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14.01.2008

08:00 Uhr

Demografie

New Age – oder: Wir sind nicht so alt wie wir uns fühlen

VonNorbert Häring

ExklusivDie Industrieländer leiden unter Überalterung? Stimmt nicht, sagt der Standford-Ökonom John Shoven. In einer neuen Studie zeigt der Wissenschaftler: Unser einziges Problem ist unsere bisherige Definition von Alter. Denn laut Shoven sind wir viel jünger, als wir glauben.

Jünger, als man denkt...

Jünger, als man denkt...

Tick, tack, tick, tack. Die Zeitbombe tickt. Unaufhaltsam rückt der Tag näher, an dem die verbleibenden Beitragszahler im arbeitsfähigen Alter unter der immer größer werdenden Last der Rentner zusammenbrechen - und mit ihnen das Rentensystem und alle möglichen anderen staatlichen Errungenschaften. Weil dem Staat das Geld ausgeht. So wollen uns die vielen Warner vor dem Demografie-Gau glauben machen.

Die Argumente der Kassandra-Rufer scheinen ausgesprochen überzeugend. Im Jahr 2050 wird der Anteil der über 60-jährigen an der Bevölkerung Simulationen der Statistiker zufolge von heute etwa einem Viertel auf zwei Fünftel gestiegen sein. Da von den über 60-jährigen nur noch gut jeder vierte arbeitet, kann man sich ausmalen, was das für das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern bedeutet.

John Shoven, Ökonom an der Stanford University in Kalifornien, macht jedoch eine andere Rechnung auf. In einem Arbeitspapier untersucht er, wie sich das Demografieproblem darstellt, wenn man das Alter nicht in Jahren seit der Geburt, sondern in statistisch noch zu erwartenden Lebensjahren misst. Die Schlussfolgerungen sind drastisch andere: Das Ausmaß des Alterungsproblems stellt sich weit erträglicher dar.

Die Daten, auf der Shovens Untersuchung aufbaut, sind weder neu noch besonders schwer zu finden. Aber sie werden von Demografie-Experten üblicherweise nicht in diesem Blickwinkel analysiert.

Geht man vom Sterberisiko aus, wäre das Alter eines 65-jährigen Mannes im Jahr 2000 vergleichbar mit dem Alter eines 59-jährigen im Jahr 1970. Zwischen letzterem und einer 70-jährigen Frau im Jahr 2000, die die gleiche Lebenserwartung aufweist , liegen sogar elf normal gezählte Lebensjahre. Das sind Daten für Amerikaner, die Entwicklung der Lebenserwartung und Sterbewahrscheinlichkeiten unterscheidet sich jedoch nicht allzu sehr von der in Europa.

"Einige der Voraussagen in Bezug auf das Altern der Bevölkerung hängen allein an der konventionellen Messung des Alters in Jahren seit Geburt", stellt Shoven fest und demonstriert das Alternativkonzept am Beispiel eines heute 65-jährigen Menschen. Im Durchschnitt über Männer und Frauen hat dieser eine jährliche Sterbewahrscheinlichkeit von 1,5 Prozent.

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