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18.01.2010

16:24 Uhr

CO2-Emissionen

Die Sünden-Weltmeister

VonOlaf Storbeck

China ist der größte Klimasünder der Welt. Doch selbst in der dreckigsten Stadt des Landes erzeugt ein Einwohner viel weniger CO2 als in der saubersten US-Stadt. Eine ähnliche Entwicklung wie in den USA hätte fatale Folgen für das Weltklima.

Gemeinsam sind die USA und China für fast 42 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen zuständig. Quelle: ap

Gemeinsam sind die USA und China für fast 42 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen zuständig.

LONDON. Klimaforscher sind sich einig: Wenn China und die Vereinigten Staaten nicht mitmachen, sind alle Versuche der Menschheit, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) zu begrenzen, zum Scheitern verurteilt. Gemeinsam sind beide Länder für fast 42 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Im Jahr 2008 hat China die USA als größter Klimasünder überholt - und mit seinem Widerstand gegen verbindliche Emissionsziele den Klimagipfel in Kopenhagen zum Scheitern gebracht.

Auf den ersten Blick sind die CO2-Emissionen beider Länder sehr ähnlich: China pustete im Jahr 2008 6,8 Milliarden Tonnen des Treibhausgases in die Luft, die Vereinigten Staaten 6,4 Milliarden. Doch diese Zahlen verschleiern enorme Unterschiede zwischen beiden Ländern, zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie eines vierköpfigen chinesisch-amerikanischen Forscherteams.

CO2-Emissionen von Städten unterscheiden sich gewaltig

Die Wissenschaftler der Universitäten Harvard, Los Angeles (UCLA) und Tsinghua haben sich auf die Emissionen der privaten Haushalte in beiden Ländern konzentriert und diese auf der Ebene einzelner Städte verglichen. In den USA sind die privaten Haushalte für rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich, in China dagegen sind es derzeit nur rund halb so viel.

In akribischer Kleinarbeit haben die Forscher für die wichtigsten amerikanischen und chinesischen Städte den Energieverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts mit mittlerem Einkommen verglichen. Als eine zentrale Quelle nutzten sie detaillierte Haushaltsumfragen, in denen Verbraucher in den USA und in China über ihre Lebensgewohnheiten befragt wurden. Die Forscher legen frappierende Unterschiede offen - nicht nur zwischen den beiden Ländern, sondern auch zwischen unterschiedlichen Städten innerhalb der Vereinigten Staaten und China.

Der Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen in beiden Ländern unterscheidet sich gewaltig. "Die CO2-Emissionen der großen Städte in China sind dramatisch niedriger als in den USA", stellen die Forscher fest. In den grünsten amerikanischen Städten, San Diego und San Francisco, erzeugt ein durchschnittlicher Haushalt 26 000 Tonnen CO2 pro Jahr. In Peking sind es nur vier Tonnen, in Shanghai 1,8 Tonnen. Selbst in der schmutzigsten chinesischen Stadt - Daqing im Nordosten des Landes - sind die CO2-Emissionen fünfmal niedriger als in den umweltfreundlichsten amerikanischen Städten.

Innerhalb beider Länder gibt es enorme Unterschiede zwischen verschiedenen Städten. In Regionen, in denen es im Winter besonders kalt oder im Sommer besonders heiß ist, verbrauchen die Menschen viel mehr Energie als in Gegenden mit ausgeglichenerem Klima. So stößt ein durchschnittlicher Haushalt in Memphis, Texas, fast 80 Prozent mehr Treibhausgase in die Luft als einer in San Diego.

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