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08.03.2011

11:17 Uhr

Arbeitsmarkt

Die geheime Kraft der Freunde

VonOlaf Storbeck

Wie schnell ein Arbeitsloser einen neuen Job findet, hängt nicht nur von seinen Qualifikationen und Gehaltsvorstellungen ab - sondern auch von seinen Freunden, zeigen zwei Wirtschaftsforscher in einer neuen Studie.

Gute Freunde helfen sich - auch bei der Jobsuche. Quelle: ap

Gute Freunde helfen sich - auch bei der Jobsuche.

LondonFür Dominique Wagner ist es viel mehr als nur irgendein Job: Seit Mai 2008 ist er technischer Projektleiter bei der Hamburger Messe - genau das, wovon er immer geträumt hat. Zu verdanken hat der studierte Bauingenieur den Posten seinen sozialen Kontakten. "Mein Traumjob hat mich gefunden - dank Xing", sagt Wagner in einer Werbung auf der Internetseite des sozialen Netzwerks.

Die Onlineplattform wirbt mit dem Argument, seinen Nutzern bessere Karrierechancen zu verschaffen, um zahlende Kunden.

Und macht damit wahrscheinlich keine leeren Versprechen - dafür zumindest spricht eine Studie von zwei Ökonomen aus Mailand und Bonn. Lorenzo Cappellari und Konstantinos Tatsiramos liefern darin erstmals harte empirische Belege dafür, wie wichtig unser Freundeskreis für unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist. Gute soziale Kontakte sorgen nicht nur dafür, dass Arbeitslose schneller einen neuen Arbeitsplatz finden - sie ergattern auch bessere Jobs, die zu langfristigeren Arbeitsverhältnissen führen, zeigt die Studie mit dem Titel "Friends' Networks and Job Finding Rates".

Die Forscher konzentrieren sich nicht auf virtuelle Netzwerke, sondern untersuchen das Phänomen anhand enger Freunde aus dem wirklichen Leben. Sie werten Daten einer britischen Langzeitstudie aus, in der seit 20 Jahren jährlich die gleichen Menschen detailliert befragt werden - nach ihre sozialen und ökonomischen Lebensumständen. Unter anderem geben die rund 11000 Teilnehmer an, wen sie zu ihren drei engsten Freunden zählen und ob diese einen Job haben oder arbeitslos sind.

Cappellari und Tatsiramos konzentrieren sich auf Menschen, die zwischen 18 und 65 Jahre alt sind und die zwischen 1992 und 2002 mindestens einmal arbeitslos waren - insgesamt handelt es sich dabei um fast 3200 Personen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arbeitsloser nach einem Jahr nicht mehr auf der Straße stand, lag im Schnitt bei 20,3 Prozent. Mit jedem engen Freund, der beschäftigt war, stieg diese Wahrscheinlichkeit um rund sechs Prozentpunkte. Personen, deren drei beste Freunde allesamt einen Job hatten, hatten nach einem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 40 Prozent wieder eine Anstellung. "Die Größe dieses Effekts ist bemerkenswert", schreiben die Autoren der Studie.

Freunde, die einen Job haben, sind für Arbeitslose zudem bares Geld wert: Pro beschäftigten Bekannten verdienen sie ein Jahr später rund 6,2 Prozent mehr. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre neue Stelle wieder verlieren, deutlich - ein Indiz dafür, dass die Jobs besser zu den Qualifikationen und Vorstellungen der Arbeitssuchenden passen.

Was ist der Grund für dieses Phänomen? Dass es Arbeitslose unzufriedener macht, wenn ihre Freunde im Erwerbsleben stehen, und sie daher eher bereit sind, eine neue Stelle anzunehmen, schließen die Forscher als Erklärung aus. Denn würden Menschen aus Frust den erstbesten Job akzeptieren, müssten sie eher weniger als mehr verdienen. Zudem zeigten die Daten, dass Arbeitslose, deren Freunde Jobs haben, keineswegs unzufriedener mit ihrer Situation sind. Cappellari und Tatsiramos vermuten, dass man von Freunden, die im Erwerbsleben stehen, bessere Informationen über freie Stellen bekommt.

Praktiker stützen diese These. "Wer in seinem Bekanntenkreis offen mit seiner Arbeitslosigkeit umgeht, findet nach meiner Erfahrung aus seinem sozialen Umfeld sehr häufig eine neue Anstellung", sagt Arno Frings, Arbeitsrechtsexperte und Partner der Großkanzlei Orrick. "Das klappt so häufiger als die Vermittlung durch Headhunter."

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