. Wieso man die lasche Lusche Laschet zum Gewinner hochgejubelt hat, ist völlig unerfindlich. Da hat Wolfgang Bosbach sicher einen höheren Anteil am Stimmenzugewinn der CDU als der geborene Verlierer Laschet.

Dass die FDP der politische „Gewinner“ ist, verneine ich. Vielmehr dürfte die FDP Nutznießer der durch die parteiinternen Querelen der AfD vergraulten Wähler gewesen sein. Es reicht der AfD anscheinend nicht, öffentlich von Massenmedien grundsätzlich verunglimpft zu werden – nein, da muss man diesen verhassten Massenmedien noch zusätzlichen Stoff für eine massenwirksame Abschreckung von Protestwählern liefern, deren abgewanderten Wählerkreuzchen nicht nur der AfD fehlen, sondern (aber wie soll man schon auf so etwas Kompliziertes kommen?) andere Parteien stärken.

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