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05.12.2011

00:00 Uhr

Ökonomie

Die Master-Frage

VonEva-Maria Simon

Nach dem Bachelor wird es für viele VWL-Studenten unübersichtlich. Ein Überblick über die wichtigsten Angebote.

Studenten: Die Wahl des richtigen Master-Studiengangs ist nicht einfach. dpa

Studenten: Die Wahl des richtigen Master-Studiengangs ist nicht einfach.

Mirjam Lange hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. "Ich habe befürchtet, dass ich gar keinen Master-Platz bekomme", sagt die 22-Jährige. Doch als sie ihren VWL-Bachelor der Uni Bonn in der Tasche hatte, Abschlussnote 2,1, war es plötzlich anders. Alle Wunsch-Unis wollten sie haben. Die Entscheidung fiel ihr schwer: Die Uni Köln wirbt mit einer großen Auswahl an Fächern, Bonn bietet einen rein englischsprachigen Studiengang und einen schnellen Übergang zur Promotion.

Entschieden hat sich Mirjam Lange für eine kleine, unbekanntere Fakultät: Düsseldorf. "Die sind auf Wettbewerbsökonomik spezialisiert", sagt Lange. Für sie, die mit einem Job in der Politikberatung liebäugelt, war das der ausschlaggebende Punkt.

Wie Mirjam Lange suchen seit der Bologna-Reform jedes Jahr Tausende Absolventen nach den passenden Master-Programmen. Die Angebote sind vielfältig und unübersichtlich - jede Hochschule hat ihr individuelles Paket geschnürt.

Das Handelsblatt hat in Internet eine Übersicht der Angebote der forschungsstärksten deutschsprachigen Fakultäten zusammengestellt (www.handelsblatt.com/master). Um gute Studenten in ihre Hörsäle zu locken, müssen die Unis attraktive Programme anbieten - schließlich stehen sie seit der Bologna-Reform in direkter Konkurrenz mit Hochschulen in ganz Europa.

Jeder dritte Student wechselt für den Master die Hochschule, stellte das Hochschul Informations System (HIS) fest.

"Die besten Absolventen überlegen sich inzwischen sehr bewusst, wo sie hingehen. Das spornt uns an", sagt Monika Schnitzer, Studiendekanin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Beim Diplom und auch beim Bachelor hätten regionale Gründe bei der Uni-Wahl eine größere Rolle gespielt. Master-Studenten dagegen schauten stärker auf Rankings und Empfehlungen von Professoren.

Um diese anspruchsvollen Ökonomen für sich zu gewinnen, haben die Fakultäten verschiedene Strategien entwickelt. Die einfachste besteht darin, den potenziellen Bewerberkreis zu erweitern. An zwölf der 29 im Forschungsranking des Handelsblatts führenden Fakultäten studieren die Volkswirte ausschließlich auf Englisch. So auch in München. "Das eröffnet ein ganz neues Spektrum von ausländischen Studenten", sagt Schnitzer.

Ein anderes Lockmittel ist der direkte Weg zur Promotion. Mehrere VWL-Fakultäten haben Doktorandenschulen errichtet; mit festen Stundenplänen und Stipendien, eng verzahnt mit den Master-Programmen. Mannheimer Master-Studenten können sich nach einem Jahr auf die Studienrichtung "Economic Research" spezialisieren - ihre Masterarbeit ist Grundlage der Dissertation. In München, Dortmund, Düsseldorf, St. Gallen, Konstanz und Mainz gibt es ebenfalls Schnellstraßen zum Doktortitel.

Kleinere Fakultäten haben es dagegen schwerer, sich von der Masse abzusetzen. "Am Anfang hat es für die Studienplätze an kleinen, unbekannten Fakultäten kaum eine Nachfrage gegeben", sagt Alexander Karmann, Professor an der TU Dresden. Inzwischen hätten aber viele Hochschulen reagiert. "Sie spezialisieren sich jetzt und besetzen gewisse Nischen", sagt Karmann.

So wird langsam wahr, was sich Bildungsreformer erträumt haben: Die Differenzierung der Hochschullandschaft. Top-Fakultäten bieten ein Rundumprogramm für ihre Wunschstudenten, oft mit starkem Forschungsschwerpunkt. Die anderen bilden praxisnah Spezialisten aus.

In Düsseldorf zum Beispiel dreht sich fast alles um Wettbewerbspolitik. Die Studenten belegen Module wie Strategische oder Empirische Wettbewerbsanalyse, machen Praktika beim Bundeskartellamt oder der Monopolkommission. Deren Vorsitzender, Justus Haucap, ist gleichzeitig Professor in Düsseldorf. "Es ist ein großer Vorteil, dass wir in Lehre und Forschung so spezialisiert sind", sagt er, "dadurch haben wir genug wirklich gute Bewerber."

Eine weitere Chance für die Kleinen: Mit Mentorenprogrammen und kleinen Seminargruppen locken sie Bachelor-Absolventen, die nicht mehr in überfüllten Hörsälen auf der Fensterbank sitzen wollen. Damit erfüllen sie einen der größten Wünsche von Wirtschaftsstudenten. Mehr als 40 Prozent von ihnen, so hat das HIS festgestellt, sind mit den Kontaktmöglichkeiten zu ihren Dozenten nur mittelmäßig zufrieden oder unzufrieden.

An der Universität Erlangen-Nürnberg kennt Studiengangs-Koordinator Friedemann Richter jeden Masterstudenten. Es gibt ja auch nur 17 von ihnen. Ein Vorteil, findet Richter, auch wenn er gerne alle 20 Plätze besetzt hätte. "Natürlich gab es ein paar Bewerber, die wir gerne gehabt hätten und die dann woanders hingegangen sind", sagt er. Andererseits seien aber auch Absolventen aus Mannheim und München an die Fakultät gewechselt. "Wenn so jemand zu uns kommt, ist das für uns ein Erfolg."

Die Studenten profitieren vom verschärften Wettbewerb der Hochschulen - sie haben mehr Auswahl, und die Unis müssen mehr Rücksicht auf ihre Wünsche nehmen. Andererseits bedeutet die große Wahl für manche Bewerber auch eine große Qual. Lukas Mergele, 24, Bachelor-Student in Konstanz, wird sich ab Frühjahr um einen Master-Platz bemühen. "Ich habe jetzt schon viele Stunden damit verbracht, auf Uni-Web-Sites herumzusurfen."

Die Masterprogramme der führenden VWL-Fakultäten im Überblick: www.handelsblatt.com/master.

Kommentare (4)

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Hannes

12.01.2012, 17:09 Uhr

Münster hat auch einen VWL-Master und fehlt in der Liste.

Tabea

21.03.2012, 14:05 Uhr

Es fehlt eine weitere Uni unter den Großen in Deutschland: Uni Duisburg-Essen. Hier gibt es einen exzellenten VWL-Master mit Schwerpunkt auf der empirischen Wirtschaftsforschung.

Christina

23.04.2012, 11:54 Uhr

Wer es spezialisierter möchte: An der FH St. Pölten gibt es zwei VWL-Master ("Media Management" und "Media- und Kommunikationsberatung" mit den Vertiefungen "Strategisches Management/Marketing, Content Management und Finance & Controlling" bzw. "PR, Eventmanagement, Marketing und Mediaplanung" (...)


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