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02.04.2017

14:46 Uhr

NRW-Wahlkampfauftakt

Polit-Pop bei der SPD

VonChristian Wermke

In Essen feiert die NRW-SPD ihren pompösen Wahlkampfauftakt – und lässt sich von den CDU-Gerechtigkeitsattacken nicht beeindrucken. Die Sozialdemokraten um Regierungschefin Hannelore Kraft schalten auf Gegenangriff.  

Das sagt Schulz auf dem SPD-Parteitag in Essen

Video: Das sagt Schulz auf dem SPD-Parteitag in Essen

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EssenFlackernde Spots, Lichtorgeln, vier Großleinwände: Die Bühne in Essen ist bereit fürs Popkonzert. „Liebe ist meine Religion“ singt Frida Gold, „Wovon sollen wir träumen“, „Wir sind zuhause“. Mehr als drei Songs gibt es aber nicht von der Band, selbst ein Ruhrpott-Gewächs. Denn der Hauptact ist heute die Politik.

Die SPD feiert ihren Wahlkampfauftakt in Nordrhein-Westfalen. Die Stars sind NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft und Kanzlerkandidat Martin Schulz. Mit dabei ist die gesamte Führungsriege der Bundespartei: Vizekanzler Sigmar Gabriel, Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz, seine rheinland-pfälzische Kollegin Malu Dreyer, Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann. Die SPD-Granden zeigen Gesicht, beweisen, wie wichtig NRW ihnen ist. Gerade jetzt, nach der Niederlage im Saarland, wo die Wähler sich auch aus Angst vor Rot-Rot mehrheitlich für die CDU entschieden haben.

Wo ginge der Neustart das besser als in der alten Sauger- und Kompressorenhalle der Kokerei, Zeche Zollverein, das größte Stück Industriekultur, das NRW zu bieten hat. Auf dem Gelände haben Männer jahrzehntelang im Kohlestaub geschuftet, die „hart arbeitenden Menschen“, die Parteichef Schulz gern in seinen Reden erwähnt. Die „Grand Hall“, seit Januar eine Eventlocation, wird auf beiden Seiten noch immer von schweren grünen Maschinen flankiert.

Martin Schulz – ein Politikerleben

Startschuss

1974 tritt Martin Schulz in die SPD ein.

Bürgermeister

1987 bis 1998 war der gelernte Buchhändler Bürgermeister der Stadt Würselen bei Aachen.

EU-Parlament

Ab 1994 war Martin Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments.

In der Partei

Seit 1999 gehört er dem SPD-Parteivorstand und dem Parteipräsidium an.

In Straßburg und Brüssel

Von 2004 bis 2012 ist Schulz Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

Präsident

Seit 2012 stand er als Präsident dem EU-Parlament vor – im November 2016 kündigt er seinen Wechsel in die Bundespolitik an.

Spitzenkandidat

Nach dem Rückzug von Parteichef Sigmar Gabriel soll Schulz die SPD in den Bundestagswahlkampf 2017 führen.

Dann rückt die Parteiprominenz in die Halle ein. Hannelore Kraft, rotes Jackett und Selfiekamera in der Hand, läuft zusammen mit Schulz in Richtung Bühne, aus den Lautsprechern hämmert „I’ve got the Power“, ich habe die Kraft. Der ganze Saal steht, minutenlanger Jubel. Alles hier fühlt sich an wie eine vorgezogene Wahlparty. Die Partei ist beflügelt von den Umfragen, liegt derzeit mit 37 Prozent komfortable sieben Prozentpunkte vor der CDU.

Noch sind die Attacken der CDU frisch, die sich einen Tag zuvor in Münster zum Landesparteitag getroffen hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Spitzenkandidat Armin Laschet hatten die SPD in die linke Ecke geschoben, ihr vorgeworfen, eine überholte Vorstellung von Gerechtigkeit zu haben. „Sie reden von Gerechtigkeit – aber vergessen, dass Gerechtigkeit ohne Innovation nicht klappt“, erklärte Merkel.

Schulz antwortet darauf in Essen direkt: „Gerechtigkeit ist seit 154 Jahren unser Markenkern“, sagt er in seiner Rede. Innovation hingegen sei nichts für Sonntagsreden. „Innovation braucht man jeden Tag. Sie beginnt in der Kita, in der Ganztagsschule, in der Gebührenfreiheit von Universitäten, wo es dann nicht mehr der Professorentitel der Eltern oder das Einkommen eines Managers einfacher machen, sondern alle Kinder die gleichen Chancen erhalten.“ Schulz schafft es, Merkels Attacke sofort umzudrehen: „Der Begriff Innovation und Gerechtigkeit war auch der, mit dem Helmut Kohl 1998 im Kanzleramt abgelöst wurde.“

Kommentare (1)

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Herr Heinz Keizer

03.04.2017, 09:26 Uhr

"Aber Kraft weist auch auf ihre eigenen Erfolge hin"

Darauf kann sie wahrlich stolz sein. Schulpolitik - negativ. Wirtschaftswachstum - im Vergleich negativ. Ein Innenminister, der schon ein paarmal hätte entlassen werden müssen. Eine der höchsten Einbruchsraten und der niedrigsten Aufklärungsquote von allen Bundesländern. Ghettos in vielen Städten, in die sich nicht mal mehr die Polizei traut. Vertuschen von Straftaten von Ausländern. Arbeitslosenquote deutlich über Bundesdurchschnitt. usw.

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