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28.10.2011

19:13 Uhr

Depressionen

Zu viel Wandel macht Mitarbeiter krank

VonOlaf Storbeck

Das Credo der modernen Welt: Alles muss in Bewegung bleiben. Stillstand ist Rückschritt. Doch eine Studie zeigt nun: Zu viel Wandel in einem Unternehmen macht dessen Mitarbeiter sogar krank. Depressionen sind die Folge.

Beschäftigte von Firmen, die umgebaut werden, leiden häufiger an Depressionen. dpa

Beschäftigte von Firmen, die umgebaut werden, leiden häufiger an Depressionen.

LondonZitieren lassen sie sich damit nicht. Aber im Vier-Augen-Gespräch brüsten sich manche Manager gern damit, regelmäßig ihr Unternehmen umzukrempeln. „Veränderungen sind positiv“, sagt der Chef eines britischen Konzerns, der stolz darauf ist, das Unternehmen in vier Jahren viermal umgebaut zu haben. „Es ist gut, wenn sich die Mitarbeiter nicht an Organisationsstrukturen gewöhnen, sondern in Bewegung bleiben.“

Seine Mitarbeiter dürften ihn dafür verfluchen. Und zu viel Wandel führt nicht nur zu Unmut, sondern macht krank. Zu diesem Ergebnis kommt der dänische Ökonom Michael Dahl (Universität Aalborg) in einer bemerkenswerten Studie.

Anhand von Daten von knapp 93.000 Beschäftigten aus mehr als 1.500 dänischen Großunternehmen zeigt Dahl: Beschäftigte von Firmen, die umgebaut werden, leiden viel häufiger an Depressionen und Schlaflosigkeit.

„Grundlegender, breit angelegter organisatorischer Wandel kann deutlich negative Folgen für das Personal haben“, heißt es in der Studie. Darunter leide auch das Unternehmen insgesamt. Schließlich seien depressive oder übernächtigte Beschäftigte weniger leistungsfähig und einsatzbereit.

Dahl nutzt für seine Arbeit drei verschiedene Datenquellen, die er miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist eine Umfrage des dänischen Statistikamtes unter 1500 Unternehmenschefs. Diese gaben unter anderem Auskunft darüber, ob und in welchem Ausmaß ihre Firma innerhalb von zwei Jahren umstrukturiert wurde und wie das aussah. Die Ergebnisse kombinierte der Forscher mit detaillierten Sozialversicherungsdaten über die Beschäftigten der befragten Firmen. Und dank der liberalen Datenschutzgesetze Dänemarks konnte Dahl diese Informationen auch noch mit einer Datenbank des dänischen Gesundheitssystems zusammenzufügen, in der die Krankengeschichten sämtlicher Beschäftigte detailliert erfasst sind.

All diese Daten sind anonymisiert, so dass sich die konkreten Personen nicht identifizieren lassen, aber der Forscher kann für jeden einzelnen Beschäftigten für die Zeit 1995 bis 2003 nachvollziehen, ob und wann ihm ein Arzt Antidepressiva oder Schlafmittel verschrieb.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

28.10.2011, 23:46 Uhr

Ja, das läßt sich nicht mehr verbergen. Die Gesundheit vieler leidet.

Aber es ist nicht nur die Flexibilisierung der Arbeitswelt die Ursache. Noch etwa 20 Jahren viel spätesten am Samstag mittag für die meisten Menschen der Hammer. Wochenende. Alle Läden zu - Langeweile und Erholung war angesagt. Nur Straßenbahnen, Kneipen, Kino, Theater und Schwimmbäder oder ähnliche hatte geöffnet.

Und heute? Nahezu rund um die Uhr hektisches Treiben. Wer überlegt verliert den Anschluß. Volle Kraft voraus - egal wohin.

Ich bin kein religiöser Mensch aber an der Maßgabe, 6 Tage zu arbeiten und den 7-ten Tag zu ruhen, da scheint was dran zu sein. Und offensichtlich ist es erholsamer, wenn alle zusammen ruhen.

Morchel

29.10.2011, 09:13 Uhr

Ja schneller,Höher,Weiter egal was es kostet. Natürlich noch Kinder zeugen immer schön adrett in der Firma gierig auf Leistung, ein blendaxlächel auf den Gesicht und natürlich wenn es der Firma schlecht geht sagt der Chef Lohnverzicht und noch mehr arbeiten ehrensache.Ich bewundere die Fortschritte in der Arbeitswelt, der nach schweiss stinkende Prolet ist entsorgt die Heile Welt ist geboren,wie schön der See doch ausschaut, nur unter der Oberfläche sieht man ein hauen und stechen. arum spring ein Löwe nur so gerne durch ein brennenden Reifen wo es doch garnicht seiner Natur entspricht ?

osos1009

29.10.2011, 09:55 Uhr

Unser Leben wird von einem Wirtschaftssystem geprägt, welches ohne immer währendes Wachstum in sich zusammen fällt. Dieses Wachstum wird durch die Erzeugung von ständig neuen Bedürfnissen aufrecht erhalten. Die Folge ist zwangsläufig ewige Unruhe und Unzufriedenheit, die nicht nur die Menschen, sondern auch die Natur letztlich krank machen. Aber dieses Wirtschaftssystem ist ja laut allgemeinem Konsens alternativlos. Wir werden alle an unserem Gold ersticken.

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