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11.01.2010

14:06 Uhr

Diskriminierung

Wie sich Gleichberechtigung im Wettbewerb auszahlt

VonHans Christian Müller

Unternehmer mit Vorurteilen schaden langfristig dem eigenen Unternehmen. BWL-Forscher haben herausgefunden, dass multikulturelle Teams meist kreativer und innovativer sind als die Konkurrenz. Wer zu einseitig einstellt, gefährdet seine Wettbewerbsfähigkeit.

Diskriminierung ist schlecht fürs Geschäft. Klaus Meinhardt

Diskriminierung ist schlecht fürs Geschäft.

DÜSSELDORF. Beide Bewerber hatten gleich gute High-School-Abschlüsse, ähnliche Berufserfahrungen, sie waren beide gut gekleidet, höflich und sprachgewandt. Der einzige erkennbare Unterschied: Der eine Bewerber war weiß, der andere Afroamerikaner. Für ein Feldexperiment eines Forscherteams der Universitäten Princeton und Harvard bewarben sich beide bei rund 170 Arbeitgebern in New York City um einen Job im Niedriglohnsektor. Das Ergebnis: Dem Weißen wurde doppelt so oft ein Arbeitsplatz angeboten wie dem Schwarzen.

Selbst als die Organisatoren dem Weißen eine 18-monatige Haftstrafe wegen Kokainhandels in den Lebenslauf schrieben, wurde er von den Personalabteilungen weiter bevorzugt. „Das Stigma eines Vorbestraften scheint weniger Gewicht zu haben als das eines Angehörigen einer Minderheit“, lautet das ernüchternde Fazit der beiden Forscher Devah Pager und Bruce Wester.

Betriebswirte haben in den vergangenen Jahren immer wieder in Experimenten und Feldversuchen nachgewiesen: Im Arbeitsleben werden Frauen, Behinderte, Alte, Homosexuelle und Angehörige von ethnischen Minderheiten noch immer benachteiligt – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

Der ökonomische Schaden, den wenig weltoffene Arbeitgeber dabei anrichten, ist immens. Wenn sie beim Auswählen ihrer Mitarbeiter vor allem auf deren äußere Merkmale statt auf deren Fähigkeiten achten, schaden sie damit ihrem eigenen Unternehmen. Doch auch die gesamte Volkswirtschaft leidet, wenn die Arbeitskraft kompetenter Mitarbeiter brachliegt. Forschern ist es inzwischen gelungen, diese Verluste zu beziffern.

So zeigen etwa Andrea Weber und Christine Zulehner vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung mit Daten von 30 000 neu gegründeten österreichischen Unternehmen: Beschäftigen Start-ups besonders wenige weibliche Mitarbeiter, gehen sie häufiger und eher pleite als andere. Erhöht dagegen ein Arbeitgeber den Anteil weiblicher Kräfte in seiner Belegschaft um zehn Prozentpunkte, so Weber und Zulehner, dann reduziere sich die Wahrscheinlichkeit einer Pleite um die Hälfte.

Auch Unternehmen mit multikulturellen Belegschaften sind deutlich erfolgreicher. „Heterogene Teams sind meist einfach kreativer und innovativer“, sagt Stefan Süß, der an der Universität Düsseldorf BWL lehrt. Und dies sei eindeutig ein Wettbewerbsvorteil im immer stärker werdenden globalen Wettbewerb.

Betriebswirt Süß beschäftigt sich in seiner Forschung mit Unternehmen, die Diversity-Management betreiben – also Frauen und Minderheiten besonders fördern, gezielt Mitarbeiter aus dem Ausland suchen und auf multikulturelles Marketing setzen. Vor allem, wer für sein Unternehmen neue Länder und Kundenkreise erschließen wolle, profitiere enorm von Mitarbeitern, die sich auskennen, so Süß.

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