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22.02.2017

11:18 Uhr

Wahlumfrage

AfD im freien Fall

Einer neuen Forsa-Erhebung zufolge kommen die Sozialdemokraten auf 31 Prozent – unverändert knapp hinter der CDU. Die AfD büßt einen weiteren Punkt ein und erreicht den niedrigsten Wert seit sieben Monaten.

Die noch bis zur Jahreswende erfolgsverwöhnte AfD steuert auf eine unsichere Zukunft zu. dpa

AfD

Die noch bis zur Jahreswende erfolgsverwöhnte AfD steuert auf eine unsichere Zukunft zu.

BerlinNach der Festlegung auf Martin Schulz als Kanzlerkandidat verharrt die SPD einer Umfrage zufolge bei über 30 Prozent. Wie eine am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Erhebung für RTL und „Stern“ ergab, kommen die Sozialdemokraten auf 31 Prozent, während die Union drei Punkte mehr bekommt. Im Vergleich zur letzten Umfrage ergibt sich damit für beide keine Veränderung. Einen weiteren Punkt allerdings büßt die AfD ein, die nun mit 8 Prozent ihren niedrigsten Wert seit sieben Monaten hat

Dass die AfD in den vergangenen vier Wochen kontinuierlich an Zustimmung verloren hat und ihr Präferenzwert von 12 auf 8 Prozent gesunken ist, begründet Forsa-Chef Manfred Güllner so: „Mit ihrem Wählerfänger-Thema Flüchtlingskrise kann die AfD momentan kaum punkten, und die chaotische Amtsführung von US-Präsident Donald Trump, den man zunächst noch feierte, beunruhigt jetzt eher angesichts der Krisenherde in aller Welt.“

Rechtspopulistische Parteien in Europa

Ungarn

Die nationalkonservative und rechtspopulistische Fidesz regiert das Land seit 2010 mit absoluter Mehrheit. Ministerpräsident Viktor Orban schränkte trotz Protesten der „Brüsseler Bürokraten“ Pressefreiheit und Datenschutz ein. Gegen ankommende Flüchtlinge ließ er die Grenzen mit Zäunen abriegeln.

Polen

Die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) regiert seit 2015 in Warschau mit absoluter Mehrheit. Muslime sind ihr und weiten Teilen der Bevölkerung nicht willkommen.

Österreich

Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ist nicht erst seit Beginn der Flüchtlingskrise im Aufschwung. „Österreich zuerst“ ist ihre Devise. Bei den Landtagswahlen 2015 verzeichnete sie massive Zugewinne. Sie ist an zwei Regierungsbündnissen beteiligt. In Umfragen liegt sie derzeit deutlich vor der sozialdemokratischen SPÖ und der konservativen ÖVP.

Frankreich

Die rechtsextreme Front National (FN) ist seit Jahrzehnten eine politische Größe. Die Partei um Marine Le Pen bemüht sich um ein bürgerliches Image. Inhaltlich haben sich die Positionen im Vergleich zur Zeit des Parteigründers Jean-Marie Le Pen aber kaum verändert. Bei der Wahl zum Europaparlament 2014 wurde die FN stärkste Kraft im Land. Sozialisten und Republikaner lehnen eine Zusammenarbeit bisher ab.

Italien

Schon seit Ende der 80er Jahre gibt es die rechtspopulistische Lega Nord. Bei den Wahlen 2013 knackte die europafeindliche Partei nur ganz knapp die Vier-Prozent-Hürde. Seit ihr Chef Matteo Salvini in der Flüchtlingskrise eine immer fremdenfeindlichere Ausrichtung vorangetrieben hat, steigen die Umfragewerte der Partei wieder.

Niederlande

Die Partei für die Freiheit (PVV) von Geert Wilders sitzt seit zehn Jahren im Parlament. Hauptthema ist eine scharfe Islam-Kritik. Seit 2012 ein Tolerierungsabkommen zwischen Christdemokraten, Rechtsliberalen und PVV zerbrach, schließen fast alle Parteien eine Zusammenarbeit mit Wilders aus.

Großbritannien

Die UK Independence Party (UKIP) hat mit dem Brexit-Votum beim britischen EU-Referendum ihr Ziel erreicht. Seit Parteichef Nigel Farage zurückgetreten ist, herrscht in der Partei allerdings Chaos.

Schweden

Die Schwedendemokraten (SD) geben sich national-gesinnt und eurokritisch. Bei der Reichstagswahl 2014 kamen sie auf fast 13 Prozent der Stimmen. Die anderen Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit der rechten Partei ab.

Schweiz

Die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP), die von der AfD als ein Vorbild angesehen wird, ist seit Jahren die wählerstärkste Partei. Mit einem Programm zur Verschärfung des Asylrechts und zur Abgrenzung von der EU kam sie 2015 mit 29,4 Prozent auf ihr bislang bestes Ergebnis. Die SVP ist seit langem in der Regierung vertreten. In der Schweiz ist es üblich, dass die vier wählerstärksten Parteien die siebenköpfige Regierung bilden.

Dänemark

Die Dansk Folkeparti (DF) ist ein akzeptierter Teil des Parteienspektrums. Die strenge Asylpolitik Dänemarks trägt die Handschrift der Rechtspopulisten. Obwohl die DF bei der Wahl im Juni 2015 stärkste bürgerliche Kraft wurde, lehnte sie eine Regierungsbeteiligung ab. In Norwegen dagegen regiert die einwanderungskritische Fortschrittspartei mit, in Finnland die rechtspopulistische Partei Die Finnen.

Aber auch die undurchsichtigen innerparteilichen Auseinandersetzungen trügen zum Wählerschwund bei. „Zudem sind die wenigen gemäßigten AfD-Anhänger zur SPD abgewandert, weil deren Kanzlerkandidat Martin Schulz zugetraut wird, die ihnen so verhasste Angela Merkel abzulösen.“ Bislang haben beide Blöcke in der AfD eine Entscheidungsschlacht vermieden. Dies mag auch an den traumatischen Erfahrungen nach der Abspaltung des Flügels unter AfD-Gründer Bernd Lucke im Juli 2015 liegen.

Damals stürzte die Partei bis unter die Fünf-Prozent-Marke ab. Es ist aber fraglich, ob sich beim kommenden AfD-Bundesparteitag im April in Köln die Konflikte in einem beherrschbaren Maß halten lassen. Die noch bis zur Jahreswende erfolgsverwöhnte AfD steuert auf eine unsichere Zukunft zu.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

22.02.2017, 11:33 Uhr

AfD im freien Fall und die SPD im März bei den Saarlandwahlen bei 120%...ist schon klar. Jetzt werden wieder die Psychotricks der SPD und Grünen Medien herausgekrammt. Und wenn die Wahl die SPD wieder abstraft und die AfD in den nächsten Landtag (Saarland) einziehen lässt, dann heißt es wieder....die Wähler sind Dumm...die wussten nicht, was diese gewählt hätten...usw.
Weder ist die CDU und SPD bei über 30% noch ist die AfD im freien Fall.
Danke!

Rainer von Horn

22.02.2017, 11:40 Uhr

Die AfD und Rauten-Merkel sind vorerst durch Schulz erledigt und das ändert sich erst dann wieder, wenn Schulz zu drängenden Themen wie Rettung von halb Euro-Europa durch die deutschen Steuerzahler, Aufnahme von wesentlichen Teilen der arabischen und afrikanischen Männerwelt und Wahlrecht für Migranten sowie Tragen von Kopftuch, Zulassung von Kinderehen und solchen Themen eindeutig Stellung bezogen hat wird sich das schnell wieder ändern.

Account gelöscht!

22.02.2017, 11:49 Uhr

@Rainer von Horn
Schulz wird doch von den Regierungsmedien nur aufgebaut damit Merkel einen Gegenpol hat und sich nicht direkt mit den Forderungen der AfD beschäftigen muss.
SPD und Union...beiden geht es nicht um ein besseres Deutschland sondern um den Macht und Giererhalt in der deutschen Politik.

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