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02.03.2017

00:12 Uhr

Politischer Aschermittwoch in NRW

Die sechste Jahreszeit

VonAndreas Neuhaus, Kathrin Witsch

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, heißt es. Das gilt nicht nur für Karneval. Nun werden auch traditionell die politischen Samthandschuhe abgelegt –und ordentlich ausgeteilt. In NRW sogar mit Hilfe von ganz oben.

Politischer Aschermittwoch in NRW: Die Grüne Landesvorsitzende Mona Neubaur, die Kölner Oberbürgermeisterin, Henriette Reker,und der NRW Landesvorsitzende Sven Lehmann (l-r) sprechen am 01.03.2017 in Köln bei der Veranstaltung der Grünen. dpa

Grüne in NRW

Politischer Aschermittwoch in NRW: Die Grüne Landesvorsitzende Mona Neubaur, die Kölner Oberbürgermeisterin, Henriette Reker,und der NRW Landesvorsitzende Sven Lehmann (l-r) sprechen am 01.03.2017 in Köln bei der Veranstaltung der Grünen.

Köln/Lennestadt/SchwerteWer zwischen den Kölsch trinkenden und fröhlich schunkelnden Grünen auf dem politischen Aschermittwoch in Nordrhein-Westfalen saß, käme nie auf den Gedanken, dass die Partei wenige Wochen vor der Wahl im größten Bundesland mit den niedrigsten Umfragewerten seit neun Jahren zu kämpfen hat. Stattdessen lobt Spitzenkandidatin und NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann sich anlässlich ihres 60. Geburtstages selbst: „Am Nachmittag muss ich zum Anstoßen noch ins Ministerium, die finden nämlich, dass sie eine tolle Chefin haben.“ Der unterstützend herangeeilte Grünen-Chef Cem Özdemir wirkt unterdessen mit seinen platten Witzen eher wie ein Büttenredner als ein Politiker.

Die Grünen reden sich ihre Krise schön, während SPD und CDU sich freuen, dass die Rhetorik der kleinen Parteien, sich als Alternative zu den Großen zu präsentieren, nicht mehr zu funktionieren scheint. Die politische Auseinandersetzung konzentriert sich wieder auf SPD und CDU.

Dessen sind sich die regierenden Sozialdemokraten am Abend in Schwerte durchaus bewusst. Im Festsaal des Gasthofs Freischütz haben sich 700 Gäste zum politischen Schlagabtausch mit ihrer Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Ehrengast Martin Schulz eingefunden. Anfragen hatte die SPD eigenen Angaben zufolge allerdings dreimal so viele.

Politischer Aschermittwoch: Merkel nimmt den Namen Schulz nicht in den Mund

Politischer Aschermittwoch

Merkel nimmt den Namen Schulz nicht in den Mund

Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Bayern die Show gestohlen. Im hohen Norden schaltet Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Attacke – zumindest ein bisschen.

Wie bei allen SPD-Veranstaltungen seit Bekanntgabe der Kandidatur von Martin Schulz ist die Stimmung nahezu ekstatisch. Zum Einmarsch des ehemaligen Europaparlamentspräsidenten spielt die Jazz-Band unter lautem Getöse den Gospel-Song „When the Saints Go Marching in“ (zu dt.: Wenn die Heiligen einmarschieren), die SPD macht ihren Kanzlerkandidaten damit wortwörtlich zum „Heilsbringer“.

Deutlich gediegener geht es bei der CDU im Sauerland zu. Getrunken wird wenig, kaum geschunkelt und eher selten gelacht. In der Schützenhalle von Lennestadt, einem mächtigen Fachwerkhaus mit Holzdecken, versucht eine Marschkapelle für Stimmung zu sorgen. Die kommt erst mit der Rede von Armin Laschet auf und verschwindet ebenso schnell wieder, als sich der nordrhein-westfälische CDU-Chef unmittelbar nach seinem Auftritt schon zum nächsten Termin verabschiedet.

Laschet ist der einzige NRW-Spitzenkandidat ohne Unterstützung von ganz oben. Angela Merkel zog es vor, heute wie gewohnt in ihrem eigenen Wahlkreis Mecklenburg-Vorpommern aufzutreten. Aber Armin Laschet schießt auch ohne seine Parteivorsitzende gegen alles, was Rang und Namen hat. Seien es Innenminister Ralf Jäger, Sylvia Löhrmann oder Martin Schulz.

Kommentare (1)

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Lothar dM

02.03.2017, 08:29 Uhr

Dass mit Laschet selbst in CDU Kreisen keine Stimmung aufkommt, ist kein Wunder. Der redet in etwa so mitreissend wie seine Kanzlerin. Fast möchte man meinen, Laschet ist der männliche Klon von Merkel ... und das ist nun wirklich nicht witzig.

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